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19
Oktober
2020
19.Oktober.2020

“Einsatz für gesellschaftlichen Zusammenhalt zeigen”

Themenspecial “Einheit”: Diözesan-Caritasdirektorin Esther van Bebber im Interview über Kernzkompetenzen der Caritas

Die 45-jährige Bielefelderin Esther van Bebber ist seit diesem Sommer neben Josef Lüttig Diözesan-Caritasdirektorin. Die Volljuristin ist seit 2005 in der Paderborner Geschäftsstelle des Diözesan-Caritasverbandes tätig, zunächst als Leiterin des Referates Krankenhäuser. Seit 2012 leitet sie als Justiziarin des Verbandes die Fachstelle Recht. 2018 wurde sie von Erzbischof Becker zur stellvertretenden Diözesan-Caritasdirektorin ernannt, seit Juni ist nun weiteres Vorstandsmitglied. Esther van Bebber studierte Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld, arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni und schloss ein Referendariat am Landgericht Bielefeld sowie in Münster und Berlin an. Berufsbegleitend erwarb sie einen Master im Medizinrecht und absolvierte eine universitäre Weiterbildung für Frauen in Aufsichtsräten. Im Interview gibt sie Antworten zur Rolle der Caritas für die Einheit der Gesellschaft.

Redaktion:

Sehr geehrte Frau van Bebber, Sie sind noch relativ neu im Amt als Diözesan-Caritasdirektorin. Haben Sie ein gut bestelltes Haus vorgefunden? Worauf möchten Sie persönlich Schwerpunkte in Ihrer Arbeit legen?

Esther van Bebber:

Ich bin zwar noch relativ neu im Amt als Diözesan-Caritasdirektorin, aber eine langjährige Caritas-Insiderin. Insofern bin ich nicht ins kalte Wasser gesprungen, sondern wusste, dass ich Verantwortung für ein „sehr gut bestelltes Haus“ übernehmen darf. Persönlich liegen mir die Themen „Forcierung der Rolle als proaktiver politischer Impuls- & Ideengeber“ sehr am Herzen, aber auch die „Weiterentwicklung und Profilierung unserer Caritas-Dienstgemeinschaft“, insbesondere unter Generationsgesichtspunkten.

Redaktion:

Wo sehen Sie die Aufgaben der Caritas in der heutigen Gesellschaft – einer Gesellschaft, die im Wandel ist und sich unter neuen Herausforderungen wie gesellschaftliche Spaltung behaupten muss?

Esther van Bebber:

Als Caritas verstehen wir uns als Anwalt der Benachteiligten und damit auch und ganz besonders der von gesellschaftlicher Spaltung bedrohten Menschen. Es ist eine unserer Kernaufgaben und auch Kernkompetenzen, hier Sprachrohr und Interessensvertreter im sozialen und gesellschaftspolitischen Kontext zu sein und Einsatz für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zeigen. Ein Thema, das während der Coronakrise ganz besonders sichtbar geworden ist, ist die Bildungsgerechtigkeit bzw. -ungerechtigkeit in unserem Land. Es ist erschreckend, dass im Jahre 2020 die Schere nicht zuletzt wegen des Digitalisierungsgrades weiter auseinander geht, als ohnehin befürchtet. Eine weitere aktuelle Herausforderung ist es natürlich auch, gegen jede Form von Fremden- und Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Gewalt einzutreten und immer wieder spürbare Zeichen zu setzen. Hier bedarf es einer lauten Caritasstimme. Beispielhaft sei an dieser Stelle die Initiative „Unser Kreuz hat keine Haken“ genannt. Unter diesem Motto setzen sich zahlreiche Caritasverbände vor Ort für eine bunte, vielfältige Gesellschaft ein.

Redaktion:

Sehen Sie die Caritas für die kommenden Aufgaben und die Zukunft gut aufgestellt? Wo könnten besondere Stellschrauben liegen?

Esther van Bebber:

Wir als Caritas sind nicht zuletzt aufgrund der bunten Vielfalt in unseren Strukturen, Diensten und Einrichtungen gut für die Zukunft aufgestellt. Dabei kommt es uns aus meiner Sicht zu Gute, dass wir eben kein „Großkonzern“ bzw. schwerfälliger riesiger Dampfer sind, sondern aufgrund starker selbstständiger Organisationen vor Ort flexibel und anpassungsfähig, aber trotzdem unter einem Dach und mit gemeinsamer Identität unterwegs. Wir haben ein riesiges Netzwerk aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteuren. Dieses gilt es zu stärken, weiterzuentwickeln und auch zu profilieren. Besondere Stellschrauben sehe ich daher nicht zuletzt in der Steigerung der Arbeitgeber-/Organisationsattraktivität und der Sichtbarmachung der „Sinnerfüllung“.

Redaktion:

Die Caritas ist Anwalt und Dienstleister im Sozialraum. Gibt es ein Spannungsfeld zwischen der Anforderung, sich im Wettbewerb zu behaupten, und gleichzeitig den christlich-ethischen Anspruch zu wahren?

Esther van Bebber:

Ich möchte das nicht per se als Spannungsfeld beschreiben, sondern eher als eine große Chance. Beliebigkeit ist schließlich kein Wettbewerbsvorteil! Profil hingegen schon. Das schätzen Mitarbeitende und Klienten bzw. Kunden gleichermaßen. Sicherlich gibt es immer wieder Situationen, in denen es zu reflektieren gilt, wie es gelingen kann, dem christlich-ethischen Anspruch im täglichen Tun gerecht zu werden. Der Großteil unserer Dienste und Einrichtungen bewegt sich immerhin in einem entgeltfinanzierten Dienstleistungsbereich, in dem Preise nicht frei vereinbart, sondern mit Sozialleistungspartnern verhandelt oder gar von diesen vorgegeben werden. Dort sind z. B. Themen wie „Tariftreue und Tarifstandards“ oder auch „Nachhaltigkeitsaspekte bei Investitionen und Lieferketten“ immer (noch) mühsam durchzusetzen bzw. im direkten Wettbewerb mit Dritten oftmals hartnäckig zu vertreten, damit sie eben nicht zum Nachteil werden.

Redaktion:

Wie können Sie sich als Caritas in die Debatten um die gesellschaftliche Einheit einbringen?

Esther van Bebber:

Ich fände es hilfreich, sich neben den unbestritten notwendigen Debatten um die Gefahren der gesellschaftlichen Spaltung auch auf die verbindenden Elemente in unserer Gesellschaft zu konzentrieren und diese zu stärken. Insbesondere in Bewältigungsphasen von Krisen zeigt sich immer wieder gesamtgesellschaftlich gesehen eine große Solidarität der Menschen untereinander und ein Vertrauen in die Leistungsfähigkeit Deutschlands. Hier müssen wir Verstärker sein und den mit der Zeit zunehmenden Polarisierungserscheinungen entgegenwirken. Es gilt also, als Caritas eine Bindekraft für den Gemeinsinn zu sein sowie die zivilgesellschaftlichen Strukturen zu stärken, insbesondere im Ehrenamt.

Esther van Bebber, Diözesan-Caritasdirektorin. (Foto. Caritas)
Esther van Bebber, Diözesan-Caritasdirektorin. (Foto. Caritas)

„Als Caritas verstehen wir uns als Anwalt der Benachteiligten und damit auch und ganz besonders der von gesellschaftlicher Spaltung bedrohten Menschen.“

 

Esther van Bebber, Diözesan-Caritasdirektorin

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Ein Beitrag von:

Ronald Pfaff
Redakteur
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