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19
Januar
2021
19.Januar.2021

Es müssen nicht immer alle beste Freunde sein

Interview mit Julia Kroker, Leiterin der Abteilung Personal, über den Frieden im EGV

Der Tag im Büro beginnt mit einem lockeren Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Kaffeeküche, die Arbeit ihm Team ist fair verteilt und wenn es einmal stressig wird, kann ich auf die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen bauen. Für viele sieht wohl so oder so ähnlich der optimale Büro-Alltag aus. Doch in den wenigsten Büros herrschen immer Friede, Freude, Eierkuchen.

Wir haben daher mit Julia Kroker, Leiterin der Abteilung Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat, gesprochen und sie gefragt, was eine gute, friedliche Stimmung im Team ausmacht, was man tun kann, wenn die Stimmung einmal kippt und was die Corona-Pandemie für einen Einfluss auf die Dienst-Gemeinschaften hat.

Redaktion

Frau Kroker, welche Aspekte sind für ein gutes Miteinander unter den Kolleginnen und Kollegen wichtig?

Julia Kroker

Eine gute Arbeitsatmosphäre ist immer ein Zusammenspiel von vielen Faktoren. Wie ist die Stimmung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden? Wie hoch ist die Arbeitsbelastung? Herrscht gegenseitiger Respekt? Das sind nur ein paar Aspekte, die hineinspielen. Zentral ist in jedem Fall die Kommunikation untereinander. Und dabei ist es egal, ob es sich um positive oder negative Kommunikation handelt. Lob auszusprechen ist genauso wichtig wie deutlich zu machen, wenn etwas nicht passt. Es kommt darauf an, dass man offen miteinander redet und sich alle Parteien in den wichtigen Dingen informiert fühlen und Wissen nicht nur bei Wenigen liegt.

Redaktion

Denn dann kann das Gleichgewicht schnell kippen?

Julia Kroker

Ganz genau. Obwohl man im Großen und Ganzen nie sagen kann, was genau oder am häufigsten das Gleichgewicht zum Kippen bringt. Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, eine Banalität, manchmal eine große grundlegende Unstimmigkeit.

Julia Kroker

„Corona hat die Menschen voneinander entfernt. Darunter leidet auch die Dienstgemeinschaft zwangsläufig. Abstandsregelungen, Homeoffice, fast keine persönlichen Kontakte – ich denke, dass wir erst dann richtig bemerken, was das mit uns allen gemacht hat, wenn sich die Lage einmal wieder ändert.”

 

Julia Kroker

Redaktion

Was würden Sie Vorgesetzten oder einem Team raten, wenn sie bemerken, dass die Stimmung unruhig wird?

Julia Kroker

Auch hier gibt es leider kein Standardrezept. Was man jedoch nicht tun sollte, ist die Angelegenheit auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Spannungen zu ignorieren, kann gefährlich werden. Daher würde ich raten, die Situation auf jeden Fall zu beobachten und dann zu einem geeigneten Zeitpunkt einzugreifen, wenn sich ein ernster Konflikt anbahnt. Damit ein Team funktioniert, müssen nicht alle beste Freunde sein. Schwelende Konflikte gilt es jedoch zu vermeiden. Auch hier gilt: reden hilft.

Redaktion

Im Generalvikariat gibt es neben weltlichen Führungskräften auch klerikale Entscheidungsträger. Wie gelingt es, dass sich beide Seiten verstanden fühlen und niemand übergangen wird?

Julia Kroker

Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, ist es immer wichtig, sich zu Beginn bewusst zu machen, wer davon betroffen ist und auf wen sie Auswirkungen haben können. Zwischen diesen Interessensträgern sollten die Gespräche stattfinden. Man kann es nicht immer allen recht machen. Wichtig ist jedoch, unterschiedliche Gesichtspunkte und Interessen bei der Entscheidung zu berücksichtigen. Wenn im gemeinsamen Austausch die jeweiligen Sichtweisen dargestellt werden, ist die Entscheidungsfindung ausgewogener. Gleichzeitig steigt die Akzeptanz für eine getroffene Entscheidung.

Im laufenden Tagesgeschäft ist es aber auch schlichtweg nicht möglich, bei allen Fragen in einen komplexen Abstimmungsprozess zu gehen. Es gilt also genau abzuwägen, wann wer beteiligt werden sollte. Nicht immer können jedoch alle Konsequenzen einer Entscheidung sofort vorausgesagt werden, sodass es leider auch einmal passieren kann, dass jemand unbeabsichtigt nicht eingebunden wird. Dann treten Irritationen auf. Auch hier hilft in der Regel ein klärendes Gespräch.

Redaktion

Die Corona-Pandemie drückt derzeit sicherlich allen aufs Gemüt, ganz egal in welcher Position man sich befindet. Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf das Miteinander im Generalvikariat aus?

Julia Kroker

Corona hat die Menschen voneinander entfernt. Darunter leidet auch die Dienstgemeinschaft zwangsläufig. Abstandsregelungen, Homeoffice, fast keine persönlichen Kontakte – ich denke, dass wir erst dann richtig bemerken, was das mit uns allen gemacht hat, wenn sich die Lage einmal wieder ändert. Vieles, was früher selbstverständlich war, findet seit nunmehr fast einem Jahr nicht mehr statt, wie z.B. die persönliche Gratulation zu Geburts- oder Namenstagen. Das muss alles wieder aufgebaut werden. Wenn wir bemerken, dass man sich nicht mehr so vertraut ist, wie vor der Pandemie, gilt es wieder zu einer Gemeinschaft zu werden, wieder zusammenzuwachsen. Und ich wünsche mir von Herzen, dass uns dies gelingt.

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Ein Beitrag von:

Lena Jordan
Redakteurin