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Pressemeldung
7
Dezember
2020
Paderborn

Geöffneter Käfig führt auf holprigen Weg

Inhaftierte aus dem Gartenbetrieb der JVA Bielefeld-Senne gestalten Krippenbild im Hohen Dom zu Paderborn

Die Figur eines Inhaftierten, der Handschellen um seine Hände trägt, nimmt in diesem Jahr eine zentrale Rolle in der Krippe im Hohen Dom ein. Zwei Gefangene der JVA Bielefeld-Senne gestalteten die Krippen-Landschaft mit hohem handwerklichem Geschick. Im Mittelpunkt ihres Arrangements stehen Gedanken zum Leben eines Gefangenen. Mit großer Freude und auch ein wenig Stolz stellten die beiden Strafgefangenen nun Dompropst Monsignore Joachim Göbel ihre Arbeit vor. Die Gefängnisseelsorge begleitet in diesem Jahr die Krippenaktion mit dem Leitwort „Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen“ (Hebr 13,3).

Heike Dohle, Gartenmeisterin der JVA Bielefeld-Senne. (Foto: Ronald Pfaff)
Heike Dohle, Gartenmeisterin der JVA Bielefeld-Senne. (Foto: Ronald Pfaff)

Anerkennung der Gefangenen für praktische Arbeit

„Ich bin erfreut über das Ergebnis“, sprach Dompropst Göbel anerkennende Worte zu den Gefangenen und dem Team der JVA. Die Anliegen der Gefängnisseelsorge seien für das Erzbistum Paderborn sehr wichtig. Deshalb sei er froh, dass die gemeinsame Idee von Gefängnisseelsorge  und Metropolitankapitel umgesetzt werden konnte. Gefangene blieben oft am Rande der Gesellschaft. An der Krippe würden sie nun mit einbezogen.

Gemeinsam mit Mirko Wiedeking (Gefängnisseelsorger im Hafthaus Ummeln), Sebastian Vieth (Mitarbeiter der Gefängnisseelsorge) und Heike Bohle vom Gartenbaubetrieb der JVA Senne waren die beiden Gefangenen – eine 46-jährige Frau und ein 45-jähriger Mann – nach Paderborn gekommen, um ihre Pläne umzusetzen. Pläne, die die beiden mit ihren Mitgefangenen in den letzten drei Wochen erarbeitet hatten.

„Das ganze Team war bei der Ideenfindung beteiligt“, freut sich Heike Bohle über das Engagement der momentan zehn Gefangenen, die im Gartenbaubetrieb eine Ausbildung machen. Seit neun Jahren ist die Gärtner- und Floristmeisterin in der JVA tätig und lernt die Inhaftierten gemeinsam mit einer Biogemüsegärtnerin an. „Eine sehr dankbare Aufgabe“, möchte Bohle keine Minute in ihrem Job missen: „Im Aufbau der Krippenanlage sehen sie das erlernte Können. Zugleich drücken die Gefangenen ihre Wünsche für die Jetztzeit und die Zukunft aus.“

„Unsere Arbeit im Gartenbaubetrieb wird über die Gefängnismauern anerkannt“, weiß der 45-jährige Michael. Und die 46-jährige A. ergänzt: „Das baut auf und gibt Energie.“ Es seien praktische Aufgaben für das Leben, in denen man verfolgen könne, wie sich aus dem kleinen Samen Pflanzen und Gemüsearten entwickeln. Auch bei den Kunden seien die Produkte der JVA sehr geschätzt. Und nun könne man das Erlernte auch am Krippenbild umsetzen.

Eine Chance für neue Wertschätzung

Entstehung eines neuen Lebens, eine Chance für neue Wertschätzung – Gedanken, sie sich auch in der Gestaltung der Krippe im Hohen Dom wiederspiegeln. „Nach der Entlassung werden wir schnell in eine Schublade gepackt: ein Ex-Häftling. Deshalb gilt es hohe Hürden zu überwinden“, erklärt Gefangener Michael. „Wir müssen mehr Kraft als andere Menschen aufbringen, um wieder ins Leben zurückzufinden“, mutmaßt die Inhaftierte A.

Audio

Mirko Wiedeking, Gefängnisseelsorger im Erzbistum Paderborn, tätig in der JVA Bielefeld-Senne Hafthaus Ummeln mit einem O-Ton zur Fragestellung: „Wie haben Sie die Vorbereitung der Gefangenen auf ihren Einsatz als Gestalter der diesjährigen Krippe im Hohen Dom zu Paderborn wahrgenommen?“

Ein Beitrag von:

Ronald Pfaff
Redakteur