Weinheim (KNA) Fachleute raten Eltern nach einer ADHS-Diagnose bei Tochter oder Sohn zur Teamarbeit. "Es ist schwierig, Kindern diese Diagnose so zu erklären, dass sie sie nicht als Schild nutzen. Nach dem Motto: Ich kann nicht anders, ich habe halt ADHS", sagte der Psychologe Stephan Kolbe bei ...
Weinheim (KNA) Fachleute raten Eltern nach einer ADHS-Diagnose bei Tochter oder Sohn zur Teamarbeit. "Es ist schwierig, Kindern diese Diagnose so zu erklären, dass sie sie nicht als Schild nutzen. Nach dem Motto: Ich kann nicht anders, ich habe halt ADHS", sagte der Psychologe Stephan Kolbe bei einer Veranstaltung der Zeitschrift "Psychologie Heute" am Mittwochabend. Verstehen sollte das Kind aber, dass es das, was ihm etwa in der Schule widerfahre, nur begrenzt steuern könne - und dass man gemeinsam lernen wolle, besser zu steuern.
Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen gehören zu den am häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen im Kindesalter. Sie treten situationsabhängig auf und sind vor allem durch Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität gekennzeichnet.
Kolbe verglich die Konzentrationsfähigkeit bei der neurobiologischen Entwicklungsstörung mit einem Stück Seife, das man festhalten wolle, das aber immer wieder wegrutsche. Die Kindertherapeutin Mila Ould Yahoui betonte, man könne Kindern erklären, dass ihre Schwierigkeiten typisch für Personen mit ADHS seien: "Kein Kind der Welt hat Lust darauf, ständig Ärger zu kriegen."
Kinder mit ADHS bekämen Schwingungen oft stärker mit als andere, fügte Ould hinzu. Grundsätzlich seien Betroffene meist spontan, schnell und auch in Stresssituationen klar und konsequent. Aber: "Was mit Regelmäßigkeit und starren Abläufen zu tun hat, klappt nicht so gut." Daher sei die Einschulung häufig ein "harter Moment", in dem Störungen auffielen. So ließen sich Jungen und Mädchen mit ADHS für Dinge, die sie nicht interessierten, nur schwer begeistern.
Schon kleine Maßnahmen könnten ihnen helfen, sagte Kolbe - etwa ein Sitzplatz in der Nähe der Lehrkraft. Oft würden diese Schülerinnen und Schüler jedoch neben stillere Kinder gesetzt, was für beide Seiten "nicht prickelnd" sei. Auch bei einer neuen Sitzordnung bräuchten Kinder mit ADHS mehr Zeit, um sich neu zu orientieren.
Sinnvoll sei zudem, einzelne Fächer mit Farben zu verbinden. "Mathe, das heißt dann: das blaue Heft, dieses Buch, ein Stift", so Kolbe. Diese Arbeitsmittel könne man in der Grundschule zu Beginn der Stunde hochhalten, um ADHS-Betroffene zu unterstützen. Hilfreich ist nach Worten Oulds darüber hinaus jede Form von Bewegung, für manche Kinder auch ein Schulgarten, eine Streitschlichter-AG oder ein Debattierclub.