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20
August
2020
20.August.2020

Auf den Spuren von Rubens in Siegen

Der berühmte Barockmaler wurde im Erzbistum Paderborn geboren

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wetteiferten die Städte Antwerpen, Köln und Siegen darum, welche von ihnen Rubens’ Geburtsstadt ist. Ein niederländischer Archivar konnte 1861 die Wahrheit ans Licht bringen und belegen: Peter Paul Rubens wurde am 28. Juni 1577 in Siegen geboren. So wurde er zum bekanntesten Sohn der Stadt. Fragt man, welche Bedeutung Rubens für Siegen heute hat, fallen die Antworten sehr unterschiedlich aus.

Laut Bürgermeister Steffen Mues empfindet Siegen Stolz, dass der berühmteste Barockmaler hier geboren ist – sogar auf Rubens-Texttafeln im Louvre sei Siegen mittlerweile als Geburtsort genannt – und ebenso Verpflichtung, ihm im Stadtleben Raum zu geben. Darin könnte Siegen sich stärker profilieren, sagt Mues selbstkritisch. Rubens müsse auf jeden Fall mehr sein als ein Werbefaktor für das Stadtmarketing.

Andererseits hebt Mues Rubens’ Bedeutung für Touristen hervor: Nicht wenige kämen deshalb in die Stadt. Aber sie wollten nicht nur das Obere Schloss und seine Gemälde sehen, sondern auch das Museum für Gegenwartskunst: Durch den Rubens-Preis, durch das Engagement der Peter-Paul-Rubens-Stiftung, durch die ausgezeichneten Künstler und ihre bemerkenswerten Werke, die dort zu sehen sind, gehört das Museum zu den wichtigen europäischen Zentren zeitgenössischer Malerei.

Bürgermeister Steffen Mues
Steffen Mues, Siegener Bürgermeister, vor einer Stadtansicht von Hermann Manskopf aus den siebziger Jahren. Foto: Sibylle Dietermann
Dechant Karl-Hans Köhle
Karl-Hans Köhle, Dechant des Dekanats Siegen, mit dem Katalog der aktuellen Rubens-Ausstellung. Foto: Sibylle Dietermann

Wenig Spuren von Rubens in den katholischen Kirchen

Karl-Hans Köhle, Dechant des Dekanats Siegen im Erzbistum Paderborn, sieht die Bedeutung von Rubens für Siegen ähnlich, doch in der katholischen Kirche, in den katholischen Gemeinden spiele er – leider – keine Rolle. Die Innengestaltung von Kirchen hatte für Rubens eine hohe Bedeutung, er hat besonders für die Jesuiten viel gearbeitet. Sie kamen im 17. Jahrhundert nach Siegen – die Marienkirche war zuerst eine Jesuitenkirche. Aber es hängen weder in ihr noch in anderen katholischen Gotteshäusern Werke von Rubens. Anders im Paderborner Dom: Dieser enthält zwar nicht von Rubens selbst, aber von seinen Schülern Antonius und Ludovicus Willemssens prachtvolle Kunstwerke. Köhle wurde wie viele Mitbrüder im Paderborner Dom zum Priester geweiht. Insofern bildet die Rubens-Schule den Rahmen für ein wichtiges Ereignis im Leben jedes Siegener Priesters.

Gleichzeitig betont Köhle Rubens’ Vielseitigkeit, seine Begabung besonders für die lebensnahe Darstellung der menschlichen Haut – in seinen Gemälden gehe der Glaube unter die Haut!
Anders die Einschätzung von Dr. Ursula Blanchebarbe, Museumsleiterin des Siegerland-Museums. Aus ihrem Blickwinkel ist Rubens in den letzten Jahren präsenter geworden. So fand zum Beispiel im September 2019 in Siegen eine internationale Tagung über Rubens’ Kreuzabnahme statt – das Bild ist eine Leihgabe des Kunsthauses Lempertz. Bei dieser Konferenz waren auch Autoritäten der Rubens-Forschung dabei wie Arnout Balis, Vorsitzender des Centrum Rubenianum Antwerpen. Die präsente Fachöffentlichkeit werde zu Multiplikatoren für die Allgemeinheit.

Andenken an Rubens in Siegen

Plakat
Das Plakat zur aktuellen Ausstellung „P. P. Rubens: Eine Reise durch Europa“ im Siegerland-Museum. Foto: Sibylle Dietermann
Gedenktafel
Gedenktafel für Rubens’ Geburtshaus, das so genannte Brambachische Haus, vor der heute dort befindlichen Realschule am Oberen Schloss. Foto: Sibylle Dietermann
Archiv-Aufnahme
Wilhelm Scheiner, Blick vom Nikolai- Kirchturm zum Oberen Schloss, rechts in der Bildmitte das Brambachische Haus, Rubens Geburtshaus, Aufnahme von 1912. Foto: Stadtarchiv Siegen, Bestand 704, Fo 298
Rubensbrunnen
Der Rubensbrunnen im Park des Oberen Schlosses (Hermann Kuhmichel 1935) symbolisiert den langjährigen Streit der Städte Antwerpen, Köln und Siegen darüber, in welcher der Städte Rubens geboren wurde. Foto: Sibylle Dietermann

Rubens Bilder brachten den Menschen den Glauben näher

Das Siegerland-Museum zeigt derzeit die Ausstellung „P. P. Rubens: Eine Reise durch Europa“ aus eigenen Beständen, bei der auch Grafiken, Stiche und Holzschnitte von ihm gezeigt werden. Während bei den Gemälden unklar ist, wie viel Rubens noch selbst gemalt hat, war er an den kleineren Werken intensiver beteiligt. Hier entdecke man auch Unbekanntes: So gestaltete Rubens Buchtitel für der Verleger Balthasar Moretus, einen Schulfreund – auch solche sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

Für Dechant Köhle hat Rubens durch sein künstlerisches Schaffen die Frömmigkeit ‚ins Bild gesetzt’, bunt und plastisch. Das brachte den Glauben den einfachen Menschen näher als der eher strenge Malstil, der vorher herrschte. In unserer heutigen multikulturellen Gesellschaft sei es besonders wichtig, im künstlerischen Bezug zum Glauben die gegenseitige Bereicherung auszudrücken – das könne auch durch Ausstellungen wie die in Paderborn geschehen.

Rubens Geburtshaus wieder aufbauen?

Bürgermeister Mues fasziniert Rubens als Gesamtperson. Nicht nur der Künstler, sondern der Kaufmann, der seine schöpferische Begabung mit Geschäftstüchtigkeit paarte, und der Diplomat, der aus seinen Kontakten und seinem Ansehen an den europäischen Höfen die Rolle eines Beraters, Botschafters, ja Vermittlers zum Beispiel zwischen Spanien und England entwickelte – und das im 16. Jahrhundert und trotz seiner bürgerlichen Herkunft.

Mues’ Vorstellungen von mehr Raum für Rubens in Siegen gipfeln in der Idee, Rubens’ Geburtshaus wieder aufzubauen: Es existieren Fotos vom Anfang des 20. Jahrhunderts, Karten, die die 1990 lokalisierte Lage zeigen, und Mues hat schon vor drei Jahren einen Vorgang darüber eingerichtet. Der Traum ist noch nicht ad acta gelegt!

Ein Beitrag von:

Sibylle Dietermann
freie Journalistin
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