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27
April
2020
27.April.2020

Friedensgruß per Lichthupe

Pastoraler Raum Meschede-Bestwig veranstaltet Autogottesdienst unter dem Motto „Getrennt und doch gemeinsam“

Auf dem Parkplatz des Freizeitparks Fort Fun im Sauerland stehen rund 100 Autos, in den meisten davon sitzen zwei bis drei Personen. Sie sehen einander, hören sich aber nicht. Doch niemand von ihnen muss Lippenleser sein, um zu wissen, was in den Nachbarautos, ob davor, dahinter oder daneben, gerade gesprochen wird. Denn die Christinnen und Christen feiern hier heute Gottesdienst – und beten zusammen das „Vater Unser“.

Vikar Jakob Jan Küchler
Vikar Jakob Jan Küchler beim Auto-Gottesdienst. Fotos: Till Kupitz
Vikar Jakob Jan Küchler beim Auto-Gottesdienst. Fotos: Till Kupitz

Über 100 Autos sind dabei

„Getrennt und doch gemeinsam“, unter diesem Leitsatz steht die Premiere eines Autogottesdienstes im Autokino Fort Fun nahe Bestwig-Wasserfall. Am Rande des Freizeitparks, fast mitten im Grünen und bei wärmendem Sonnenschein am Vormittag, stehen alle Autos in Reih und Glied nach vorne gerichtet. Über eine große Leinwand werden Lied- und Gebetstexte angezeigt, davor steht eine Bühne mit Kreuz in der Mitte. Zusammen führen die Gemeindereferentinnen Ursula Klauke und Stephanie Kaiser sowie Vikar Jakob Jan Küchler durch den Gottesdienst. „Es ist etwas ganz Neues“, sagt Vikar Küchler. „Alleine die Atmosphäre und dass so viele Leute hergekommen sind, spricht für sich.“

Auch Helga und Wolfgang Dombach aus Meschede sitzen in ihrem Auto, hören das Evangelium über das Autoradio und singen zusammen die Lieder mit. Ihr Enkelkind hat das Ehepaar angemeldet. „Der normale Gottesdienst in der Kirche fehlt uns sehr“, erzählen sie. Nach Live-Streams via Internet sind sie nun froh, auch mal wieder live vor Ort einen Gottesdienst, wenn auch ohne Wandlung und Kommunion, zu erleben.

Anmeldungen bis kurz vor Beginn

Der Wortgottesdienst wurde von der katholischen Kirche Meschede-Bestwig organisiert – und fand bei den Menschen schon im Vorfeld großen Anklang: „Fast ausverkauft“, sagt Ursula Klauke. Und das gleich zweimal: Denn auch für den anschließenden Familiengottesdienst, der zwei Stunden später startet, sind über 100 Autos angemeldet. Für 120 Fahrzeuge wäre Platz gewesen. Noch am Morgen gingen die letzten Anmeldungen ein.

Dass es überhaupt zu den Autogottesdiensten kam, liegt an einer Textnachricht auf dem Smartphone von Ursula Klauke, erklärt sie. Ein Gemeindemitglied habe sie auf das, wegen der Corona-Situation, neu ins Leben gerufene Programm des Autokinos Fort Fun aufmerksam gemacht. „Und da wurde ich gefragt, ob man auf diese Art und Weise nicht auch einen kontaktlosen Gottesdienst veranstalten könnte.“ Auf eine Anfrage habe das Autokino, eine Kooperation des Freizeitparks, dem Filmtheater Winterberg und der Eventtechnik Südwestfalen, direkt positiv reagiert. Innerhalb einer Woche wurde nach Ostern aus der Idee ein echter Plan. Das Gute: Die Technik ist schon aufgebaut.

Hupkonzert als Dankeschön

„Not macht eben erfinderisch“, sagt Ursula Klauke. Seit Mitte März finden keine öffentlichen Gottesdienste statt. Live-Streams oder Anregungen für Hausgottesdienste seien zwar gut, „aber es fehlt das Erlebnis von sichtbarer Glaubensgemeinschaft, das Zusammenkommen und gemeinsame Singen und Beten.“ Es ist das, was alle Teilnehmenden eint: dieser starke Wunsch nach Gemeinschaft und dieses Gefühl, wenn der Glaube mit anderen Menschen zusammen erlebt wird. Rosa Teipel und Astrid Wiemann aus Antfeld kennen das nur zu gut und wissen das Event deshalb sehr zu schätzen: „Bis jetzt haben wir immer am Fernsehen gesessen. Wir wollten jetzt mal wieder live und in einer Gemeinschaft eines Gottesdienst erleben.“

Für den gesamten Gottesdienst bleiben alle in ihren Autos sitzen, direkter Kontakt wird vermieden. Auch hier gilt: In jedem Auto dürfen maximal zwei Personen oder eine Familie sitzen. Und doch hält das die Menschen nicht auf, miteinander zu kommunizieren. Als Dank für die Organisation gibt es von allen ein lautes und langes Hupkonzert. Und auch der Friedensgruß, bei dem sich die Gläubigen normalerweise einander die Hände reichen, wird kurzerhand umgestaltet. Von den hintersten Reihen ausgehend wird die Lichthupe betätigt, die von Auto zu Auto bis ganz nach vorne schwappt. So ein Autogottesdienst ist anders, besonders. Etwas, das wohl fast niemand der Anwesenden schon einmal mitgemacht hat.

Zum Abschluss des Gottesdienstes verteilt Gemeindereferentin Stephanie Kaiser einen Segen.

Auto-Segnungen zum Abschluss

Während die Leute hupen, sieht man viel Lachen durch die Scheiben schimmern. Und auch so nehmen die Leute immer wieder mit Nachbarn Kontakt auf, und sei es nur ein freundliches Zunicken. Solche Momente zeigen: Der Autogottesdienst kommt gut an. „Kirche vor Ort bedeutet Heimat“, sagt Vikar Küchler. Genau das wurde den Menschen durch das Coronavirus und die Kontaktsperren aber genommen. „Das ist für viele sehr schmerzlich. Deswegen ist es schön, so viele bekannte Gesichter hier heute sehen zu können.“

Kurz vor Schluss folgt dann nochmal ein ganz inniger und stiller Moment. Gemeindereferentin Stephanie Kaiser bittet die Teilnehmer auf, Fürbitten zu formulieren und auf eine Karte zu schreiben, die bei Einlass zusammen mit dem Liederheft hinter die Scheibenwischer geklemmt worden ist. Für jede Fürbitte wird in der Projektkirche Bestwig am Nachmittag eine Kerze angezündet.

Dann, nach Ende des letzten Liedes, folgt wieder ein Hupkonzert. Noch fährt aber niemand ab, denn alle Autos und die Gläubigen werden vor ihrer Abfahrt noch gesegnet. Und auch wenn alle Besucher wenig später wieder getrennte Wege fahren, bleibt doch der gemeinsame Wunsch, Gottesdienste schon bald wieder regelmäßig live vor Ort erleben zu dürfen.

Ein Beitrag von:

Lena Jordan
Redakteurin
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