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1
Juli
2021
1.Juli.2021

Ein Haus der Nichtalltäglichkeit

Sarah Bux und Niklas Zimmer gehören zum hauptamtlichen Team des Jugendhofes Pallotti Lennestadt.
Sarah Bux und Niklas Zimmer gehören zum hauptamtlichen Team des Jugendhofes Pallotti Lennestadt.

Zu Besuch im Jugendhof Pallotti

Sarah Bux liebt das Leben, die kleinen und die großen Momente und Wunder, die ihr begegnen, wie sie sagt. Und ganz besonders den Kontakt zu Menschen. Ihr Gesicht, umrahmt von roten Locken, strahlt Frische und Natürlichkeit aus. Ihr Lachen Zuversicht.

Bux arbeitet als Jugendbildungsreferentin im Jugendhof Pallotti Lennestadt. Früher, erzählt Bux, habe sie sich nie vorstellen können, im kirchlichen Kontext zu arbeiten. „Die Starrheit der Kirche, der Missbrauch und die Rolle der Frau passten nicht zu meinem Denken und meinem Selbstverständnis“, sagt die 31-Jährige.

Sarah Bux hat Soziale Arbeit studiert. Ihr Plan war klar: Sie wollte mit Menschen mit Behinderung arbeiten. Doch dann kreuzten die Pallottiner-Pater ihren Weg. Das war vor sieben Jahren. Bux bewarb sich beim Jugendhof, der damals noch im früheren Pallottinerkloster in Olpe untergebracht war, für ein Praktikum. Einfach, um ein bisschen dazuzulernen und auch, um etwas Geld zu verdienen.

„Bei den Pallottinern habe ich Kirche anders kennengelernt und erlebt“, sagt Bux. „Ich durfte Kirche kritisieren, konnte offen sein mit all meinen Anliegen, auch mit den nicht positiven. Ohne die Pallottiner und ihre Idee von Glauben und Leben wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“

In den Zimmern des Jugendhofes hängen Holzkreuze, die aus den Deckenbalken des alten Jugendhofes hergestellt wurden.
In den Zimmern des Jugendhofes hängen Holzkreuze, die aus den Deckenbalken des alten Jugendhofes hergestellt wurden.

Im Vertrauen das Leben wagen

Die beiden sitzen am Ende ihres Arbeitstages vor Bux Wohnmobil, der an der Auffahrt vom Jugendhof parkt. Sarah Bux ist viel unterwegs, wandert gern. „Im Freien spüre ich meinen Glauben. Dann habe ich Vertrauen, dass sich das Leben fügt und man es wagen kann“, sagt sie. Der Glaube an das Leben und der Glaube daran, dass auch nach dem Tod das Leben weitergeht, ist für Zimmer ganz wichtig. „Dieses Vertrauen treibt mich an und ich gebe es gerne weiter, erzähle davon und finde es schön, wenn Menschen davon wissen und ich sie darin unterstützen kann, ihren eigenen Glaubensweg zu gehen oder zu finden.“

Was Bux und Zimmer in ihrem Engagement im Jugendhof besonders motiviert, ist das Leitbild des Stifters Vinzenz Pallotti (1795-1850). „Seine Vision bestimmt unser Handeln, unsere Arbeit“, sagt Zimmer. Vinzenz Pallotti setzte sich für eine lebendige Gemeinschaft ein, in der alle, unabhängig von Herkunft, Stand und Lebensgeschichte gleichberechtigt zusammenarbeiten und ihren Beitrag in der Kirche und der Welt leisten. Mit Hierarchien wollte er nichts zu tun haben, kannte keine Konventionen, scharrte mit charismatischer Leidenschaft Menschen aller Couleur um sich und lud sie ein, mitzuwirken. In seiner Heimat Rom wurde er auch ‚Padre de canaglie‘ (Pater der Schurken, des Gesindels) genannt. All jenen zugewandt, bei denen es im Leben schiefgelaufen war.

In Rom liegt Pallottis Leichnam in einem Glassarg in der Kirche San Salvatore Onda an der Ponte Sisto aufgebahrt. Mit dem Seligen liegen auch die Wurzeln der Gemeinschaft der Pallottiner dort. Die Kirche und die an sie angeschlossenen Gebäude sind seit 1846 offizieller Sitz der Pallottiner. Von Rom aus brachten dann Handwerksgesellen auf der Walz die Idee Pallottis nach Deutschland.

1925

wurde das Pallottihaus in Olpe als Noviziat und Exerzitienhaus errichtet.

1967

schloss das Noviziat, es folgten Jugend- und Erwachsenenbildung, Heimvolkshochschule und später ein geistiges Zentrum.

1983

Grundsteinlegung des Jugendhofes in Olpe.

2008

verkauften die Pallottiner ihr Haus in Olpe, das zum WohnGut Osterseifen umgebaut wurde. Mit dem Verkauf verknüpft war die Bedingung, dass der Jugendhof zunächst weiterbestehen konnte.

2018

zieht der Jugendhof Pallotti nach Lennestadt in das ehemalige Kloster der ‚Missionare der Heiligen Familie‘ und findet dort neue, größere und moderne Räumlichkeiten.

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redaktion