Kontakt Presse & Medien Für Mitarbeitende Karriere & Jobs
Kontakt
Gestaltungselement Navigation
16
März
2021
16.März.2021

Drei Kirchenlehrer – und was sie uns heute zu sagen hätten

Augustinus, Thomas von Aquin und Karl Rahner – Leuchttürme der Theologie

Als erstes stand der Arbeitstitel: „Drei Kirchenlehrer – und was sie uns heute zu sagen hätten“. Wie das so ist mit Arbeitstiteln – sie halten sich länger, als man denkt. Manchmal sogar bis zum Endprodukt. Die Idee war, im Themenspecial „Kirche und Lernen“ auch auf den Schatz zu blicken, der in zwei Jahrtausenden christlicher Theologie steckt.

Dann galt es, einen geeigneten Gesprächspartner für das Thema zu finden. Anfrage bei Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Regens des Priesterseminars. Zusage. Es folgte ein intensives Interview durch den Dschungel der Theologie. Anderthalb Stunden lang.

Menke-Peitzmeyer erklärte, dass Kirchenväter beziehungsweise Kirchenlehrer prägende Figuren in Theologie und Kirche seien. Leuchttürme. Er schlug drei Kirchenlehrer für diesen Text vor: Augustinus, Thomas von Aquin und Karl Rahner. Drei Männer, die für drei Epochen stehen. Für drei große Fragen, zu denen sie gearbeitet haben und damit auch drei Botschaften für die heutige Zeit.

Die Notizen des Interviews gingen in die Tiefe, waren umfangreich. Zu umfangreich. Was bleibt, ist der Versuch, das Werk der Kirchenlehrer so stark zu reduzieren, dass es fast wehtut, um dem Titel des Artikels gerecht zu werden: zu zeigen, was die drei Kirchenlehrer uns heute zu sagen hätten.

Interview mit Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Regens des Priesterseminars. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn
Interview mit Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Regens des Priesterseminars. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn
Der heilige Thomas von Aquin, Kirchenlehrer. Gemälde aus dem 14. Jahrhundert, am 10. März 2015 in Pisa. Foto: KNA Bild
Der heilige Thomas von Aquin, Kirchenlehrer. Gemälde aus dem 14. Jahrhundert, am 10. März 2015 in Pisa. Foto: KNA Bild

Thomas von Aquin (1225 – 1274)

Fast 800 Jahre weiter, nach Italien, zu Thomas von Aquin. Menke-Peitzmeyer bezeichnet Thomas von Aquin als einen „universalgebildeten Dominikanermönch“. Man könnte auch sagen: Er war einer der klügsten Köpfe seiner Zeit, des Mittelalters. Wenn nicht der klügste Kopf. Und mit diesem Kopf durchdrang er auch den Glauben, der ja oft auch Sache des Herzens oder des Bauchs ist.

Thomas von Aquin stellte sich die Frage: Ist es plausibel, ja sogar vernünftig, an Gott zu glauben? Seine Antwort: ein klares Ja! Um das zu belegen, erarbeitete der Ordensmann fünf Denkmuster, die auch als „fünf Wege zu Gott“ bekannt sind. Einer dieser Wege ließe sich ganz verkürzt so darstellen: Weil in der Welt jede Wirkung eine Ursache voraussetzt und die Reihe der Ursachen nicht bis ins Unendliche zurückgehen kann, muss es etwas geben, das vor allem da war. Etwas, das durch nichts andere geschaffen wurde und durch nichts begrenzt wird. Etwas, das absolut ist: Gott.

Menke-Peitzmeyer sagt: „Thomas von Aquin zeigt mir, dass die Welt ohne so etwas wie Gott nicht schlüssig wäre – auch wenn innerweltlich längst nicht alles passt. Es ist ja nicht so, dass alles in der Welt schlüssig erscheint oder Sinn macht.“

Und noch etwas lernt Menke-Peitzmeyer von Thomas von Aquin: das Wissen der jeweiligen Zeit zu nutzen, um den Glauben plausibel zu machen. „So wie Thomas von Aquin die wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit genutzt hat, zum Beispiel die griechische Philosophie eines Aristoteles, können wir lernen, uns Gott heute mit der Sprache und den Denkmustern unserer Zeit zu nähern und das Evangelium auf der Höhe der Zeit zu vermitteln“, sagt Menke-Peitzmeyer.

Beim Stichwort „Höhe der Zeit“ fällt im Gespräch auch das Thema Corona. „Wenn die Pandemie etwas mit Gott zu tun hat“, sagt der Theologe, „dann um darüber nachzudenken, wie und in welcher Taktung wir die vergangenen Jahre gelebt haben. Wir lernen jetzt, dass wir durch Videokonferenzen unendlich viele Flugkilometer sparen – oder erfahren, was in Zeiten der Krise Freundschaft auch ohne persönliche Begegnung bedeutet.“

 

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur