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22
Juli
2020
22.Juli.2020

Ein Heiliger, der zwei Völker verbindet

Am 23. Juli feiert das Erzbistum Paderborn das Hochfest seines Schutzpatrons Liborius

Im Jahr 836 wurden die Reliquien eines Bischofs aus seinem Heimatbistum Le Mans im heutigen Frankreich nach Paderborn gebracht. Durch dieses Ereignis wurde ein „Liebesbund“ zwischen zwei Völkern gestiftet, der auch nach fast zwölf Jahrhunderten Bestand hat und von Jung und Alt gelebt wird. Da lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen: Wer war dieser Liborius, dessen Hochfest im Erzbistum Paderborn morgen, am 23. Juli, begangen wird? Und warum wurde ein Franzose zum Stolz eines ganzen Erzbistums in Ostwestfalen?

Liborius lebte als Mitglied eines vornehmen gallischen Geschlechts im 4. Jahrhundert. Er wuchs auf geprägt vom Einfluss des römischen Reiches. Im Jahr 348 wurde er zweiter Bischof des Bistums Le Mans. Er war damit Nachfolger des heiligen Julian, der heute Bistumspatron von Le Mans ist und dem zu Ehren jedes Jahr dort im Januar das Juliansfest gefeiert wird – quasi als französisches Pendant zum Libori-Fest. Fast ein halbes Jahrhundert soll Liborius laut Überlieferung als Bischof von Le Mans segensreich gewirkt haben. Er war mit dem heiligen Martin von Tours befreundet, der ihm am Sterbebett zur Seite stand, als Liborius am Ende des 4. Jahrhunderts starb.

„Der Gott Geopferte“

Übersetzt man den Namen „Liborius“ aus dem Griechischen oder Lateinischen, bedeutet er so viel wie „der Gott Geopferte“. Alle, die den Namen Liborius tragen, haben am 23. Juli Namenstag. An dem Tag feiert das ganze Erzbistum Paderborn das Hochfest des heiligen Liborius. Wie kam es dazu, dass ein französischer Bischof eine so zentrale Bedeutung für Paderborn erlangen konnte – so zentral, dass er seit dem 11. Jahrhundert Patron des Bistums und Schutzheiliger des Domes ist und heute auch die Stadt Paderborn unter seinem Schutz steht?

Liborius als Brückenbauer zwischen Völkern

Im 9. Jahrhundert war das damalige Bistum Paderborn erst wenige Jahrzehnte alt. Der Paderborner Bischof Badurad wollte das Band zwischen seinem noch jungen Bistum und den schon im Glauben bewährten Kirchen des Frankenreichs stärken und die Heiligenverehrung fördern. Mit einem Empfehlungsschreiben von Kaiser Ludwig dem Frommen zogen Paderborner Gesandte im Jahr 836 nach Le Mans und erbaten dort die Gebeine eines Heiligen. Bischof und Gläubige schenkten der Abordnung aus Paderborn die Gebeine des heiligen Liborius. Dies war der Beginn des bis heute andauernden „Liebesbundes ewiger Bruderschaft“. Der heilige Liborius wurde so im besten Sinn zum Brückenbauer zwischen zwei Völkern.

Liborius-Darstellung am Kreuzaltar des Hohen Domes zu Paderborn. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Pfau und Steinchen als Attribute

Zu Pfingsten 836 erreichte die Prozession mit den Gebeinen des Heiligen schließlich Paderborn. Laut einer Legende aus dem 18. Jahrhundert soll ein Pfau der Prozession die ganze Zeit vorangeflogen sein – deshalb wird der heilige Liborius oft mit einem Pfau als Attribut dargestellt. Auch im Hohen Dom zu Paderborn finden sich zahlreiche Pfauen-Motive. Ein weiteres Attribut des Heiligen ist ein aufgeschlagenes Buch mit darauf liegenden Steinchen. Dies kennzeichnet Liborius als Helfer gegen Steinleiden aller Art.

Geraubt – und glücklich zurückgekehrt

Im Dreißigjährigen Krieg wurden der Paderborner Domschatz und der Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius von Landsknechten des lutherischen Herzogs Christian von Braunschweig geraubt. Dies kam für Stadt und Bistum einer Katastrophe gleich. Es gelang, die Reliquien nach fünf Jahren zurückzuerlangen – der Gedenktag an die „Rückkehr“ des Heiligen nach Paderborn wird jährlich am 25. Oktober als „Klein-Libori“ begangen.

1627 schuf der Künstler Hans Krako einen neuen, vergoldeten Silberschrein, in dem die Reliquien bis heute zu Libori ausgestellt und verehrt werden. Getragen wird der Schrein von den Libori-Schreinträgern, deren Gewänder im 19. Jahrhundert in Anlehnung an die Uniformen der Schweizer Garde im Vatikan gestaltet wurden. Über das Jahr ruhen die Reliquien im Altar der Domkrypta in einem Ebenholzschrein.

Wann beginnt eigentlich Libori?

Um sich zu merken, wann das nächste Libori-Fest ansteht, hilft ein verlässliches Prinzip: Fällt das Hochfest des Heiligen am 23. Juli auf einen Wochentag, beginnt Libori am darauffolgenden Samstag. Fällt der Gedenktag auf einen Samstag, fällt damit auch der Beginn der Feierlichkeiten zusammen. Fällt das Hochfest auf einen Sonntag, beginnt das Fest am Samstag davor. In diesem Jahr ist der 23. Juli ein Donnerstag. Also beginnt Libori mit Erhebung der Reliquien im Hohen Dom am Samstag, 25. Juli, 15 Uhr – darauf ist Verlass, auch in Corona-Zeiten.

Ein Beitrag von:

Maria Aßhauer
Redakteurin Team Presse
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