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28
August
2020
28.August.2020

Held, ohne heldenhaft zu sein

Themenspecial „Mutmacher“: vom Namenspatron Tobias lernen

Einen Schnappschuss war es wert. Mit 13 Jahren bin ich in den Herbstferien nach Wien gefahren. Schloss Schönbrunn, Sissi, Stephansdom. Als wir gerade dabei waren, aus der Kathedrale zu gehen, fiel eine Heiligenfigur im Eingangsbereich auf. Ich damals mit Röhrenjeans, Adidas-Sneakern und Justin-Bieber-Frisur stellte mich für ein Foto daneben. Das Täfelchen auf dem Sockel der Figur verriet, wer es ist: Der junge Tobias, neben dem jungen Tobias.

Zugegeben: Bis ich erfahren habe, dass man als Mitarbeitender der Kirche an seinem Namenstag frei hat, wusste ich nicht, wann dieser Tag ist. Und auch nicht, wer der junge Tobias, mein Namenspatron, überhaupt ist. Zwei kurze Antworten: 13. September. Tobias, Sohn des Tobit, bekannt aus dem Buch Tobit im Alten Testament. Zeit also, das Buch Tobit zu lesen und zu erfahren, warum Namenspatron Tobias ein Mutmacher sein kann – schließlich bedeutet der hebräische Name übersetzt so viel wie „der HERR ist gut“.

Plötzlich blind

Im Buch Tobit steckt eine Geschichte von Vertrauen und Misstrauen, von Geben und Bekommen, von unglaublichem Wandel und Loslassen. Es ist ein Familiendrama.

Tobit ist nach heutigen Maßstäben ein echter Held des Alltags. In Ninive gibt er den Hungernden Brot, den Nackten Kleider und bestattet Männer und Frauen seines Volkes. Doch Tobit erblindet – und fühlt sich von seiner Frau verhöhnt. Deshalb fleht er zu Gott, dass er sterben möge.

Vom Schlimmsten ausgehen?

Ganz anders als Tobias vertraut sein Schwiegervater nicht darauf, dass es gut wird. Er geht in der Nacht schon mal vorsichtshalber ein Grab schaufeln, falls es Tobias so wie den sieben Männern zuvor ergehen wird. Misstrauen pur – aber wer hätte nach der Vorgeschichte nicht gezweifelt?

Während Tobias und Sara in Medien 14 Tage lang Hochzeit feiern, zählen Tobias Eltern in Ninive schon die Tage, an denen ihr Sohn widerkommen müsste. Als er nicht erwartungsgemäß wieder zuhause ist, denkt seine Mutter Hannah, dass er auf der Reise umgekommen ist. Sie weint die ganzen Nächte durch und fragt sich, warum sie ihn überhaupt hat gehen lassen. Hanna glaubt nicht mehr daran, dass Tobias zurückkehrt.

Ein typischer Fall von: Wenn die wüsste. Wenn die wüsste, dass Tobias gerade seine Hochzeitsbrause feiert. Wenn die wüsste, dass sie ihren Sohn loslassen musste, damit er zurückkehrt, um ihre Trauer und auch die Blindheit seines Vaters zu heilen. Denn als Tobias mit Frau Sara und dem Engel Rafael wieder in seiner Heimat ankommt, legt er seinem Vater die Galle des Fischs auf die Augen, worauf die Blindheit geheilt wird.

Loslassen

Bleibt noch eine Frage: Was macht Tobias mit dem Geld, das er abgeholt hat? Plötzlich reich – und nun? Er zeigt sich dankbar und bespricht mit seinem Vater, dem Begleiter die Hälfte des Vermögens zu geben. Da sagt der Engel: „Besser Gebet zusammen mit Wahrheit und Almosen zusammen mit Gerechtigkeit als Reichtum zusammen mit Unrecht. Almosen geben ist schöner als einen Goldschatz sammeln“ (Tob 12,8).

Dann ist es Zeit für Rafael, Tobias und Tobit zu erklären, wer er wirklich ist: einer der sieben Engel Gottes. Aus heutiger Sicht könnte man sagen: Das muss der Tobias doch gemerkt haben, dass er von jemand ganz besonderen begleitet wurde, dem er vertrauen konnte. Jemand, der für ihn alles in gute Bahnen geleitet und ihm die passenden Ratschläge gegeben hat. Scheinbar nicht. Denn im Buch  Tobit erschrecken Vater und Sohn angesichts dieser Nachricht. Sie fallen vor Ehrfurcht nieder. Darauf sagt der Engel: „Fürchtet euch nicht, Friede sei mit euch! Preist Gott alle Zeit! Nicht aus meiner Gnade war ich bei euch, als ich bei euch zugegen war, sondern durch den Willen Gottes“ (Tob 12,17-18).

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur
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