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13
Mai
2020
13.Mai.2020

Digitale und analoge Angebote müssen sich ergänzen

Zwei Perspektiven zum geistlichen digitalen Angebot in Corona-Zeiten

In den letzten Wochen haben die Kirchen in Deutschland ihr Angebot digital erweitert, um einen Ersatz für die ausfallenden Gottesdienste zu schaffen. Viele Haupt- und Ehrenamtliche ergriffen die Initiative: Gemeinsames Beten wurde via Videokonferenz möglich, Gottesdienste im Livestream übertragen und verschiedene Impulse für Hausgottesdienste oder Andachten sind im digitalen Angebot ebenso zu finden. Welche Voraussetzungen sind für diese digitale Arbeit nötig? Ist dabei eine neue Form der Gemeinschaft entstanden und in welcher Form wird uns dieses Angebot weiterhin begleiten? Pastor Stefan Kendzorra, Leiter der Diözesanstelle Berufungspastoral, und Pastor Ansgar Wiemers vom Pastoralverbund Paderborn Mitte-Süd geben zu diesen Fragen eine Einschätzung und erzählen von ihren Erlebnissen in dieser Zeit.

Perspektive von Stefan Kendzorra

Was machen Jugendliche in der Corona-Zeit? Einige treffen sich beispielsweise in Video- und Chatkonferenzen, um über ihren Glauben zu diskutieren. Pastor Stefan Kendzorra begleitet sie dabei mit der dazugehörigen Initiative YOUNG MISSION NOW. Seit einigen Jahren sind hier Jugendliche und junge Erwachsene engagiert, die ihren Glauben leben und gestalten möchten.

Glauben erfährt jeder individuell

„Wir treffen uns in einer Videokonferenz, vernetzen und tauschen uns über den Glauben und die Bibel aus. Es ist wunderbar, welche langen und intensiven Gespräche wir dabei geführt haben“, so Stefan Kendzorra. „Wir kommen zu einem echten persönlichen Austausch. Digitale Plattformen bieten eine wunderbare Möglichkeit, sich weiterhin zu treffen und zu sehen.“ Die Leiter von YOUNG MISSION NOW möchten vor allem ihr Team stärken, ihnen Ideen und Tipps mit an die Hand geben, wie etwa online Hausgottesdienste gefeiert werden können. Das Internet macht es möglich; es überbrückt Distanzen, erspart lange Fahrten, die manchmal für ein Treffen notwendig sind. So sei man weniger an Zeit und Ort gebunden und stehe doch im Kontakt. Social-Media-Plattformen wie YouTube, Instagram, Facebook ergänzen diesen Austausch und sind schnell mit dem Smartphone zu empfangen.

„Gerade über diese Kanäle erreichen wir junge Leute und das ist wichtig“, weiß Kendzorra. „Dabei dürfen wir auch auf die Initiative und das Können der Jugendlichen vertrauen, denn sie bringen viele eigene Ideen ein und gestalten auf ihre Weise Kirche. Jeder darf mitmachen!“ Kendzorra und die Teamleiter von YOUNG MISSION NOW koordinieren die Aktionen, sind Ideengeber, Ansprechpartner. Derzeit ist ein Leitfaden für online gefeierte Hausgottesdienste in Planung, um den Teamern von YOUNG MISSION NOW Kompetenzen mit auf den Weg zu geben, wie sie diese neue Form des Gottesdienstfeierns gestalten können.

Doch gibt Kendzorra zu bedenken, dass das digitale Angebot kein Ersatz für ein reales Treffen sei, denn nirgends werde Gemeinschaft so stark spürbar wie im gemeinsamen Gesang, im lebendigen Austausch, im gemeinsamen Feiern eines Gottesdienstes. „Glauben erfährt jeder individuell und doch brauchen wir einen Austausch in der realen Welt. Das ersetzt niemand.“ Digitales und Analoges müssen sich ergänzen, dann ergeben sich neue Chancen.

Perspektive Pastor Ansgar Wiemers

„Ein digitales Angebot ist wichtig, doch kann es den direkten Kontakt zwischen der Gemeinde und mir nicht ersetzen. Das Streaming von Gottesdiensten ist gut, aber nicht alles.“ Davon ist Ansgar Wiemers überzeugt.

„Ich möchte mit der versammelten Gemeinde während der Feier des Gottesdienstes interagieren."

– Pastor Ansgar Wiemers

Frage von Kompetenz und technischen Know-hows

Die Messe in einer leeren Kirche abhalten zu müssen, behagt Wiemers nicht. „Ich möchte mit der versammelten Gemeinde während der Feier des Gottesdienstes interagieren und glaube, dass sich auch die Gläubigen einen echten Austausch wünschen.“ Den kommenden Erfahrungen, einen Gottesdienst nun mit Mundschutz zelebrieren zu müssen, steht er skeptisch gegenüber, „denn ich kann die Reaktionen der dann versammelten Gemeinde nur schwer einschätzen und auch für die Gottesdienstbesucher wird es ungewohnt. Ob da eine richtige Gemeinschaft entstehen kann?“

Ansgar Wiemers weiß, dass es ein breites geistliches, digitales Angebot gibt an Livestreams und Online-Chats. Jeder müsse sich überlegen, welches Angebot er beisteuern könne. Es ist eine Frage der Kompetenz und des technischen Know-hows, um einen Livestream übertragen zu können oder einen Gottesdienst aufzuzeichnen und online zu stellen. „Streamen sollen die, die es können! Deshalb haben wir uns dazu entschieden, Ratschläge für einen privaten Hausgottesdienst auf unsere Homepage zu stellen und das Ganze mit passenden Links zu unterfüttern.“ Zu Ostern gab es einen Videoimpuls.

Stimmengewirr wie zu Pfingsten

Vor allem ein Angebot für Kinder bereitzustellen, war Wiemers wichtig. Einige freiwillige Musiker nahmen Lieder auf, die jeder online abspielen und dazu singen kann. Mit einer Single-Gruppe, die sich bereits früher regelmäßig traf, gibt es Jitsi-Runden mit Gesprächen über die Bibel und gemeinsamem Singen. „Das tat allen gut“, so Ansgar Wiemers. Die Rückmeldungen zu den digitalen Angeboten seien positiv. „Es gab Ratschläge, was wir verbessern könnten und Dank für unser Angebot. So ist tatsächlich ein Dialog möglich gewesen.“ Und doch wünscht er sich, dass es irgendwann wieder richtige Gottesdienste ohne Beschränkungen gibt.

Ein ganz besonderes Erlebnis hatte Wiemers, als er an einem Telefongottesdienst teilnahm und zum Vaterunser alle Teilnehmer hörbar gleichzeitig das Gebet sprachen. Die Verzögerung in der Übertragung sorgte für ein buntes Durcheinander an Worten. „Das war eindrucksvoll und hatte etwas vom Stimmengewirr zu Pfingsten. So etwas könnte ich mir auch für die Zukunft vorstellen, wenn ich vielleicht einmal einen Gottesdienst via Telefon zelebrieren muss.“

In einem Gespräch über das Osterevangelium bekam Wiemers einen eindrucksvollen Denkanstoß, der in die Zukunft reicht. Ein Gemeindemitglied bemerkte, dass an Ostern das Grab Jesu, zu dem die Frauen gingen, leer gewesen sei, so wie nun die Kirchen. Das möge ein etwas steiler Vergleich sein, „doch sind die Frauen damals zu Jesus gegangen, so wie wir uns nun vielleicht auf den Weg machen sollten, Jesus suchen zu gehen. Mindestens im Dialog können wir uns jetzt schon auf diese Reise machen. Vielleicht können wir so eine neue Art finden, Kirche zu sein“, resümiert Ansgar Wiemers.

Wir gestalten Kirche!

In der Zukunft wird sich zeigen, wie analoge und digitale Angebote miteinander kombiniert werden können, denn die Einschränkungen durch das Coronavirus werden noch eine Zeit lang bestehen bleiben. Doch bietet sich gerade hier ein Feld für neue Entwicklungen und Eigeninitiative, denn nur mit Hauptamtlichen kann ein so umfangreiches Angebot schwer aufrechterhalten werden. Hier sind kreative Ideen und Initiativen von Jung und Alt gefragt. Wir gestalten Kirche! Corona bietet die Möglichkeit, den Weg für unsere Kirche gemeinsam zu bereiten und zusammen am Zukunftsbild der Kirche mitzuarbeiten.

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