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24
Juli
2020
24.Juli.2020

Eine Freundschaft, die den Glauben stärkt

Generalvikar Alfons Hardt zum „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen den Diözesen Paderborn und Le Mans

Libori – das ist auch die Feier der ältesten europäischen Städtepartnerschaft zwischen Paderborn und der französischen Stadt Le Mans. Grundgelegt wurde sie im Jahre 836, als die Reliquien des hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn überführt wurden. Damit entstand der „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen den beiden Diözesen. Inzwischen ist er fast 1.200 Jahre alt und hat zahlreiche Krisen überdauert, unter anderem zwei Weltkriege. Wir haben mit Generalvikar Alfons Hardt über den Liebesbund und die Bedeutung guter deutsch-französischer Beziehungen gesprochen.

Redaktion

Herr Generalvikar, Sie pflegen eine besondere Beziehung zu Frankreich, machen sehr oft Urlaub dort. Was fasziniert Sie denn so an diesem Land?

Generalvikar Alfons Hardt

Das geht früh in meine Jugend zurück. Konrad Adenauer und Charles de Gaulle vereinbarten, Anfang der 1960er Jahre, nähere freundschaftlichere Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu initiieren. Meine Heimatstadt Menden, insbesondere das Gymnasium, das ich besuchte, pflegte die ersten regelmäßigen Kontakte mit Partnern in Arras. Das war für mich ein völlig neues Erleben, auch überraschend. Ich sprach kein Französisch, aber man kam ganz gut mit Händen und Füßen zurecht.

Und an diesen Tagen des ersten Besuches habe ich dann zum ersten Mal französische Esskultur wahrgenommen. Ich war es von Zuhause nicht gewohnt, Spargel in besonderer Weise zu essen, aber als an diesem Abend Spargel kredenzt wurde und die Franzosen davon eigentlich nur die Spitze aßen und den Rest bei Seite legten, war das für mich doch eine überraschende Erfahrung.

Redaktion

Vor dem Hintergrund Ihrer Liebe zu Frankreich: Was bedeutet es für Sie, Generalvikar in einer Diözese zu sein, die seit Jahrhunderten mit einem französischen Bistum in einem Liebesbund ewiger Bruderschaft verbunden ist?

Generalvikar Hardt

Als ich in Paderborn das Theologiestudium aufnahm, war mir schnell deutlich, dass es diese besonderen Beziehungen zu Frankreich gibt. Und in den damaligen Tagen einer Völkerverständigung und eines herbeigesehnten Friedens in Europa und in der Welt ist das schon eine besondere Herausforderung, in einem Bistum zu wirken, das eine Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer französischen Stadt kennt.

Aber es ist viel daraus gewachsen und es ist eine sehr gute Beziehung, die immer noch den Glauben der Menschen hier und auch in Frankreich stärkt – man erlebt das bei jedem Libori-Fest.

Redaktion

Wann hat sich denn dieser Liebesbund konkret bewährt?

Generalvikar Hardt

Wenn ein solcher Liebesbund über Jahrhunderte besteht, gibt es auch Krisensituationen, die Zeit des 30-jährigen Krieges zum Beispiel. Alle kennen die Geschichte, dass der Tolle Christian hier die Reliquien des hl. Liborius entwendet hat. Gegen Ende des dreißigjährigen Krieges kam es zu Friedensverhandlungen. Gleichwohl drohte damals die Gefahr, dass im Zuge der Vereinbarungen das Bistum Paderborn unterdrückt wird. Und es hat damals eine Intervention des Paderborner Domkapitels nach Frankreich gegeben, mit der Folge, dass das Bistum Paderborn erhalten blieb und nicht von der Landkarte verschwand.

Es hat eine spätere Zeit gegeben in der französischen Revolution, als der dortige Bischof nicht die entsprechenden Eide gegenüber der neuen staatlichen Regierung erklären wollte, mit einigen Priestern fliehen musste und letztlich hier in Paderborn ankam. Er versuchte von hier, seine französische Diözese neu zu ordnen, ist dann aber hier gestorben in jenen Tagen und auch bei uns in der Kathedralkirche bestattet.

Redaktion

Eine große Herausforderung für den Liebesbund waren sicherlich die beiden Weltkriege, vor allem der zweite Weltkrieg, der in diesem Jahr 75 Jahre zu Ende ist. Wie hat der Liebesbund denn diese Zeit überdauert?

Generalvikar Hardt

Die Zeiten waren sicherlich schwierig. Zum Liborifest 1936 hat das Paderborner Kapitel eine Delegation aus Le Mans eingeladen, die auch gekommen und in der Prozession mitgegangen ist. Das war angesichts der politischen Verhältnisse hier schon eine herausfordernde Handlung.

Es wurde nach dem Krieg eine Fraternität gegründet. Diese Fraternität lebt von gegenseitigen Besuchen, zu den Patronatsfesten werden Besuche in den Familien organisiert. Die Freundschaft lebt einfach auch von Kontakten der Menschen über die offiziellen Begegnungen hinaus. Es gibt auch persönliche Beziehungen und ich weiß, dass auch schon Ehen gestiftet worden sind auf dem Hintergrund dieses Liebesbundes zwischen den beiden Diözesen.

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