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31
Juli
2019

„Der Himmel muss das Ziel sein“

Ein Glaubensgespräch mit Dompropst Joachim Göbel

„Im Himmel und auf Erden“ ist das Thema des diesjährigen Liborifestes. Dompropst Joachim Göbel erklärt im Glaubensgespräch, warum das diesjährige Thema gut an das Leitwort des Vorjahres anschließt,  wieso wir uns für himmlische Zustände auf der Erde einsetzen sollten und wie man einen Zugang zum Himmel findet.

Dompropst Göbel, das Thema des diesjährigen Liborifestes heißt „Im Himmel und auf Erden“. Passt das eigentlich zu so einem großen Volksfest?

Auf jeden Fall. Neutestamentliche Bilder in der Bibel sprechen beispielsweise vom großen Hochzeitsmahl. So ein Fest war keine trübe Angelegenheit, im Orient wurde über mehrere Tage gefeiert. Wenn wir also eine Festfreude erfahren, dann hat das mit dem Himmel zu tun. Im Himmel muss es mindestens so schön sein wie auf Libori.

Wie ist diesjährige Thema entstanden?

Jedes Jahr gibt es einen Findungsprozess in der Planungsgruppe. Mit dem diesjährigen Thema können wir gut an das Leitwort des Vorjahres anschließen, als  wir mit „behütet und bedacht“ sehr nah am Heimatbegriff waren. Und wenn wir dann den Philipperbrief anschauen, wo es heißt, „Unsere Heimat ist im Himmel“  (Phil 3,20), dann haben wir die Fortführung davon. Die Symbolik unserer Liturgie spiegelt das Thema auch. Wir erheben die Reliquien des Heiligen Liborius vom tiefsten Punkt der Kathedrale und tragen sie im Schrein nach oben. Wenn man so will, werden sie irdisch gehimmelt. Das zeigt uns, was uns bevorsteht: der Himmel als unsere Zukunft und Heimat.

Die Vorstellung vom Himmel ist für viele Menschen sehr abstrakt. Wie sehen Sie das?

Wir haben ein Problem mit dem Himmel, weil wir das Reden über Himmel und Hölle eingestellt haben. Für viele Menschen muss der Himmel wie eine gesichts- und geschmacklose Seelensuppe wirken, die nichts Schönes und Attraktives hat. Aber wir brauchen eine Vorstellung vom Himmel, weil unser Glaube davon abhängt. Der Himmel muss das Ziel sein, ein Ziel, auf das wir uns freuen können.

Und wie stellen Sie sich den Himmel vor?

Ich habe keine räumliche Vorstellung davon. Aber ich glaube, dass es dort eine große Festfreude, ein Miteinander der Menschen, das Erleben von Schönem und Gutem gibt. Für mich ist etwas himmlisch, wenn etwas rund war, also perfekt, dieses Gefühl, das sich dann einstellt, das wird den Himmel ausmachen. Kinder haben mir in der Schule erzählt, wie sie sich den Himmel vorstellen. Da ging es meistens um das Gefühl von Geborgenheit und Miteinander. Ein Mädchen hat einmal gesagt: „Im Himmel ist es sehr schön, da ist man ein Jemand, in der Hölle ist man ein Niemand.“ Ich glaube, wir müssen uns einfach fragen: Wo fühle ich mich am wohlsten?

Können wir eigentlich himmlischen Beistand erbitten?

Die Frage ist ja, ob der Himmel unser Anliegen teilt. Wir beten zu Gott, die Heiligen sind unsere Fürsprecher. Was Gott vorhat, können wir nicht sagen. Unsere Fürbitten sollten immer Menschen und Anliegen gelten, aber nicht, dass Gott irgendetwas zu machen hat. Das Bittgebet lohnt sich, weil uns das Gebet mit Gott und Menschen verbindet, unseren Blick weitet für diese Welt, für die wir eine Verantwortung haben.

In den Medien ist gerade der Erd-Überlastungstag Thema. Wir sind also weit von himmlischen Zuständen entfernt.

Tatsächlich müssten himmlische Zustände anders aussehen. Der Auftrag der Weltgestaltung ist schief gegangen – wir Menschen sind chronisch zu gierig. Ich mache mir große Sorgen um die Schöpfung, wenn wir nicht bald zu einem radikalen Umdenken kommen. Da geht es nicht um die Frage, welche Baumsorten wir pflanzen, sondern um gesellschaftliche Fragen. Wir werden immer mehr erleben, dass Menschen wegen des Klimawandels nicht mehr in ihrer ursprünglichen Heimat leben können – unsere westliche Welt ist darauf nicht vorbereitet.

Und wie steht die Kirche dazu?

Leider hat die Kirche das Thema auch verschlafen. Aber unsere Verantwortung für die Schöpfung ist da und die wollen wir auch ernstnehmen. Papst Franziskus hat das Thema mit seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ gesetzt. Bald findet die sogenannte Amazons-Synode im Vatikan statt, also ein Treffen der Bischöfe, die darauf eingeht. Die Bischofssynode trägt den Titel „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ und wird die Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen thematisieren. Als Kirche müssen wir unsere Stimme für die Schöpfung erheben und uns an unsere Verantwortung erinnern.

Im Vaterunser heißt es: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden!“ Warum ändert Gott dann nicht manche Dinge, die schlecht laufen?

Der liebe Gott steht ja nicht am Fenster und klatscht dreimal in die Hände und alles ist gut. Wir Menschen haben den Auftrag, die Erde zu behüten und zu bewahren. Und wir haben unsere Freiheit von Gott bekommen. Diese Freiheit ist ein kostbares Gut. Leider müssen wir Menschen manchmal erst vor die Wand laufen, um uns zu ändern.

Kommen wir denn automatisch in den Himmel? Oder braucht es Veränderung?

Wenn wir alle ohne Umschweife in den Himmel kommen, dann lohnt sich der Aufwand hier auf der Erde ja nicht. In der Bibel heißt es dazu: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40). Ich glaube wir brauchen noch einen Nachreifungsprozess, die Menschwerdung.

Wie wird dieser Prozess aussehen?

Das weiß natürlich niemand genau. Aber ich glaube, dass wir im Himmel Gott begegnen werden und diesen Prozess verbinde ich persönlich mit einer Kindheitserinnerung. Manche werden da sicher sagen, dass das eine naive Vorstellung ist, aber ich finde sie ganz passend.

Jeden Abend am Ende eines Tages hat mich meine Mutter zur Rede gestellt, für Dinge, die ich ausgefressen hatte, die nicht gut gelaufen waren, über die ich sie belogen hatte. Für ein Kind ist sowas schon bedeutsam. Dieses Konfrontieren mit dieser Wahrheit hat in mir so eine Hitzewelle ausgelöst. Und sicher kennt jeder diesen Moment, wenn einem dann heiß wird, man rot wird und zugeben muss, dass etwas schief gegangen ist. Meine Mutter hat dann gesagt: „Hättest du ja gleich sagen können, dann hättest du dir das hier ersparen können. Aber jetzt ist es gut.“ So stelle ich mir die Begegnung mit Gott im Himmel vor. Gott wird uns mit dem Menschen konfrontieren, der wir hätten werden können, wenn wir nach dem Evangelium gelebt hätten. Ich glaube, das wird jeden von uns ziemlich heiß durchlaufen.

Was ist für den Menschen Joachim Göbel ein besonders himmlischer Moment?

Für mich sind das Momente bei denen ich merke, jetzt bin ich ein Jemand, jetzt bin ich Ich. Wenn Menschen mich auffangen, wertschätzen und ich merke, jetzt bist du ganz und gar sicher und geborgen bei diesen Menschen. Ich kann mich aber auch in Momenten verlieren, in einem Bild, einem Buch oder einen beeindruckenden Landschaft. Die schönen Dinge. Und natürlich gehört am Liborifest auch ein kühler Schluck Bier nach einem staubigen Tag dazu.

Herzlichen Dank für das Gespräch.
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