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15
Oktober
2019

Den Glauben in Bewegung bringen

Mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund am Angebot „Gebet bewegt“ von Michael Thiedig (Mitte rechts) im Klostergarten an der Propsteikirche teil.

Mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund am Angebot „Gebet bewegt“ von Michael Thiedig (Mitte rechts) im Klostergarten an der Propsteikirche teil.

Bewegung und Körper spielen in der katholischen Glaubenspraxis eher eine untergeordnete Rolle. Diesen Mangel erkannte Michael Thiedig und entwickelte ein besonderes Angebot mit Elementen des Tai Ji. „Glauben in Bewegung bringen“ heißt das Motto des 46-jährigen Gemeindereferenten im Dortmunder Pastoralverbund „Am Revierpark“.

Durch das Fenster fällt der Blick auf einen weitläufigen Garten. Hier, neben der St.-Josef-Kirche in Dortmund Kirchlinde befindet sich das Büro von Gemeindereferent Michael Thiedig. Der Religionspädagoge ist zugleich als Lehrer für Tai Ji und meditative Körperarbeit (IfB) ein gefragter Kurs- und Workshopleiter. Froh ist er darüber, Tai Ji auch offiziell in seine pastorale Arbeit vor Ort einbringen zu können. Darüber hinaus bietet er Kurse und Workshops in Bildungshäusern und bei verschiedenen Gelegenheiten an. Neben längeren Kurseinheiten gibt es das Workshop-Angebot „Gebet bewegt“, das auf den Bewegungsprinzipien des Tai Ji Quan basiert.

Dazu hatte Michael Thiedig im Sommer beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund in den Klostergarten der Propsteikirche eingeladen. Obwohl es das Angebot nicht mehr in das offizielle Programm schaffte und nur mit einem Plakat beworben wurde, fanden sich mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. An eine Einführung im Katholischen Centrum schloss sich die praktische Körpermeditation im Propsteigarten an. Mit geschlossenen Augen und ausgebreiteten Armen, die in fließenden Bewegungen wieder zusammengeführt wurden, meditierte die Gruppe ein Gebet des hl. Franziskus: „Meines Herzens Dunkel wandle in dein Licht. Schenke mir den Glauben, der die Zweifel bricht. …“

Über ein „Körpergebet“ soll ein Zugang zu Glaube und Religion ermöglicht werden.

Über ein „Körpergebet“ soll ein Zugang zu Glaube und Religion ermöglicht werden.

„Bei diesen Angeboten sind häufig Menschen dabei, die sonst mit der Kirche nichts zu tun haben“, weiß Michael Thiedig. Das ist umso erstaunlicher, da sie in der Einführung zu den Workshops unter der Überschrift „Die Matrix des Glaubens“ direkt mit Fragen nach der Bedeutung des christlichen Glaubens konfrontiert werden: „Wie kann und möchte ich Glauben heute verstehen?“

Michael Thiedig selbst kam 1998 während der Lern- und Schreibphase seiner Diplomarbeit im Fach Theologie zum Tai Ji. „Die Sehnsucht Gottes ist der lebendige Mensch!“ ist die Arbeit überschrieben, in der er den neutestamentlichen Begriff vom „Reich Gottes“ mit der tiefenpsychologischen Vokabel des „Selbst“ des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung in Verbindung bringt. Dabei vertritt Thiedig die These, dass die Selbstwerdung des Menschen der Weg ist, der zum Reich Gottes führt.

Zunächst suchte Michael Thiedig nur etwas, um nach Stunden am Schreibtisch den Kopf frei zu bekommen. Er begann mit Tai Ji und stellte fest, dass dieser körperliche Ausgleich durchaus einen Bezug zu seiner theologischen Arbeit hat. In den jeweils Figuren darstellenden Bewegungsabläufen einer bestimmten Form des Tai Ji erkannte er Etappen des Selbstwerdungsprozesses. Das brachte ihn auf die Idee, den christlichen Glauben im Zusammenhang mit dieser Tai Ji Form zu thematisieren.

Heilsame Bewegungsform

Ursprünglich eine Kampfkunst sowie eine heilsame Bewegungsform der traditionellen chinesischen Medizin, ist Tai Ji heute vor allem eine Bewegungslehre, die der Gesundheit, der Persönlichkeitsentwicklung und der Meditation dient. „In vielen Formen der Meditation führt der Weg über den Körper und nicht nur über den Intellekt“, erläutert Michael Thiedig. Die „spirituelle Kraft des Körpers“ werde in der religiösen Praxis jedoch zu oft vernachlässigt. Daher möchte er neue Zugänge über ein „Körpergebet“ ermöglichen.

Wichtig sei, dass es nicht um eine Vermischung religiöser Traditionen oder gar Esoterik gehe: „Tai Ji ist keine religiöse Praxis und genauso unreligiös, wie Akupunktur.“ Es werde dadurch auch nicht der katholische Glaube „verwässert“, wie Kritiker ihm gelegentlich vorwerfen ohne sein Angebot genauer zu kennen. Vielmehr würden die Bewegungen dazu beitragen, Blockierungen zu lösen und ein „harmonisches Fließen der Körperenergie“ zu ermöglichen.

Tai Ji, wie es Michael Thiedig beschreibt, stärkt das Selbstwertgefühl der Menschen und tut denen, die sich darauf einlassen, gut. Die Verbindung zum Glauben erläutert er in dem Manuskript einer von ihm geplanten Buchveröffentlichung: „Die eigene Identität wird mehr und mehr in dem erkannt, was von Gott stammt und sich in mir entfaltet und zur Haltung ausformt, aus der heraus ich mich und die Welt sehe und verstehe.“

Michael Thiedig fühlt sich durch die positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Workshops bestärkt.

Michael Thiedig fühlt sich durch die positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Workshops bestärkt.

Bestärkt fühlt sich Michael Thiedig durch zahlreiche positive Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Workshops und Seminare. Viele schätzen seinen besonderen Weg, Glauben und Spiritualität zu vermitteln. So schrieb ein Workshop-Teilnehmer: „Der ganzheitliche, körperbezogene Ansatz hat neue spirituelle Zugänge zu den Texten ermöglicht.“

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