Trauer um Prof. DDr. Heribert Mühlen

Paderborn, 29. Mai 2006. Am Abend des Hochfestes Christi Himmelfahrt verstarb Professor emer. Dr. theol. habil., Dr. phil. Heribert Mühlen. Der Verstorbene war von 1962 bis 1997 Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Paderborner Theologischen Fakultät.
Mühlen wurde am 27. April 1927 in Mönchengladbach geboren und empfing nach Studien in Bonn und Freiburg i.Br. am 5. März 1955 in Aachen die Priesterweihe. Nach weiteren Studien in Rom, Innsbruck, Münster und München übertrug Erzbischof Lorenz Jaeger ihm zum 1. Juni 1962 die Stelle eines Wissenschaftlichen Assistenten des Paderborner Ordinarius Prof. Dr. Johannes Brinktrine und berief ihn zum 1. April 1964 als dessen Nachfolger. Als Professor der Dogmatik und Dogmengeschichte lehrte der Verstorbene an der Paderborner Hochschule bis zu seiner Emeritierung am 30. September 1997.
Seinen wissenschaftlichen Weltruf begründeten bereits in den sechziger Jahren epochemachende Werke über den Heiligen Geist und die Kirche. 1964 berief ihn Papst Paul VI. zum Konzilstheologen. Die dort zu verspürende geistliche Aufbruchsstimmung prägte Mühlen nachhaltig. Eher verborgen, aber nicht minder befruchtend, wirkte der seiner Theologie zugrunde liegende Ansatz einer „Wir-Philosophie“. Diese betont das Recht des Einzelnen und seiner Freiheit, denkt sie aber stets durch seine Mitwelt vermittelt und sieht das Ich nur im - in Freiheit bejahten - Wir zum Ziel personalen Lebens kommen.
Den in der Bibel bezeugten Bundesgedanken setzte Mühlen auch in die Gemeindepraxis um, in einen geistlichen Reformimpuls: Wo ein Christ sich persönlich Gott anvertraut, aus dem Bund mit ihm lebt, entwickelt sich in ihm eine geistliche Dynamik, die sowohl spirituell formt, wie zum Engagement in Kirche und Gesellschaft drängt. In unzähligen Glaubensseminaren und Gottesdiensten hat Mühlen Menschen zu einer Aufnahme des Bundes mit Gott hingeführt. Unermüdlich reiste der Dogmatiker durch die deutschen und europäischen Lande, um suchenden Menschen als Katalysator für die leibhaftig erfahrene und tief-echte erneuerte Gemeinschaft mit Gott zu dienen, Kirche von innen lebendig werden zu lassen: direkt, persönlich und leibhaftig.
Mühlens großes Anliegen wurde es, dass Theologie nicht im akademischen Lehrgebäude eingesperrt bleibt, sondern in die Pastoral hinein eine dynamische Kraft entwickelt, zu einer neuen gläubigen Praxis führt. Ihre Mitte ist nach Mühlen „eine bundesgemäße Verpersönlichung der Beziehung zu Gott“. Diese geschieht in Freiheit, denn nicht moralische Appelle und Forderungen stehen im Mittelpunkt kirchlichen Handelns, sondern ihr Auftrag ist es, die Sehnsucht der Menschen nach Gott wach zu halten. Aus Mühlens Anstoß erwuchsen die Reform- und Segnungsgottesdienste, 1994 erstmals im Paderborner Dom gefeiert, 1995 und 2000 wiederholt, auch in den Diözesen Osnabrück, Münster und Salzburg aufgegriffen, gehört diese Liturgie der Neuevangelisierung in den Regionen und Dekanaten des Erzbistums Paderborn ebenso wie auf Katholiken- und Kirchentagen zum festen Bestandteil des pastoralen Programms.
In seinem Werk „Kirche wächst von innen“ hat Mühlen seinen theologisch-pastoralen Weg reflektiert. Die Kirche könne nicht mehr auf gesellschaftliche religiöse Sozialisationsprozesse bauen, sondern müsse die Einzelnen persönlich ansprechen und zum Bund mit Gott hinführen.
Das Requiem für Professor Mühlen wird am Donnerstag, 1. Juni um 10 Uhr in der Pfarrkirche St. Maria zu Höhe (Am Rippinger Weg 3a, Paderborn) gefeiert. Die Beisetzung findet um 11.30 Uhr auf dem Ostfriedhof statt.