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20
Mai
2020
20.Mai.2020

„Christi Himmelfahrt heißt: bei Gott ankommen“

Ein Glaubensgespräch mit Daniel Meiworm und Tobias Hasselmeyer in Hüsten

Genau 40 Tage nach Ostern feiern wir das Fest Christi Himmelfahrt. Wie muss man sich die Himmelfahrt von Jesus Christus vorstellen – und welche Bedeutung und Botschaft gehen damit einher? Daniel Meiworm, Leiter der Pfarrei St. Petri in Hüsten sowie Vikar Tobias Hasselmeyer, ebenfalls aus der Pfarrei St. Petri, erklären im gemeinsamen Gespräch, was es mit dem Fest auf sich hat.

Redaktion

Was feiern wir genau an Christi Himmelfahrt?

Tobias Hasselmeyer

An diesem Fest feiern wir, dass Christus in den Himmel zum Vater zurückkehrt. Das ist zumindest die Überschrift. In der Apostelgeschichte, die in der Messe vorgelesen wird, heißt es, dass Jesus Christus zurückgeht und eine Wolke ihn aufnahm. Das sind Bilder, die sehr gegenständlich sind. Aber das ist natürlich eine Metapher für etwas anderes.

Redaktion

Und was ist im übertragenen Sinn damit gemeint?

Tobias Hasselmeyer

Dahinter steckt die bildliche Darstellung, dass Christus in einem anderen Bereich ist, nicht mehr im Irdischen. Zum Vater zurückzukehren heißt, zum Göttlichen zurückzukehren, von wo Jesus Christus ja auch gekommen ist. Wir feiern an diesem Tag also, dass die Auferstehung ein Ziel hat, welches nicht im Irdischen, sondern bei Gott ist.

Redaktion

Konkret bedeutet das also?

Tobias Hasselmeyer

Für mich heißt es: Das Ziel von Auferstehung und ewigem Leben – also auch meinem Ziel als Christ, der darauf hofft, durch Christus das ewige Leben zu haben – ist das Ankommen bei Gott. Es hat etwas mit vereint sein zu tun. Himmelfahrt bedeutet bei Gott anzukommen.

Daniel Meiworm

Christi Himmelfahrt lässt sich für mich ohne Ostern und Pfingsten auch gar nicht denken: Weil es ein Teil der Auferstehung ist, es ist ein Versprechen, es ist ein Stück Zurücklassen der Jünger, die staunend da stehen und Christus unbegreiflich nachschauen. Und doch gilt alle Zeit das Versprechen: Ich bleibe bei euch.

In der Alten Kirche in Warstein, wo ich zuletzt eingesetzt war, gibt es ein Bild mit Fußspuren und darüber schwebend nur die Füße von Christus. Das soll die Himmelfahrt darstellen und hat mich die letzten Jahre immer wieder bewegt Für mich persönlich bedeutet es, dass nicht ich in die Fußspuren Christi trete. Aber trotzdem hat es damit zu tun: Wenn ich mein Vertrauen in ihn setze, lässt er mir als Christ seine Fußspuren da und das Warten auf den Heiligen Geist. Deswegen sehe ich das Fest auch im Bogen zu Ostern und Pfingsten.

Daniel Meiworm und Tobias Hasselmeyer

Daniel Meiworm (rechts) sowie Vikar Tobias Hasselmeyer aus der Pfarrei St. Petri in Hüsten haben mit uns über die Bedeutung von Christi Himmelfahrt gesprochen. Foto: Till Kupitz

Daniel Meiworm (rechts) sowie Vikar Tobias Hasselmeyer aus der Pfarrei St. Petri in Hüsten haben mit uns über die Bedeutung von Christi Himmelfahrt gesprochen. Fotos: Till Kupitz

Redaktion

Das hört sich alles sehr theologisch an. Welche Botschaft verbirgt sich für uns Menschen in dem Fest?

Daniel Meiworm

Jesus Christus hat uns ein Versprechen gegeben: Ich sende euch einen Beistand, der Heilige Geist lässt euch nicht alleine. Und ich gehe dorthin, wo der Vater ist, um euch einen Platz vorzubereiten. Wie auch immer das aussehen mag.

Redaktion

Wie stellen Sie sich das denn vor?

Daniel Meiworm

Unser Glaube lebt von Metaphorik. Und dieses Bild des Himmels hilft mir. Ob das aber so sein wird, weiß ich nicht. Daran zu glauben, mag manchmal naiv klingen. Aber es hilft.

Tobias Hasselmeyer

Viele Menschen denken ja daran, im Himmel werde ich meine Angehörigen wiedersehen. Ich glaube, diese Vorstellung kann auch zu riskant sein. Das Wiedersehen drückt eine Sehnsucht danach aus, wieder die Nähe des Anderen zu erfahren. Ich glaube schon daran, dass das, was ich hier Leben als Verlust und Schmerz spüre, dann geheilt wird. Ich brauche meine Angehörigen nach dem Tod aber gar nicht genauso wiederzusehen wie hier auf der Erde. Sondern ich werde die Gegenwart aller Lebenden spüren und erfahren.

Redaktion

40 Tage hat es von der Auferstehung bis zur Himmelfahrt gedauert. Warum so lange?

Daniel Meiworm

Es kann auch gut sein, dass beides gleichzeitig passierte. Aber diese 40 Tage sind in der Zahlensymbolik natürlich eine große Zahl.

Tobias Hasselmeyer

Vielleicht war diese Zeit der 40 Tage nötig, um denen, die die Hoffnung weitertragen sollten – die Jünger, die Frauen am Grab, alle, die die Auferstehung erlebt haben – dieses Ereignis klar zu machen. Dann kommt die Himmelfahrt und zeigt: Da liegt das Ziel der Auferstehung.

"Wir feiern an diesem Tag, dass die Auferstehung ein Ziel hat, welches nicht im Irdischen, sondern bei Gott ist."

 – Vikar Tobias Hasselmeyer

Redaktion

Wo besteht eigentlich der Unterschied zwischen der Auferstehung und der Auffahrt in den Himmel?

Tobias Hasselmeyer

Der Unterschied liegt darin, dass die Auferstehung uns zeigt: „Ja, es gibt eine Zukunft nach dem Tod.“ Christi Himmelfahrt schreibt diesen Satz quasi weiter: „Und die liegt nicht in dieser Zeit und Welt, sondern jenseits dessen. In der Ewigkeit, bei Gott, im Himmel.“ Die Himmelfahrt ist im Grunde genommen eine Konkretion der Auferstehung.

Daniel Meiworm

Ich würde es so definieren: Wenn wir von der Auferstehung und von Ostern ausgehen, dann ist Christ Himmelfahrt nach den 40 Tagen der Doppelpunkt im Satz. Nach dem Geschehen und den Versuchen, Jesus zu erkennen und zu begreifen: Da ist Christi Himmelfahrt das Zeichen, dass es weiter geht und die Geschichte für uns noch nicht zu Ende geschrieben ist.

Redaktion

Wie begehen Sie das Fest dieses Jahr? Kann man in dieser Zeit von Corona Christi Himmelfahrt überhaupt gebührend feiern?

Tobias Hasselmeyer

Viele Musiker oder Komponisten stellen die Himmelfahrt immer so dar, als sei Christus mit Pauken und Trompeten in den Himmel aufgefahren. Ich glaube nicht, dass es so war. Deswegen ist es vielleicht sogar stimmig, wenn wir Christi Himmelfahrt in diesem Jahr gezwungenermaßen stiller und dezenter feiern müssen.

Redaktion

Auch der Vatertag wird an diesem Tag gefeiert. Passt das überhaupt zusammen?

Tobias Hasselmeyer

Das eine ist ein kirchliches Fest, das andere als gesellschaftliches Fest dazu gekommen. Das muss man getrennt voneinander sehen. Wer Christi Himmelfahrt feiern will, der tut das so oder so.

Redaktion

Welche Rolle spielt die Vaterfigur denn in der Bibel?

Tobias Hasselmeyer

Im Evangelium bekommt die Vaterrolle viel Prägnanz dadurch, dass Jesus von Gott immer von Vater spricht und ihn auch so anspricht. Er versucht, den Jüngern nahe zu bringen, welche Beziehung man zu Gott haben kann. Durch die Rückkehr zu seinem Vater werden eine unheimliche Nähe und etwas Zusammengehörendes deutlich. Vater und Sohn sein – da geht es um Leben weitergeben.

Redaktion

Nachdem Jesus auferstanden ist, begegnete er den Jüngern, die natürlich zweifelten…

Daniel Meiworm

Das gehört zum Leben einfach dazu. Wenn ich überlege, was mein Leben ohne Zweifel, Ängste oder Nöte gewesen wäre. Diese Zweifel haben mich immer auch wieder geerdet. Ich wünsche jedem Zweifel, Fragen zu stellen, nach dem Leben und was es ausmacht. Ich fühle mich deshalb wohl in der Gemeinschaft der Jünger, die erst Zweifel haben.

Redaktion

Abschließend noch eine Frage: Sie sprachen eben von stillem und dezentem Feiern des Tages. Was würden Sie empfehlen, was man tun kann, um dieses Fest zu begehen oder zu feiern, sich mit der Botschaft vertraut zu machen?

Tobias Hasselmeyer

Der Gottesdienst sollte in irgendeiner Form schon vorkommen. Entweder man geht in einen der gemeinschaftlichen Gottesdienste in der Kirche oder nutzt eines der Angebote im Internet, per Radio oder Fernsehen. Ich persönlich brauche das. Und es tut auch gut, etwas zu tun, bei dem das Grenzenlose und Lebendige, das die Bibeltexte des Gottesdienstes erzählen, für mich spürbar wird: zum Beispiel ein Spaziergang im Sonnenschein, bei dem mir eine frische Brise um die Nase weht und ich so richtig durchatmen kann. Und feiern muss man immer auch schmecken, vielleicht mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag oder indem man abends mit einem Gläschen aufs Leben anstößt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ein Beitrag von:

Till Kupitz
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