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30
April
2020
30.April.2020

Als Fahrrad-Pilger auf der Kloster-Garten-Route

Die ca. 315 Kilometer lange Radtour im Kreis Höxter bietet Nahrung für die Seele

Natur + Kultur = ein Erlebnis pur. Mit dieser Gleichung lässt sich die Kloster-Garten-Route im Kreis Höxter gut beschreiben. Es geht durchs Eggegebirge, den Teutoburger Wald, vorbei an der Weser, hin zu Klöstern mit alten und neuen Klostergärten. Weite Landschaften und faszinierende Sehenswürdigkeiten wechseln sich ab – und machen die Radstrecke zu einer Besonderheit, bei der man die Seele baumeln lassen kann.

315 Kilometer ist die Kloster-Garten-Route lang, die seit 2012 besteht und ihren Start- und Endpunkt an der Abtei Marienmünster hat. Wer sich Zeit nimmt, kann die Rundstrecke innerhalb einiger Tage abfahren. Cafés, Hotels, Gasthäuser, Pensionen, Ferienwohnungen oder Zeltplätze machen Übernachtung und Verpflegung leicht – in normalen Zeiten zumindest. Doch auch das Coronavirus kann es nicht verhindern, einen Teil der Strecke als Tagesausflug zu absolvieren.

Abtei Marienmünster ist Start- und Endpunkt

Auf den Sattel steigen und einfach losfahren. Raus aus dem Haus, weg von all den Corona-Nachrichten. Das tut gut, macht irgendwie frei. Der Alltag hat für die nächsten Stunden Pause. Los geht’s in Hardehausen, an der einstigen Klosteranlage. Alleine diese Orte, denen man auf der Route begegnet – unzählige aktive oder ehemalige Klöster – geben dem Ganzen einen besonderen, spirituellen Impuls. „Himmlische Gärten“ und alte Gemäuer, die schon vor hunderten von Jahren ein Mittelpunkt des Lebens waren: Jedes davon eine Sehenswürdigkeit für sich.

Die gesamte Kloster-Garten-Route im Überblick. (TeutoNavigator)
Die gesamte Kloster-Garten-Route im Überblick. (TeutoNavigator)

Innehalten an 42 Bibel-Pfählen

Ein kleiner Jakobsweg wird aus der Kloster-Garten-Route aber erst durch die insgesamt 42 Bibel-Pfähle, die einem auf der Strecke immer und immer wieder begegnen, auch in Hardehausen. Vier Meter hoch, aus Lärchenholz und mit einem Bibelvers versehen bilden sie Ankerpunkte auf den Wegen von einem Klostergarten zum nächsten. An 28 Pfählen ist ein Stempel mit einem Buchstaben angebracht, der auf einem Pilgerpass abgestempelt werden kann und am Ende ein Lösungswort ergibt. Die Idee dazu entstand vor etwa zwei Jahren, als die Kloster-Garten-Route um 100 Kilometer erweitert wurde, erklärt Gisela Fritsche vom Dekanat Höxter.

In Zusammenarbeit mit LEADER, einem Programm der EU, das Innovatives im ländlichen Raum fördern soll, sollte etwas geschaffen werden, dass die vielen Radfahrer auch auf der Strecke begleitet. „Es gab ja mit den Friedensmahnern bereits solche Pfähle, auch in Hardehausen. Die hatten wir im Kopf und dachten, so etwas könnte man nochmal in ähnlicher Form aufgreifen“, beschreibt Gisela Fritsche.

Route um 100 Kilometer erweitert

Die Resonanz auf das Projekt war riesig: 42 Gemeinden aus dem Kreis Höxter, sowohl katholische als auch evangelische, wollten mitmachen, darunter auch vier hessische Gemeinden. Die Idee sei immer weiter gesponnen worden, auch Tischler und andere Handwerker machten mit. Jede Gemeinde wählte dann letztlich einen Bibelvers für ihren Pfahl aus, sagt Gisela Fritsche: „Da gab es ganz unterschiedliche Veranstaltungen in den einzelnen Gemeinden: Mal haben sich Firmbewerber damit beschäftigt, mal der Pfarrgemeinderat oder der Bibelkreis.“

Im Oktober 2019 hatten Ehrenamtliche an drei Samstage in drei Werkstätten die einzelnen Pfähle zusammengezimmert und in die Gemeinden gebracht. Die Kosten von 80.000 Euro bezahlte LEADER zu 65 Prozent, der andere Teil (28.000 Euro) erfolgte als Zuschuss vom Erzbistums Paderborn aus dem Innovationsfonds „Neue Projekte zur Umsetzung des Zukunftsbildes“.

Die Bibelpfähle wurden von Gemeinden aus dem Umkreis gezimmert.
Ein Bibelpfahl entlang der Route.
Ein Bibelpfahl entlang der Route.

Unterwegs die Seele baumeln lassen

„Es werde Licht“ steht auf dem Pfahl, der auf dem Schöpfungspfad am Jugendhaus Hardehausen steht. Niemand muss sich damit auseinandersetzen, die Pfähle sind als unaufdringliche Begleiter auf der Kloster-Garten-Route gedacht. Doch es sind Orte, um innezuhalten – und gerade angesichts der Corona-Pandemie tut das richtig gut. Licht beutet Leben. Wie schön eben dieses Leben ist, zeigt sich auf dem Rad durch Wälder und an Wiesen vorbei. Viele Familien sind unterwegs, schauen sich zum Beispiel das Wisentgehege in Hardehausen an.

Schon mit ein paar Rad-Kilometern kann man die Seele baumeln lassen. Ein Fuchs jagt Mäuse auf einer Wiese, ein Greifvogel gleitet durch die Luft, die Wälder sind grün und Blumen sprießen überall aus dem Boden; die Natur blüht förmlich auf. Rapsfelder leuchten gelb am Wegesrand und Bauern mähen das erste Gras. Schweigend auf dem Rad zu sitzen und all diese Eindrücke wahrzunehmen, auf sich wirken zu lassen – ein fantastisches Gefühl, das man in Corona-Zeiten beim Daheimbleiben schnell verlieren kann.

Ladestationen für E-Bikes

Es geht über Asphalt und Feldwege, hin und wieder wartet auch ein kleiner Anstieg auf die Radfahr-Pilger. Doch ob als „normaler“ Radfahrer oder mit dem E-Bike (für die es unterwegs sogar Ladestationen gibt): Die Strecke ist sehr angenehm zu fahren. Und dank der Bibel-Pfähle, die auf der Strecke ohnehin immer wieder zum Anhalten einladen, ist auch das Pausemachen ein tolles Gegenstück zum Pedalentreten. Sehenswürdigkeiten wie der Weser-Skywalk bei Beverungen, das UNESCO Welterbe Corvey, eine alte Benediktinerabtei, oder die Besichtigung der Klostergärten machen ohnehin jede Kraftanstrengung lohnenswert.

Die Route führt am Wisentgehege in Hardehausen vorbei. (Fotos: Till Kupitz)

Ein ganz besonderes Gefühl

Der Weg von Hardehausen aus führt nach Scherfede, Rimbeck, Wethen und Germete über den Diemel-Radweg in Richtung Warburg. Zur Orientierung sind an der Strecke immer wieder Schilder mit dem Logo der Kloster-Garten-Route angebracht. Auch das hat etwas Entschleunigendes: das Smartphone mal für ein paar Stunden guten Gewissens in den Rucksack packen zu können und sich – ganz „old school“ – nicht per App oder Navigationssystem zu orientieren, sondern einfach nur den Schildern zu folgen. Nicht alle paar Minuten seine Nachrichten zu checken oder massig Push-Mitteilungen zu erhalten.

Die Radtour ist in dieser Hinsicht wie eine kleine Flucht aus alltäglichen Gewohnheiten. Man kann die Augen und Ohren mehr für das Hier und Jetzt öffnen und das Erlebnis als eben solches genießen. Zurück zu den Wurzeln sozusagen.

Die Welt im Lot

Menschen kommen einem entgegen, ob mit Hund, beim Joggen oder selbst auf dem Rad. Es wird freundlich gegrüßt, und irgendwie entsteht während der Tour mehr und mehr das Gefühl: Hier, auf der Kloster-Garten-Route, zwischen neuer und alter Geschichte, zwischen Bibel-Pfählen und dem Erbe der Ordensgemeinschaften, ist die Welt im Lot. Komme, was wolle. Einen Teil der Route abzufahren, ist schön. Alles zu sehen, sicherlich noch schöner. Denn hier gilt: Natur + Kultur = ein Erlebnis pur.

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