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Pressemeldung
22
Juni
2021
Paderborn

Das historische Recht der Pfarrerwahl

Eine Besonderheit der Mitbestimmung in zwei Kirchengemeinden des Erzbistums Paderborn

Kirche lebt vom Mitmachen und Mitgestalten. So haben die Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum Paderborn am 6. und 7. November 2021 wieder die Möglichkeit, sich aktiv in den Gemeinden einzubringen. Denn dann finden die Wahlen zum Pfarrgemeinderat oder zum Gesamtpfarrgemeinderat sowie zum Kirchenvorstand statt. Es gibt jedoch zwei Kirchengemeinden im Dekanat Hagen mit einem ganz eigenen Sonderstatus: In St. Marien Hagen und St. Johannes Baptist Boele gilt das historische Recht der Pfarrerwahl.

Pfarrerwahl bedeutet, dass die Gläubigen vor Ort aus einer Vorschlagsliste des Erzbischofs mit üblicherweise drei Kandidaten wählen dürfen. „Diese Kandidaten haben sich im Vorfeld um die Stelle beworben“, erklärt Alexander Schlüter, Abteilung Kirchenrecht im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn. Sind es weniger Kandidaten erklärt sich dies in der Regel durch den allgemeinen Priestermangel. „Normalerweise hat der Erzbischof das Recht auf freie Amtsverleihung für die Pfarrstellen“, so Schlüter weiter über die Bestimmungen.

Ein Relikt des preußischen Rechts

Das historische Recht der Pfarrerwahl ist etwa seit dem 18. Jahrhundert bekannt und entstand in Hagen zu Zeiten des preußischen Rechts. Für die katholische Kirche vor Ort wurde daraus ein „Gewohnheitsrecht“. Die Besonderheit im katholischen Kirchenrecht entwickelte sich analog zum damaligen Verfahren der evangelischen Kirche, wo stets der Pfarrer durch die Gemeinde gewählt wurde.

In St. Marien wurden die Gläubigen jetzt im Mai nach rund einem Vierteljahrhundert wieder zur Wahlurne gebeten, um ihr Stimmrecht bei der Wahl des neuen Pfarrers auszuüben und den Nachfolger von Pfarrer Dr. Norbert Bathen zu bestimmen. Einziger Bewerber für die Pfarrstelle St. Marien und die Leitung des Pastoralen Raums Hagen-Mitte-West war jedoch Dirk Salzmann.

Chance der Mitbestimmung

Mitbestimmung bedeutete in diesem Fall aber nicht gleich hohe Wahlbeteiligung. Nur 42 der gut 2000 Wahlberechtigten von St. Marien Hagen beteiligten sich an dieser Wahl. „Auch wenn es bei einem Kandidaten nur eine Bestätigungswahl war, und auch die Wahlbeteiligung gering ausfiel, ist die Wahl gültig“, bestätigt Alexander Schlüter.

„Trotz der geringen Wahlbeteiligung haben wir auf jeden Fall eine gute Wahl getroffen“, hält Herbert Grawe, im vierten Jahr Vorsitzender des Gesamtpfarrgemeinderates des Pastoralen Raums, fest. Die Zahlen hätten ihn jedoch enttäuscht: „Das steht außer Frage.“ Denn es sei eine sehr demokratische Form und eine gute Chance der Mitbestimmung. Dieses historische Recht sollte auch bewahrt werden.

Allerdings kennt Herbert Grawe, der als Mitglied der Gemeinde St. Michael Hagen nur indirekt von der Entscheidung in St. Marien betroffen ist, auch Gründe für die geringe Beteiligung, die auch ein Spiegelbild der kleiner werdenden Gemeinden sei. Aufgrund der Corona-Pandemie seien viele Aktivitäten in der Gemeinde ausgefallen, um den persönlichen Kontakt zu pflegen. Außerdem läge St. Marien mitten in der Innenstadt in einem Bereich mit viel Geschäftswelten und einer hohen Fluktuation der Anwohnenden.

Ein Beitrag von:

Ronald Pfaff
Redakteur