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7
Oktober
2019

„Ein neues Bild von Kirche prägen”

Dominik Mutschler ist Gemeindereferent in Herne und hat inspiriert durch das Zukunftsbild zahlreiche evangelisierende Projekte umsetzen können

Ein Karnevals-Gottesdienst, ein goldener Container mitten in der Herner Innenstadt, ein eigener Internetauftritt für Firmfeiern – in der Pfarrei St. Dionysius in Herne werden viele Projekte umgesetzt, die für die Katholische Kirche nicht alltäglich sind. Die Möglichkeit, dass in der Pastoral neue Wege gegangen werden können, eröffnet zu einem nicht unerheblichen Teil das „Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn“.

„Das Zukunftsbild erlaubt es, uns einfach einmal ausprobieren, neue, kreative Ideen in die Tat umzusetzen und am Ende zu schauen, was dabei herauskommt“, beschreibt Dominik Mutschler, der seit 2013 Gemeindereferent in St. Dionysius ist. Seit dieser Zeit habe sich das pastorale Personal halbiert, sodass die Gemeinde viel mehr auf die ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sei. „Je weniger pastorale Mitarbeiter es gibt, desto mehr stellt sich natürlich die Frage, wie lebendig das Gemeindeleben noch sein kann.“

Eine große Unterstützung und Motivation, Neuaufbrüche zu wagen und genau dann am Ball zu bleiben, wenn weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, geht für den Gemeindereferenten vom Zukunftsbild aus. „Wir müssen die Zeichen der Zeit mitgehen und versuchen ein neues Bild von Kirche zu prägen“, so Mutschler. Das Zukunftsbild unterscheide sich dahingehend von anderen Pastoralkonzepten, indem es ständig weiterentwickelt werde und nicht von jetzt an für die nächsten 50 Jahre festgeschrieben sei. Es würde ständig überprüft, welche Erkenntnisse aus den einzelnen Entwicklungsschritten hervorgingen und entsprechende Konsequenzen gezogen. „Das ist ein großer Vorteil und wir spüren endlich, dass sich wirklich etwas verändert“, verdeutlicht Mutschler. „Ich selbst bin erfreut und gleichzeitig ein wenig erstaunt, wie frei die Bistumsleitung darin ist, Dinge zu ändern. Das Erzbistum Paderborn bricht schrittweise mit seinem Image, ein wenig angestaubt zu sein. Und das macht mich richtig stolz.“

„Die Leute kamen auf mich zu und haben gefragt, wer wir sind. Fast niemand hätte damit gerechnet, dass die Initiative von der katholischen Kirche aus gegangen ist. So sind nicht nur viele Gespräche entstanden, es wurde auch ein neues Vertrauen in das Wirken der Pastoral geschaffen. Die Kirche, die sonst immer so antiquiert daher kommt, war plötzlich richtig modern.“

– Dominik Mutschler
Dominik Mutschler vor dem goldenen Container

Selbstverständlich ist nicht zuletzt die finanzielle Förderung durch den Fonds „Neue Projekte zur Umsetzung des Zukunftsbildes” eine große Hilfe. „Bei der erstmaligen Durchführung einer neuen Idee besteht immer das Risiko, dass sie nicht so angenommen wird wie erhofft. Ein neues Projekt ist immer ein Wagnis“, erklärt Dominik Mutschler. Daher sei das Pastoralteam aus Herne auch sehr dankbar über die Bereitschaft der Bistumsleitung, diesen mutigen Weg mitzugehen.

Für den kommenden Advent steht bereits ein neues, außergewöhnliches Projekt in den Startlöchern: der größte Adventskranz des Ruhrgebiets soll in Hernes Innenstadt stehen. „Wir planen einen Adventskranz mit einem Radius von sechs Metern, der die gesamte Herner Flaniermeile umspannt. Er soll an jedem Tag im Advent ein Forum für unterschiedliche Akteure sein und so Kirche im Sozialraum sichtbar machen“, beschreibt Mutschler die Idee. Das ökumenische Projekt unter dem Namen „HER-leuchtet“ soll die Möglichkeit eröffnen, missionarisch Kirche zu sein und gleichzeitig den Weg aus den dicken Kirchenmauern herausfinden.

Bereits im Advent 2017, als während der Aktion „Gott kommt nach Herne” ein großer goldener Container mitten in Hernes Einkaufmeile stand, hat Mutschler viele positive Erfahrungen gemacht: „Die Leute kamen auf mich zu und haben gefragt, wer wir sind und was wir da machen. Fast niemand hätte damit gerechnet, dass die Initiative von der katholischen Kirche aus gegangen ist. So sind nicht nur viele Gespräche entstanden, es wurde auch ein neues Vertrauen in das Wirken der Pastoral geschaffen. Die Kirche, die sonst immer so antiquiert daher kommt, war plötzlich richtig modern.“

Trotzdem werde es immer negative Stimmen geben, die mit derartigen evangelisierenden Projekten nichts anfangen könnten und ihr Missfallen offen ausdrücken. „Für manche Gemeindemitglieder, die in den 1950er und 60er Jahren die Kirchen noch selbst mit aufgebaut haben, ist es schwer mit anzusehen, dass diese Räume oft anders genutzt werden und sich nicht mehr wiederfinden. Dann herrscht oft stille Resignation und Trauer.“ Diese Gemeindemitglieder dürfe man selbstverständlich nicht außer Acht lassen, aber ohne konkrete Vorschläge und Taten könne sich nichts ändern.

Auf die Frage, ob die katholischen Kirche in 20 bis 30 Jahren noch eine Zukunft hat, hat Mutschler jedoch eine sehr positive Antwort: „Auf jeden Fall wird es Kirche in den kommenden Jahrzehnten noch geben, da mache ich mir keine Gedanken, aber sie wird anders aussehen. Wir müssen weg von dem ‚Klein-Klein‘ kommen und dann werden auch die Aufbrüche sichtbar, die heute schon da sind.“ Ob es die zahlreichen Kirchen noch geben wird beziehungsweise, ob sie für die pastorale Arbeit genutzt werden, stellt Mutschler in Frage. „Gottesdienst, Seelsorge und Glaubensleben sind nicht an prachtvolle Gemäuer geknüpft, sie können überall stattfinden, es braucht nur eine Gemeinschaft dazu. Jetzt ist es an der Zeit, diese Dinge zu verändern und das Zukunftsbild führt uns dabei auf einen guten Weg.“

Das Themenspecial

In den kommenden Wochen geht dieses Themenspecial der Frage nach, welchen Weg der Aufbruch genommen hat, der vor fünf Jahren seinen Anfang nahm. Wir sprechen mit Menschen, die den Weg des Erzbistums intern begleiten und auch mit jenen, die die Geschehnisse rund um Kirche von außen verfolgten. Wir stellen Projekte vor und rufen wichtige Ereignisse in Erinnerung.

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