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22
Februar
2021
22.Februar.2021

An der Supermarkt-Kasse oder im Aufzug – Rassismus im Alltag

Online-Veranstaltung zum Internationalen Tag gegen Diskriminierung

Der rassistische Anschlag in Hanau, bei dem neun Menschen ums Leben kamen, hat sich am Freitag zum ersten Mal gejährt. Er hat wieder einmal gezeigt, dass Rassismus in Deutschland weiterhin ein Problem darstellt. Und die Anfänge rassistischen Verhaltens sind viel tiefer in unserem Alltag verankert als uns bewusst ist. „Wir müssen anfangen über Rassismus zu reden und nicht erst, wenn es um Leben und Tod geht“, ist sich Dr. Keith Hamaimbo gewiss. „Wir müssen unser Verhalten im ganz normalen Alltag viel kritischer reflektieren und den Mut haben uns auch selbst zu hinterfragen.“

„Ich gehe immer leise – Ein Film über Alltagsrassismus“

Aus diesem Grund hat der in Sambia geborene, studierte Theologe den Dokumentarfilm „Ich gehe immer leise – Ein Film über Alltagsrassismus“ gedreht, in dem Menschen von Situationen erzählen, in denen sie rassistische Erfahrungen gemacht haben. Sie wollen dabei kein Mitleid erzeugen, sondern verdeutlichen, wie unbewusst und oftmals auch unabsichtlich Rassismus Teil unseres Alltags ist.

Am kommenden Montag, 1. März, um 19 Uhr findet aus Anlass des Internationalen Tages gegen Diskriminierung eine Online-Veranstaltung mit Dr. Keith Hamaimbo zu seinem Dokumentarfilm statt. Auf der Grundlage des Films lernen die Teilnehmenden Merkmale von Alltagsrassismus kennen und diskutieren diese. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der KEFB Paderborn, Pax Christi und der missio Diözesanstelle statt.

3 Fragen an Dr. Keith Hamaimbo

Redaktion

Herr Hamaimbo, können Sie uns kurz erläutern wo der Unterschied zwischen Diskriminierung und Rassismus liegt?

Dr. Keith Hamaimbo

Diskriminierung bezeichnet den Oberbegriff für eine Benachteiligung von Menschen aufgrund eines bestimmten Merkmals. Dieses kann ganz vielfältig sein – die Größe, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die Haarfarbe, das Einkommen, der Beruf und noch zahlreiche mehr.

Rassismus hingegen ist eine besondere Art der Diskriminierung. Wer sich rassistisch verhält diskriminiert Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Volksgruppe und Hautfarbe. Sie stufen die Menschen als weniger wert oder weniger gut ein.

Redaktion

Auch wenn viele Menschen schon sensibilisiert sind, tauchen im Alltag immer noch rassistische Verhaltensweisen auf. Oftmals sind diese gar nicht beabsichtigt und unbewusst. Was sind die Merkmale von Alltags-Rassismus?

Dr. Hamaimbo

Rassismus ist nicht immer von der Absicht her zu definieren, sondern von der Wirkung wie es beim Betroffenen ankommt. Ich muss nicht offensiv beleidigt oder angegriffen werden. Es sind die kleinen Situationen im Alltag, in denen ich das Gefühl habe anders zu sein, anders behandelt zu werden. Situationen, in denen sich Personen plötzlich nicht mehr so frei verhalten wie zuvor.

Eine ganz typische Situation ist zum Beispiel, wenn ich im Supermarkt einkaufe und an der Kasse mit EC-Karte bezahlen möchte. Hat die Kassiererin alle anderen Kunden, die zuvor mit Karte bezahlt haben, keines weiteren Blickes gewürdigt, so schaut sie sich meine EC-Karte besonders genau an. Ich merke deutlich, wie sie prüft, ob die Unterschrift identisch ist und ob die Unterschrift zum Namen passt. So vermittelt sie mir unterschwellig, dass sie Zweifel an der Richtigkeit der Daten hat, ich spüre deutlich, wie sie mir misstraut.

Ähnlich fühle ich mich, wenn ich in einen Aufzug steige und Personen, die bereits im Aufzug sind, ihre Handtaschen enger an sich ziehen. Oder wenn ich einen Raum betrete und Gespräche verstummen. Alltags-Rassismus passiert dort, wo die Menschen, die den Rassismus erfahren, sich nicht mehr wohlfühlen und dabei ist es ganz egal, ob das Verhalten bewusst oder unbewusst geschieht.

Dr. Keith Hamaimbo
Redaktion

Wie würden Sie sich wünschen, dass sich andere Menschen verhalten, de Zeuge einer solchen Situation werden?

Dr. Hamaimbo

Ich würde mir in solchen Situationen mutige Menschen wünschen, die sich für die entsprechende Person einsetzen. Menschen, die nicht zögern zu sagen, dass das Verhalten gerade nicht korrekt war. Menschen, die die diskriminierende Person dazu auffordern, sich zu hinterfragen, ob sie sich jeder anderen Person gegenüber auch so verhalten hätte.

Ich würde mir wünschen, dass Menschen, die Zeuge von Alltags-Rassismus werden, auf die Ungerechtigkeit hinweisen und sie laut aussprechen. Wir brauchen Verbündete, sodass Rassismus im Alltag keinen Platz mehr findet.

Ein Beitrag von:

Lena Jordan
Redakteurin