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20
Oktober
2020
20.Oktober.2020

“Diese Orgel mit Charakter werde ich vermissen”

Kirchenmusikerin Mona Rozdestvenskyte bereits als Kind von der Orgelmusik begeistert

„Bereits als Kind habe ich im Gottesdienst mehr auf die Orgel in der Kirche geschaut als auf den Altar“, erinnert sich Mona Rozdestvenskyte, dass ihr die Orgel schon immer ins Auge stach, und sie deshalb in der Kirchenbank auch mal von den Eltern „angestoßen“ wurde. Als Zehnjährige habe sie 2004 dann bei den Großeltern in Litauen erstmals in einer Messfeier auf der „Königin der Instrumente“ gespielt. Es sei faszinierend gewesen, und diese Begeisterung habe sie nie wieder losgelassen.

Mona Rozdestvenskyte - Kirchenmusikerin in Bad Driburg. (Foto: Ronald Pfaff)
Mona Rozdestvenskyte - Kirchenmusikerin in Bad Driburg. (Foto: Ronald Pfaff)

Von Moskau nach Bad Driburg: Nun wartet Bremen

Heute gibt sie an der Orgel der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bad Driburg den Ton an und hat ihre Faszination für die Orgel und Kirchenmusik zum Beruf gemacht. Seit 2017 arbeitet die mittlerweile 25-Jährige als Kirchenmusikerin im Pastoralverbund Bad Driburg. Ihr guter Ruf eilt ihr voraus. Denn zum Februar 2021 verlässt sie Bad Driburg schon wieder und erhält die großartige Chance als Regionalkantorin an der Propsteikirche St. Johann für die Region Bremen.

„Einen Tag nach meinem 18. Geburtstag habe ich Russland verlassen und bin ganz gezielt zum Studium an die Musikhochschule  Detmold zu Professor Martin Sander gegangen. Ich war sofort begeistert von ihm“, blickt Mona Rozdestvenskyte auf ihren mutigen Alleingang zurück. Deutschland sei ihr nicht ganz fremd gewesen. „Ich war auf dem Sprachengymnasium in Moskau mit dem Schwerpunkt Deutsch. Somit durfte ich in deutschen Gastfamilien schon ein wenig in das Land schnuppern. Mir hat es gut gefallen“, so Mona Rozdestvenskyte. Einen bleibenden Eindruck machte jedoch die Ankunft: „Vom riesigen Moskauer Bahnhof kommend, bin ich dann auf einem Bahnhof mit zwei Gleisen ausgestiegen.“

Vor dem Abitur fiel die Entscheidung

Ursprünglich sei das Orgelspiel nur ein Hobby gewesen, das sie begeistert habe. Bereits als Sechsjährige begann Mona mit dem Klavierunterricht, zwei Jahre später lernte sie an der Orgel. „Meine Eltern und Schwestern arbeiten alle im IT-Bereich, somit habe ich die Profession nicht von ihnen. Nur meine Mutter hat auch mal privat Klavier gespielt.“ Ein Jahr vor dem Abitur sei für Mona dann die Entscheidung klar geworden, aus ihrer Freizeitbeschäftigung ihren Beruf zu machen.

Die Orgel habe bei diesem Wunsch klar im Vordergrund gestanden. Erst in Detmold entschied sie sich, auch Kirchenmusik zu studieren und darin ihren Master zu machen. „Es war ein sehr gutes Studium, das vom guten Austausch mit vielen Menschen gelebt hat.“ Eher durch Zufall habe sie die Stellenanzeige von St. Peter und Paul gesehen. „Ich habe mal einen geheimen Ausflug nach Bad Driburg gemacht und mich sofort in die Orgel und die Kirche verliebt“, gesteht die 25-Jährige: „Weil diese Orgel diesen Charakter hat.“ Sie bekam die Stelle. Begann aber erst einmal mit 80-prozentiger Beschäftigung, weil sie das Studium beenden wollte.

Spannende Aufgaben in “St. Peter und Paul”

Ihre Aufgaben in Bad Driburg sind dann sehr vielseitig geworden: Die Gottesdienste musikalisch begleiten, Kirchenchor, Vokalensemble und Kinderchor leiten, zwei Orgelschüler anlernen, Koordination der Kirchenmusik in der Gemeinde sowie eine monatliche Konzertreihe. Dazu gehörten dann auch große Auftritte mit namhaften Werken für den Kirchenchor mit Orchester. Oder auch die Aufführung eines  Kindermusicals mit dem Kinderchor. „Das war eine sehr gute Zusammenarbeit mit unserer Gemeindereferentin.“

Die Corona-Pandemie habe dann aber in diesem Jahr einen Strich durch viele Vorhaben gemacht und die Chormusik stark eingeschränkt. „Mit dem Chor habe ich abwechselnd in zwei Gruppen die Proben durchgeführt. Die 15 Sänger des Vokalensembles haben mit einem 4-Meter-Abstand Platz in der Kirche gefunden. Doch das Ziel aller Sängerinnen und Sänger – ein großer Auftritt – ist derzeit nicht möglich.“

“Fordern, aber nicht überfordern”

„Fordern, aber nicht überfordern“, sei stets ihre Marschroute in der Zusammenarbeit mit den Chören. So macht Mona Rozdestvenskyte Vorschläge für das Liedwerk, das auf Besetzung, Jahreszeit und auf die Dauer der Einübungszeit des Werks abgestimmt sind. Bei den Sängerinnen und Sängern in Bad Driburg kam sie mit ihrer Art schnell an und verdiente sich schnell Anerkennung. Bei der Frage, ob sie denn als junge Frau bei langjährig gewachsenen Chorverbänden mit Respekt zu kämpfen gehabt habe, schmunzelt sie: „Vielleicht im ersten Monat, dann geht es aber nur um die fachliche Kompetenz. Es war schnell eine gute Vertrauensbasis da. Ich selbst musste mich auch umstellen: Ältere Menschen zu duzen, ist in Russland nicht üblich…“

Rachmaninoff liegt ihr am Herzen

Werke der Romantik und romantisches Verständnis von Musik lagen Rozdestvenskyte schon in der Jugend am Herzen. „Es ist ein natürlicher Zugang zur Musik“, erläutert sie und outet sich als großer Fan des  Komponisten und Pianisten Sergej Rachmaninoff. „Nein in meiner Freizeit habe ich keine Kopfhörer auf und höre Musik. Ich beschäftige mich so viel mit Musik, da muss auch mal Ruhe sein.“ Gerade beim Wandern und Verreisen genieße sie die Orte der Stille und Ruhe.

Die Orgel ist und bleibt für sie die „Königin der Instrumente“: „Ein Instrument, mit dem ich zusammengewachsen bin und mit dem ich mich am besten ausdrücken kann. Die Farben und Facetten der Orgel sind großartig und bilden ganze Orchester ab. Eine Orgel kann für den Zuhörer  aber auch unverständlich bleiben, wenn die Musik durch den Organisten nicht mit Können und Inspiration gespielt wird“, so Mona Rozdestvenskyte, die ihre Freude an der Improvisation an der Orgel erst hier lernte: „In der Heimat musste man sich genau an die Literatur halten.“

“In der Musik gibt es viele Glaubenszeichen”

Als Kirchenmusikerin, da ist sie sicher, könnte man nur arbeiten, wenn man auch gläubig ist. Gerade die abendländische Musik sei stark mit dem Glauben verbunden – wie zum Beispiel Johann Sebastian Bach. „In der Musik gibt es viele Glaubenszeichen und Bekenntnisse. Da ist der Glauben auch wichtig, um die Musik zu verstehen.“ In Deutschland sei die Kirche auch ein Kulturträger. Deshalb sei es wichtig, das in der Kirche Musik passiere und auch der Bildungsauftrag der Kirche darin erhalten bliebe.

Wenn sie Bad Driburg zum Februar verlassen wird, wird sie viele gute Erinnerungen mitnehmen und einiges vermissen: die Arbeitsatmosphäre, das nette Team, die weise Leitung und Offenheit für alle Ideen von Pfarrer Hubertus Rath, viele persönliche Kontakte – aber vor allem die Orgel in St. Peter und Paul mit ihrem Charakter und ihrer Geschichte.

“Drei Fragen an”

Audio mit der Kirchenmusikerin Mona Rozdestvenskyte aus Bad Driburg:

Vita

Mona Rozdestvenskyte wurde 1994 in Moskau geboren. 2012 begann sie mit dem Studium der Kirchenmusik an der Hochschule für Musik Detmold, an der sie 2018 ihren Master absolviert hat. Zurzeit studiert sie dort Master Solist Orgel bei Prof. Martin Sander.

Ihre künstlerische Ausbildung wird zudem durch die Teilnahme an Meisterkursen von Guy Bovet, Wolfgang Zerer, Arvid Gast, Jaroslav Tuma und Michael Radulescu, Hans-Ola Ericsson, Ben van Oosten, Olivier Latry und Bine Bryndorf ergänzt.

Ein Beitrag von:

Ronald Pfaff
Redakteur
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