Kontakt Presse & Medien Für Mitarbeitende Karriere & Jobs
Kontakt
Gestaltungselement Navigation
30
August
2021
30.August.2021

“Der Einsatz in Afghanistan war nicht umsonst”

Der Paderborner Pfarrer Thomas Stolz war als Militärgeistlicher in Afghanistan

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns wöchentlich mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Bedingung der Zusammenkunft: Das Meeting endet, sobald der Kaffeebecher geleert ist. Diesmal haben wir uns mit Pfarrer Thomas Stolz getroffen, dem Leiter des Pastoralverbundes Paderborn Nord-Ost-West.

Mit dem Abzug der US-Soldaten enden am Dienstag 20 Jahre NATO-Einsatz in Afghanistan. In den Medien liest man Worte wie „Versagen“, „gescheitert“ und „vergebens“. Der Paderborner Pfarrer Thomas Stolz hat für diese Kommentare kein Verständnis. „Ich glaube, der Einsatz der Bundeswehr hat eine ganze Menge gebracht.“ In diesen krisenhaften Tagen sehe man das vielleicht nicht, sagt er, „aber meiner Einschätzung nach ist dort viel bewegt worden.“

Warum Thomas Stolz aus 6.000 Metern Höhe sprang

„Soldaten sind eine schwierige Berufsgruppe, da muss man versuchen sich reinzudenken und reinzufühlen“, sagt Stolz. Er, der bis dato nicht gedient hatte, machte die Einzelkämpferausbildung, lernte schießen und Fallschirmspringen. „Wenn man aus 6.000 Metern Höhe aus einem Flugzeug springt oder nachts allein im Wald in Eis und Schnee liegt, fragt man sich: Warum tust du dir das an?“ Er habe jedoch stets ein Ziel vor Augen gehabt: Nur indem man gewisse Wege mitgehe, könne man erfahren, „warum die so ticken wie sie ticken“, weshalb ein Soldat in einer Situation auf eine bestimmte Weise reagiert, Angst hat oder auch Fehler macht. „Sonst geht das nicht.“ Auf konkrete Weise setzte der gelernte Werkzeugmacher Stolz das in die Tat um, was Papst Franziskus einmal so formulierte: Der Hirte soll den Geruch seiner Herde annehmen.

Als Stolz dann vor 15 Jahren Hirte einer anderen Herde wurde, brachte das erst einmal einige Herausforderungen für ihn mit sich. Seine Gemeinde bestand nicht mehr nur aus Männern, sondern auch aus Frauen, Kindern, Jugendlichen und Alten. In Afghanistan waren Verwundung und Schmerz, Sterben und Tod die Probleme gewesen, mit denen Stolz umgehen musste. In Paderborn sind es hingegen Animositäten unter Gemeindemitgliedern und die Frage, wie der Blumenschmuck in der Kirche auszusehen habe. „Ich musste erst erkennen, dass diese Dinge für die Menschen hier genauso existenzielle Sorgen und Nöte sind. Es brauchte seine Zeit, bis ich mich darauf eingestellt hatte.“

Die Umstellung ist längst geglückt, heute leitet Pfarrer Stolz den Pastoralverbund Paderborn Nord-Ost-West. Er könne das Priester-Sein gut mit dem Organisator-Sein verbinden, sagt er. „Ich traue, ich taufe, ich bringe die Krankenkommunion. Ich sitze am Schreibtisch und schreibe Artikel und bereite die nächste Kirchenvorstandssitzung vor. Dann hab ich wieder ein Taufgespräch und anschließend noch eine Sitzung.“ Er versuche für die Menschen da zu sein, wenn sie ihn brauchten, sagt Stolz. „Mehr kann ich nicht. Aber ich mach’s gerne.“

Ein Beitrag von:

Cornelius Stiegemann
Redakteur