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27
November
2019

Hoffnung ist Bestandteil des Alltags

Ein Glaubensgespräch mit Studierenden der KHG Dortmund

Was passiert, wenn es augenscheinlich keine Hoffnung mehr gibt? Was gibt mir Hoffnung im Alter? Was erhoffe ich für ein Leben nach dem Tod? In unserem Themenspecial haben wir Hoffnung bereits aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Eine Perspektive aber wurde bisher nur wenig beleuchtet – die Sicht junger Menschen. Dominika Pustelnik und Nikolas Nowak sind 27 und 23 Jahre alt und studieren beide auf Lehramt in Dortmund. Wir haben uns mit ihnen über ihre persönlichen Hoffnungen unterhalten.

Redaktion

Verraten Sie uns, wann Sie das letzte Mal auf etwas gehofft haben?

Dominika Pustelnik

Bei mir war es im vergangenen Sommer. Ich hatte eine wichtige Prüfung, bei der es um alles oder nichts ging. Wenn ich sie nicht geschafft hätte, hätte ich mein Studium beenden müssen. Ich habe mir unendlich viele Gedanken gemacht, was ist, wenn ich nicht bestehe. Ich habe so intensiv gehofft, es zu schaffen. Als ich dann in der Prüfung saß, hat sich plötzlich ein großes Vertrauen, ein Gottvertrauen, eingestellt. Ich wurde ganz ruhig und fühlte, dass, egal wie die Prüfung ausgehen mag, es richtig sein würde. Dass der Weg, der sich mir danach eröffnen sollte, der richtige sein würde.

Redaktion

Wie lief die Prüfung?

Pustelnik

Ich habe die Prüfung am Ende bestanden und konnte mein Studium fortsetzen. Aber in dieser Phase habe ich viele Stufen des Hoffens und Bangens durchlebt.

Nikolas Nowak

Ich muss gestehen, dass ich bei dieser Frage gerade ein wenig nachdenken musste. Ich glaube, dass wir im Alltag viel häufiger hoffen, als es uns bewusst ist. Wir hoffen doch ständig – dass der Bus pünktlich ist, dass Morgen gutes Wetter ist, dass Prüfungen gelingen.

Letztes Wochenende bin ich zum Beispiel zum ersten Mal eine längere Strecke mit einer Mitfahrgelegenheit gefahren. Ich habe mir Gedanken gemacht und gehofft, dass die Fahrer nett sein werden. Der Fahrer, der uns auf der Rückfahrt mitgenommen hat, sah auf den ersten Blick so gar nicht vertrauenswürdig aus. Aber nach zehn Minuten Fahrt haben wir uns angeregt über die katholische Kirche unterhalten und ich habe gemerkt, was für ein großherziger Mensch dieser Mann war. Diese Situation hat mir wieder einmal gezeigt, dass der erste Eindruck täuschen kann und sich ein zweiter, genauerer Blick immer lohnt.

“Ich bin offen für den Weg, der vor mir liegt und ich weiß, dass Gott mir die Richtung zeigen wird, wenn ich einmal nicht weiter weiß.”

Nikolas Nowak
Nikolas Nowak Foto: Lena Jordan
Nikolas Nowak Foto: Lena Jordan
Redaktion

Aus welchen Quellen ziehen Sie Hoffnung?

Nowak

Neben den Menschen, die mich auf meinem Weg begleiten und Teil meines Lebens sind, ist mein Glauben ein starker Hoffnungsgeber für mich. Es ist mir schon einige Male passiert, dass Dinge geschehen sind und mir erst im Nachhinein bewusst geworden ist, dass mein Glaube mir in den Situationen wahnsinnig viel Hoffnung gegeben hat.

Ich habe mein Studium beispielsweise mit einer anderen Fächerkombination begonnen. Ich habe mit Mathematik und Sport begonnen, studiere jetzt Mathematik und Theologie auf Lehramt. Der Fächerwechsel musste aus gesundheitlichen Gründen stattfinden und ich habe sehr mit Gott gehadert in dieser Zeit. Ich hatte doch so lange darauf hingearbeitet, dass ich überhaupt den Sport-Aufnahmetest an der Uni bestehe und dann sollte ich das Fach nicht zu Ende führen können?

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es so sein sollte. Das Theologiestudium macht mir sehr viel Freude. Ich freue mich auch darauf dieses Unterrichtsfach in Zukunft unterrichten zu dürfen und Sport darf ich auch wieder betreiben. Der Weg fühlt sich für mich jetzt absolut richtig an und rückblickend darf ich sagen, dass Gott mich immer auf diesem Weg begleitet und mir die richtigen Menschen an die Seite gestellt hat.

Seitdem bin ich offen für den Weg, der vor mir liegt und ich weiß, dass Gott mir die Richtung zeigen wird, wenn ich einmal nicht weiter weiß.

Pustelnik

Bei mir ist eindeutig die Familie meine Hoffnungsquelle. Sie gibt mir Halt und würde mich in jeder Situation auffangen. Wenn ich an meine Uroma denke, was sie in ihrem Leben alles durchgemacht hat. Sie hat Kriege miterlebt und war dennoch bis ins hohe Alter fit und voller Lebensenergie. Sie ist mein Vorbild, gibt mir stets Hoffnung und Zuversicht, dass alles gut werden kann. Von diesen Menschen sollte es meiner Meinung nach noch viel mehr geben, auch in der katholischen Kirche.

Dominika Pustelnik
Dominika Pustelnik Foto: Lena Jordan
Dominika Pustelnik Foto: Lena Jordan

“Meine Hoffnung ist, dass wir es schaffen, gemeinsam mehr über den Glauben zu sprechen, ihn mehr in die Gesellschaft zu bringen und vergeben zu können, auch, wenn wir enttäuscht worden sind.”

Redaktion

Welche Hoffnungen haben Sie für die katholische Kirche?

Nowak

Ich persönlich wünsche mir mehr Demut und weniger Prunk. Es würde der katholischen Kirche gut stehen, wenn sie sich noch öfters auf ihren Auftrag an den Menschen besinnen würde, sich mehr auf die Seelsorge konzentriert.
Papst Franziskus stimmt mich in dieser Hinsicht sehr positiv und ich bin mir sicher, dass er seinen Namen nicht umsonst gewählt hat. Ich habe vor kurzem erst ein historisches Seminar besucht, das sich mit dem heiligen Franz von Assisi beschäftigt hat. Dabei sind mir viele Parallelen zu unserem Heiligen Vater aufgefallen.

Pustelnik

Meine Hoffnung wäre es, dass die katholische Kirche die gesellschaftlichen Entwicklungen annimmt und ihre eigenen Vorteile daraus zieht. Kirche verändert sich, das hat sie immer getan. Daher erhoffe ich mir, dass wir einen Weg finden können, der zu den aktuellen Lebensumständen passt und bei dem sich Jung und Alt gleichermaßen wiederfinden können.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass die Menschen nicht ständig nur auf Fehler und das Schlechte schauen. In der katholischen Kirche arbeiten Menschen und kein Mensch ist unfehlbar, was aber meiner Ansicht nach häufig von Menschen im kirchlichen Dienst erwartet wird. Meine Hoffnung ist, dass wir es schaffen, gemeinsam mehr über den Glauben zu sprechen, ihn mehr in die Gesellschaft zu bringen und vergeben zu können, auch, wenn wir enttäuscht worden sind.

Redaktion

Welche Hoffnungen hegen Sie, wenn Sie auf ihr weiteres Leben, vielleicht sogar ihr Lebensende schauen?

Pustelnik

Ich hoffe, dass ich an meinem Lebensende mit einer tiefen Zufriedenheit auf mein Leben zurückschauen kann. Ich hoffe, dass ich keine meiner Handlungen bereuen werde.

Nowak

Ich erhoffe mir, dass ich weiterhin nicht das Vertrauen ‚nach oben‘ verliere und die Hoffnung und Liebe, die mir mein Glaube schenkt, an andere weitergeben kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

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