Kontakt Presse & Medien Für Mitarbeitende Karriere & Jobs
Kontakt
Gestaltungselement Navigation
6
Oktober
2021
6.Oktober.2021

Dem inneren Drang gefolgt

Was Uli Jungen zum Engagement für geflüchtete Menschen antreibt

Es fehlte noch eine Unterschrift. Im Jahr 2014 wurde Uli Jungen aus Flerke im Kreis Soest gefragt, ob er dabei helfen kann, den Freundeskreis Eilmser Wald e. V. zu gründen. Ein Verein, um Geflüchtete in der Sammelunterkunft Eilmser Wald zu unterstützen. Sechs Männer und Frauen hatten sich schon gefunden. Ein siebtes Mitglied fehlte, um sich als e. V. eintragen zu lassen.

Portraitbild von Uli Jungen
Uli Jungen
Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn
Uli Jungen
Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Eine Unterschrift, mehr nicht. Verpflichtungen kämen nicht auf ihn zu, wurde Jungen versprochen. Zu dem Zeitpunkt war er schon im Pfarrgemeinderat und Kirchenchor aktiv. Also sagte er zu.

Die Zeiten änderten sich. Im Jahr 2015 flüchteten über eine Million Menschen nach Deutschland. Uli Jungen erinnert sich an die Bilder, wie täglich Tausende Geflüchtete in überfüllten Zügen in Deutschland ankamen. Er sagt: „Die Menschen taten mir einfach leid“. Und: „Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, zu fliehen und Heimat, Familie und Freunde zu verlassen. Wie es ist, alles aufzugeben“.

Aus der Unterschrift wird ein Bekenntnis

2015 war das Jahr, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf die sogenannte Flüchtlingskrise sagte: „Wir haben schon so viel geschafft. Wir schaffen das“. Und es war auch das Jahr, in dem aus der Unterschrift von Uli Jungen ein Bekenntnis zur Flüchtlingshilfe wurde.

2015 war das Jahr, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf die sogenannte Flüchtlingskrise sagte: „Wir haben schon so viel geschafft. Wir schaffen das“. Und es war auch das Jahr, in dem aus der Unterschrift von Uli Jungen ein Bekenntnis zur Flüchtlingshilfe wurde.

Seitdem hilft Uli Jungen im Freundeskreis Eilmser Wald, Kleider und Sachspenden zu sammeln. Besonders Kinderbetten seien gefragt. „Im Eilmser Wald sind wir immer schwanger“, sagt Jungen. Ob Gemeinde, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder Arzt – Uli Jungen begleitet die Geflüchteten dorthin. Sogar im Kreißsaal kenne er sich mittlerweile gut aus. Außerdem hat er organisiert, dass Sprachkurse von der VHS direkt im Eilmser Wald angeboten werden.

Wenn Uli Jungen über die Motivation für seinen  Einsatz spricht, dann bringt er einen inneren Drang zu handeln zum Ausdruck. Er sagt: „Die Menschen kamen hier mit nichts an. Da konnte ich nicht die Augen verschließen und sagen: Die Geflüchteten sollen zusehen, wie sie fertigwerden“.

Uli Jungen in seinem Garten in Welver-Flerke.
Uli Jungen in seinem Garten.
Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn
Uli Jungen in seinem Garten.
Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Pfarrgemeinderat, Kirchenchor, Flüchtlingshilfe

Den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Für den Nächsten da sein. Einander als Brüder und Schwestern sehen. Was Jesus vorgelebt hat, das führt Uli Jungen mit seinen Möglichkeiten fort. Er ist bekennender Christ, fast jedem in der Pfarrei St. Maria Welver aus Kirchenchor, Pfarrgemeinderat und von den Theateraufführungen „Klosterkapriolen“ bekannt.

Und nun ist er auch einer der bekannten Köpfe der Flüchtlingshilfe in der Gemeinde Welver. Inzwischen ist er Erster Vorsitzender des Freundeskreises Eilmser Wald und ein oft gefragter Ansprechpartner.

Wer verstehen möchte, was Flüchtlingshilfe im Eilmser Wald bedeutet, der reist am besten in Gedanken an den Ort des Geschehens: ein Backsteinbau mitten im Wald. 60 Menschen leben hier, acht Kilometer vom Zentralort Welver mit Grundschule, Supermarkt und Bahnhof entfernt.

Neben dem Schulbus kommt hier nur der Bürgerbus einmal pro Tag vorbei. Unerlässlich für die Arbeit des Freundeskreises: ein Bulli, finanziert mithilfe des Flüchtlingsfonds des Erzbistums Paderborn. Sieben Fahrer teilen sich die Strecken zum Kindergarten, zu den Behörden, zum asiatischen Großmarkt und zum Arzt auf.

„Was würden sie nur ohne uns machen?“

Flüchtlinge, die regelmäßig von Ehrenamtlichen gefahren werden – das klingt in manchen Ohren nach Komfort. Doch für Uli Jungen gibt es dazu keine Alternative. Er hat eine alleinstehende Mutter vor Augen, die mit ihrem Säugling 15 Kilometer entfernt zum Arzt muss. „Wie sollte sie sonst dahin kommen?“, fragt Jungen. Und: „Was würde sie ohne uns machen?“

Fragen, die Jungen selbst unbeantwortet im Raum stehen lässt. Dafür spricht er lieber darüber, was ihn in seinem Engagement weiter antreibt: „Dass Normalität kommt“. Bei den Geflüchteten sowie ehrenamtlich Engagierten habe sich aus Vorsicht, sich nicht mit dem Corona-Virus anzustecken, eine gewisse Scheu im persönlichen Kontakt gebildet.

Dabei lebt das Engagement in der Flüchtlingshilfe von Begegnung und Austausch. Der Freundskreis Eilmser Wald lädt jede zweite Woche die Bewohnerinnen und Bewohner der Sammelunterkunft zum Freitagscafé ein. Jungen erzählt, wie die Geflüchteten dann üblicherweise mit Briefen von den Behörden und persönlichen Ängsten und Sorgen zu den Ehrenamtlichen gekommen sind. Momentan sei der Kontakt noch nicht wieder so intensiv wie vor anderthalb Jahren, sagt Jungen. „Doch das kommt schon wieder. Ich bin ja Optimist.“

Ausgezeichneter Einsatz

Das ehrenamtliche Engagement des Freundeskreises Eilmser Wald e. V. wurde mit dem Integrationspreis „Zuhause im Kreis Soest“ im Jahr 2019 ausgezeichnet. Zudem war der Verein für den Ehrenamtspreis 2020 des Flüchtlingsrats NRW nominiert.

Weitere Beiträge zum Themenspecial bürgerliches Engagement

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redaktion