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12
Oktober
2019
12.Oktober.2019

„Das Leben in einen christlichen Bezug stellen“

Themenspecial „5 Jahre Zukunftsbild“

Wohin führt die Zukunft der Kirche? Diese Frage stellt sich im Oktober anlässlich des Zukunftsbilds, das vor fünf Jahren veröffentlicht wurde, ganz drängend. Was verbindet die Christen im Erzbistum Paderborn? Was muss sich verbessern? In Zukunftsgesprächen sollen aktuelle Themen zur Zukunft der Kirche aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert werden – diesmal mit Annika Manegold vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Thomas Koeper von Nightfever.

Thomas Koeper und Annika Manegold im Gespräch. Foto: Schulte

Redaktion

Frau Manegold, waren sie schon mal bei einer Anbetung von Nightfever?

Annika Manegold

Nein. Es ist nicht meine Form der Spiritualität.

Redaktion

Was ist denn ihre Form der Spiritualität?

Mangegold

Eher eine verbandliche Spiritualität. Als Pfadfinderin berührt es mich, gemeinsam am Lagerfeuer zu sitzen, dort Gottesdienste zu feiern und eine Morgen- und Abendrunde gemeinsam zu gestalten.

Redaktion

Herr Koeper, was fasziniert sie an Nightfever Gottesdiensten?

Thomas Koeper

Dass es offen gestaltet ist, und jeder kommen und gehen kann, wann er möchte. Ich persönlich finde in den Gottesdiensten Ruhe. Der Alltag ist oft so hektisch, da inspiriert mich bei Nightfever, dass ich runterkomme, über bestimmte Fragen nachdenke, Zweifel äußere. Ich glaube, dass dann ein Gott da ist, der mich trägt. Das ist ein großes Geschenk, das mich im Leben bereichert.

Redaktion

Haben Sie sich schon einmal bei der 72-Stunden-Aktion des BDKJ eingebracht?

Koeper

Ich habe bei der Abschlussaktion die Musikanlage aufgebaut, aber bei der Aktion selbst war ich noch nicht richtig dabei. Dafür habe ich an anderen Aktionen des BDKJ teilgenommen.

Redaktion

Was fasziniert Sie, Frau Manegold, denn an der Aktion?

Manegold

Kinder und Jugendliche haben dabei die Chance, zu zeigen, was sie tagtäglich bewegen. Sie haben jede Woche ihre Gruppenstunden, brechen gemeinsam zu Fahrten auf und tun gutes für Menschen in ihrem Umfeld. Mit der Aktion wird pointiert deutlich, wie viele Kooperationsformen es gibt, um die Welt zu verbessern und sich für andere zu engagieren. Solche Aktionen sind ein Ausdruck diakonischen Handelns.

Annika Manegold. Foto: Schulte
Annika Manegold. Foto: Schulte
Redaktion

Wie sieht ihr kirchlicher Alltag aus?

Koeper

Ganz unterschiedlich, denn Kirche ist vielfältig.Über den Domchor, die Messdiener am Dom und Nightfever besuche ich regelmäßig Gottesdienste. Im Alltag in der Universität und bei Freunden finde ich es spannend, Gespräche über Kirche zu führen. Ich merke, dass gerade junge Menschen einen religiösen Bezug haben und man gut darüber sprechen kann, wenn man selbst offen dafür ist.

Manegold

Ich habe früher als Katechetin Firmvorbereitung mitgestaltet, heute gehe ich nur noch selten in die Sonntagsmesse. Dafür versuche ich, den Kontakt in meinem Heimatstamm der Pfadfinder zu pflegen. Während meiner Arbeit im BDKJ hat sich mein Bild von Kirche an vielen Stellen deutlich verändert. In der Arbeit mit jungen Menschen merke ich, dass Kirche nicht mehr am Zahn der Zeit unterwegs ist – von vielen Lebenswelten junger Menschen hat sich Kirche entfernt.

Redaktion

Wobei zum Beispiel?

Manegold

Statistiken besagen, dass die kirchliche Sexualmoral für neun von zehn Jugendlichen nicht mehr relevant ist. In den Jugendverbänden spüre ich eine Unruhe, dass ich bei den Reformvorschlägen endlich etwas tun soll. Da ich die christlichen Werte, für die Kirche steht, gut und richtig finde, möchte ich von innen her etwas verändern. Als Vorsitzende des BDKJ versuche ich, die Interessen von jungen Menschen zu vertreten und zu schauen, wie wir anders mit den Themen umgehen können. Denn ich bin überzeugt davon, dass man auch in den bestehenden Rahmenbedingungen Dinge anders leben kann.

Redaktion

Wie nehmen Sie die angesprochene Unruhe wahr, Herr Koeper?

Koeper

Manche Themen, wie zum Beispiel die Sexualmoral, werfen für mich auch Fragen auf, die unbeantwortet bleiben, weil Möglichkeiten zum Austausch darüber eher selten sind. Außerdem finde ich, dass Priester stärker durch Laien unterstützt und Gottesdienste offener gestaltet werden sollten. In der Heiligen Messe fühle ich mich oft eher passiv, obwohl wir ja alle mitfeiern sollten.

Redaktion

Wie können junge Menschen für Kirche begeistert werden?

Koeper

Indem Kirche zeigt, wie vielfältig sie ist, was sie hat und bieten kann. Mir ist wichtig, dass sich Kirche nicht verändert, um gute Zahlen zu schreiben. Kirche ist eine Glaubensgemeinschaft, in der Gott der Leitfaden bleiben muss. Mit unseren Angeboten und Botschaften sollten wir mehr auf Menschen zugehen. Für mich persönlich muss es gar nicht immer so ruhig wie bei Nightfever sein, aber es ist wichtig, den Raum zu schaffen, in dem man seine Momente mit Gott so gestalten kann, wie man möchte.

Manegold

Die Sinus-Jugendstudie belegt, dass junge Menschen Orientierung suchen. Kirche kann hier wesentlich dazu beitragen. Bereits heute sind Angebote für junge Menschen im Erzbistum Paderborn sehr vielfältig. Nightfever, Jugendverbandsarbeit, offene Jugendarbeit und Jugendbildungsstätten sind da nur einige Beispiel. Aus meiner Sicht kommt es darauf an, dass die Angebote stärker begleitet werden. Sei es durch Ehrenamtliche, die andere Menschen zum Kommen motivieren oder durch Hauptberufliche, die die ganzen Akteure, die mit der Zielgruppe unterwegs sind, miteinander in Verbindung bringen. Manchmal arbeitet man doch nebeneinander her.
Ich finde es wichtig, dass wir junge Menschen dabei begleiten, dass sie ihr Leben in einen christlichen Bezug stellen können. Es braucht Menschen, die für junge Menschen übersetzen können, dass soziales Engagement, das ich mit einer christlichen Haltung tue, diakonisches oder evangelisierendes Handeln sein kann.

Koeper

Ich sehe, dass viele junge Menschen auf der Suche sind – aber jeder sucht ein bisschen anders und setzt unterschiedliche Schwerpunkte.

Manegold

Genau. Ob die Menschen zur Anbetung oder zu uns ans Lagerfeuer kommen, ist mir egal, so lange sie einen Ort haben, an dem sie ankommen können und ein Gemeinschaftsgefühl erleben.

Thomas Koeper. Foto: Schulte
Thomas Koeper. Foto: Schulte
Redaktion

In diesem Monat wird das Zukunftsbild des Erzbistums Paderborn fünf Jahre alt. Was sind für Sie die wichtigsten Schwerpunkte in der Entwicklung der Kirche?

Koeper

Ich finde es sehr wichtig, dass das Zukunftsbild betont, dass jeder Christ zu seinem ganz eigenen Engagement berufen ist. Beim Thema „Pastorale Orte“ denke ich persönlich weg von dem traditionellen Gemeindedenken hin zu Gruppen, bei denen jeder entscheiden kann, wo er hineinpasst.

Manegold

Für mich ist das Themenfeld der Partizipation mit Vertrauen und Verantwortung entscheidend. Das könnte noch deutlich mehr Schub bekommen. Ich wünsche mir, dass alle, die am kirchlichen Leben teilhaben, eine Form der Mitbestimmung erfahren.

Redaktion

Wo sollten noch stärker Prioritäten gesetzt werden?

Koeper

Ich glaube, dass sich Kirche gerade im Erzbistum schon viel verändert hat. In Zukunft sollten wir noch stärker das Gespräch mit den Leuten suchen, die sich vom Glauben abwenden. Gleichzeitig sollten Angebote noch stärker für die Jugend gestaltet und untereinander in einen Austausch gebracht werden: Was läuft gut? Wo sind Strukturen und Schwerpunkte? Dabei sehe ich auch eine Chance darin, dass Angebote von Theologen begleitet werden – allerdings in Gemeinschaften mit flachen Strukturen, in denen nicht nur der Priester sagt, wie es läuft.

Manegold

Die Jugend muss die Priorität sein. Gerade für Menschen, die sich zwischen Firmung und Hochzeit oder Familiengründung bewegen, gibt es wenig Angebote im Gemeindeleben – es ist aber eine entscheidende Phase, in der junge Menschen ihren Glauben ausbilden und kritische Fragen stellen. Junge Menschen entscheiden sich sehr bewusst, ob sie zur Kirche gehören und dort Zeit investieren. Hier braucht es Angebote, bei denen junge Menschen mit ihren existentiellen und kritischen Fragen ernstgenommen und begleitet werden, Raum für eigene spirituelle Ausdrucksformen finden und Kirche mündig mitgestalten können. Es muss absolute Priorität haben, diese Menschen zu erreichen. Das sollte sich dann auch in finanziellen und personellen Ressourcen niederschlagen.

Redaktion

Ist diese bewusste Entscheidung dann auch wertvoller, als wenn es früher gesellschaftlich normal war, zur Kirche zu gehen?

Manegold

Das zu beurteilen und mit früher zu vergleichen, finde ich problematisch. Sicher gab es auch damals Menschen, die einen tiefen Glauben hatten und sich bewusst in Kirche engagierten. Fest steht: Jeder, der sich heute bewusst dafür entscheidet, sich in der Kirche zu engagieren, verdient Wertschätzung.

Koeper

Ich glaube, dass unsere Generation viel stärker hinterfragt als früher und sich auch bewusster dazu entscheidet, in die Kirche zu gehen. Bei Nightfever merken wir, dass gerade Gespräche mit Priestern stark aufgesucht werden, weil die jungen Menschen dort ihre Fragen, mit denen Sie an Kirche anecken, stellen können. Ich finde wichtig, dass Kirche zukünftige Entwicklungen auch gut begründet und erklärt. Momentan ist zu wenig jungen Menschen klar, wie die Kirchenlehre theologisch begründet ist.

Redaktion

Frau Manegold, Herr Koeper, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Tobias Schulte.

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