Abbé Franz Stock: Ein leuchtendes Vorbild des Glaubens

Erzbischof Becker eröffnet Seligsprechungsverfahren für Abbé Franz Stock

Mit einem Pontifikalamt und der Vereidigung der Mitglieder der kirchenrechtlichen Untersuchungskommission eröffnete Erzbischof Hans-Josef Becker das Seligsprechungsverfahren für den aus dem Erzbistum Paderborn stammenden Abbé Franz Stock. Arnsberg / Paderborn, 14. November 2009. „Unermüdlich und unerschrocken, tapfer und geduldig folgte Franz Stock seiner Berufung in die Nachfolge des Menschensohnes Jesus Christus. Als treuer Zeuge dessen, der gekommen war, die Menschen aller Völker und Nationen, aller Rassen und Sprachen zu Gott zu führen, hat sich Abbé Franz Stock als Arzt der Seelen, als „Seel-Sorger“ im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Rücksicht auf seine eigenen Bedürfnisse und Kräfte buchstäblich aufgeopfert.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens für den aus dem Erzbistum Paderborn stammenden Priester Franz Stock (1904-1948) am Samstag in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Arnsberg-Neheim in seiner Predigt. Nach dem Pontifikalamt mit zahlreichen Gläubigen und ehemaligen Weggefährten von Franz Stock wurden die Mitglieder der „Kommission für die Durchführung des kanonischen Informativprozesses“, die ein kirchenrechtliches Untersuchungsverfahren für eine mögliche Seligsprechung des 1904 in Neheim geborenen Abbé Franz Stock durchführen, vereidigt.

Mitten im Zweiten Weltkrieg habe Franz Stock im von Deutschen besetzten Paris eine „Kirche in Angst und Not“ betreut, erinnerte Erzbischof Becker im Pontifikalamt. Als Standortpfarrer im Nebenamt habe er seine intensive, aufreibende Tätigkeit in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen begonnen, wo er über vier Jahre lang die Häftlinge betreut, die Angehörigen getröstet und die zum Tode Verurteilten auf ihrem letzten Weg begleitet habe. „Seine Menschlichkeit und sein Zugehen auf andere, ohne Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse und Kräfte und oft mit hoher Risikobereitschaft wurden allseits geschätzt.“ Deshalb bezeichneten Franzosen Abbé Stock zurecht voller Hochachtung als „Seelsorger der Hölle“ oder „Erzengel in der Hölle“.

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte das Pontifikalamt zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahren für Abbé Franz Stock in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Neheim, in der Franz Stock getauft wurde und seine Primiz feierte. V.r.n.l.: Pfarrer Stephan Jung, Erzbischof Hans-Josef Becker, Generalvikar Alfons Hardt, Dompropst Dr. Wilhelm Hentze, Vizeoffizial Pater Professor Dr. Heinz-Meinolf Stamm OFM, Vizeoffizial Professor Dr. Rüdiger Althaus, Geistlicher Rat Pfarrer i. R. Franz Schnütgen. Mit tiefem Gottvertrauen habe Franz Stock seine ihn mitunter quälende Berufung als Priester Jesu Christi gelebt und sei damit zu einem lichtvollen Symbol der Hoffnung und des Trostes für Hunderte von Todgeweihten und deren Angehörigen in den dunkelsten Stunden ihres Lebens geworden, sagte Erzbischof Becker. Das sei ein bewegendes Lebens- und Glaubenszeugnis, das für sich spreche und sich aus der Überzeugung speise: „Gott wird den Menschen, er wird seiner Schöpfung treu bleiben, selbst wenn die Feinde des Lebens am Werk sind und das irdische Leben Unschuldiger vernichten“. Der Gedanke von der treuen und verlässlichen Gegenwart des Herrn zu allen Zeiten und an allen Orten werde für Franz Stock in seinen dunklen und einsamen Stunden sicherlich mehr als einmal Quelle des Trostes und der Zuversicht gewesen sein, vermutete der Paderborner Erzbischof. „So konnte er den Weg der Kreuzesnachfolge, der ihm in schwerer Zeit auferlegt wurde, fortsetzen und auf ungeahnte Weise zu einem Brückenbauer zwischen den Kriegsgegnern Deutschland und Frankreich und zu einem der Wegbereiter eines friedlichen und geeinten Europas werden.“

„Gläubige in Frankreich und in Deutschland haben darum gebeten, dass Franz Stock selig gesprochen wird“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Ansprache zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahren für Abbé Franz Stock. Franz Stock sei in Gedanken und Gebeten gegenwärtig als ein leuchtendes Vorbild des Glaubens, als ein mutiger und tapferer Zeuge des Evangeliums und ein unermüdlicher Diener der Kirche, so Erzbischof Becker weiter. „Möge er, der schon zeit seines Lebens wie ein Stern über den ihm anvertrauten Menschen in Paris und Chartres leuchtete, auch über uns hier in Neheim und über all denen leuchten, die durch ihn näher zu Gott geführt werden!“ Es sei ein geistlicher Brückenschlag, „ein schönes Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft, die durch Franz Stock eindrucksvoll verkörpert wird“, dass Bischof Michel Pansard am Grab von Abbé Stock in Chartres zeitgleich die Eucharistie feiere.

Im Anschluss an das Pontifikalamt mit Erzbischof Becker im „Sauerländer Dom“ wurde der „Kanonische Informativprozess über das Leben, die Tugenden und den Ruf der Heiligkeit des Dieners Gottes Franz Stock“ eröffnet. Die biblischen Seligpreisungen richteten sich an jeden einzelnen Christen, der in die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott berufen sei, sagte Erzbischof Becker in seiner Ansprache. „Einem jeden von uns stellt der Herr als große Gabe die Verheißung vor Augen, die Erfüllung unseres Lebens bei ihm zu erlangen. Zugleich vertraut uns Christus eine Aufgabe an, im Geiste der Bergpredigt das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zu verwirklichen und so dazu beizutragen, dass sich die Liebe Gottes zu uns Menschen in unserem Handeln widerspiegelt.“

Die Mitglieder der „Kommission für die Durchführung des kanonischen Informativprozesses“ zur möglichen Seligsprechung von Abbé Franz Stock wurden vereidigt. Erzbischof Becker (rechts) ernannte Domkapitular Vizeoffizial Monsignore Professor Dr. Rüdiger Althaus (links) zum Erzbischöflichen Delegaten, zum Promotor iustitiae wurde Vizeoffizial Pater Professor Dr. Heinz-Meinolf Stamm OFM ernannt. Kirchenanwalt Dr. Andrea Ambrosi aus Rom ist Postulator. Eine ganze Reihe von Gläubigen sähen die Seligpreisungen Jesu im Leben und Wirken des Priesters Franz Stock in besonderer Weise konkretisiert und erfüllt, so Erzbischof Becker weiter. „Daher haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder Gläubige sowohl in Frankreich als auch in Deutschland darum gebeten, dass Franz Stock selig gesprochen wird, also förmlich in das Verzeichnis der Heiligen und Seligen der katholischen Kirche aufgenommen wird. Sie weisen darauf hin, wie großherzig und uneigennützig Franz Stock als katholischer Priester in überzeugter und überzeugender christlicher Glaubenshaltung gewirkt hat.“

Eine offizielle Seligsprechung in der katholischen Kirche setze voraus, dass „ein Gläubiger die christlichen Tugenden in einer völlig selbstlosen, herausragenden, geradezu heldenhaften Weise vorgelebt hat und daher bei den gläubigen Menschen im Rufe steht, ein Heiliger zu sein, also zur Vollendung bei Gott gelangt zu sein, um dort, in Fortsetzung seines irdischen Einsatzes, auch für uns und unsere Anliegen bei Gott einzutreten“, informierte Erzbischof Becker weiter. Einer Seligsprechung gehe ein genau geregeltes Untersuchungsverfahren voraus. Die Nachforschungen über Person und Wirken von Franz Stock beschränkten sich nicht auf äußere Eindrücke und Mutmaßungen, „sondern sollen eine umfassende Darstellung und Würdigung des Lebens von Franz Stock ergeben, so dass wir ein profundes Bild und ein nach wissenschaftlichen Kriterien abgesichertes Urteil über sein Leben und Wirken erhalten“. Die Eröffnung des Verfahrens bedeute nicht zwangsläufig, dass es zu gegebener Zeit tatsächlich zur Seligsprechung kommen werde, denn die Untersuchungen seien ergebnisoffen.

Generalvikar Alfons Hardt, Erzbischof Hans-Josef Becker und Offizial Apostolischer Protonotar Dr. Wilhelm Hentze feierten in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist die Eucharistie zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahren für Abbé Franz Stock. „Heute Abend eröffnen wir in großer Freude das Seligsprechungsverfahren für Franz Stock in seiner Tauf-, Heimat- und Primizkirche. Allen Personen, die für dieses Verfahren Verantwortung tragen, wünsche ich an dieser Stelle von ganzem Herzen Tatkraft, Ausdauer und Gottes Segen! Unser aller Aufgabe aber wird es sein, diesen umfangreichen Seligsprechungsprozess mit unserem Gebet zu begleiten, wozu ich herzlich und eindringlich einlade!“, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Ansprache.

Danach überreichten der Postulator und Vize-Postulator dem Paderborner Erzbischof ihre Bestellungsurkunde und die Bittschrift mit den Worten: „Zahlreiche Gläubige in Frankreich und Deutschland haben sich dafür ausgesprochen, das Seligsprechungsverfahren für den Diener Gottes Franz Stock, der aus dieser Pfarrei St. Johannes Baptist Neheim stammt, zu eröffnen. Wir überreichen Ihnen, Hochwürdigster Herr Erzbischof, unsere Bestellungsurkunden zum Postulator und zum Vize-Postulator sowie in ihrem Namen das entsprechende Gesuch.“ Dann nahm Erzbischof Becker die Bittschrift förmlich an: „Wir alle haben dieses Gesuch gehört. Es schildert begründet, dass das Leben und Wirken des Priesters Franz Stock außergewöhnlich zu sein scheint. Nach Prüfung des Gesuches in inhaltlicher und formaler Hinsicht habe ich mit Zustimmung des Hl. Stuhles das Gesuch angenommen und die vom kirchlichen Recht geforderten Beauftragungen vorgenommen.“

Darauf folgend forderte der Offizial des Erzbistums Paderborn, Apostolischer Protonotar Dr. Wilhelm Hentze, dazu auf „in Anwesenheit der Gemeinde vor Gott zu schwören, dass sie die ihnen obliegenden Aufgaben und Pflichten im Rahmen dieses Verfahrens treu und gewissenhaft erfüllen werden.“ Zunächst legte Erzbischof Hans-Josef Becker den Eid ab und unterzeichnete das Protokoll. Erzbischöflicher Delegat ist Domkapitular Vizeoffizial Monsignore Professor Dr. Rüdiger Althaus. Vizeoffizial Pater Professor Dr. Heinz-Meinolf Stamm OFM wurde zum Promotor iustitiae ernannt, Prälat Franz Hochstein zum Notar. Aktuarinnen sind Elisabeth Lange und Adelheid Geise. Studiendirektorin Diözesanrichterin Susanne Wagenknecht ist Dolmetscherin. Mitglieder der Historischen Kommission sind: Dr. Peter Häger, Dr. Hermann-Josef Schmalor und Erzbistumsarchivar Dr. Arnold Otto. Postulator ist Kirchenanwalt Dr. Andrea Ambrosi aus Rom, Vize-Postulator ist Geistlicher Rat Pfarrer i. R. Franz Schnütgen.

Nach der Ablegung des Eides überreichte der Postulator und der Vize-Postulator dem Erzbischof eine Liste mit den Namen von 55 Personen, „die etwas über das Leben, die Tugenden und den Ruf der Heiligkeit des Dieners Gottes Franz Stock aussagen können“. Erzbischof Becker bestimmte das Erzbischöfliche Offizialat Paderborn zum Sitz der Untersuchungskommission.

Erzbischof Hans-Josef Becker entzündete in einer Kapelle der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Neheim eine Kerze. Dort findet sich ein Bild, das Abbé Franz Stock als Erinnerung an das „Priesterseminar hinter Stacheldraht“ selbst gemalt hat. „Eine Seligsprechung ist nicht allein ein Akt der kirchlichen Verwaltung, sondern auch ein geistliches Geschehen, ein besonderes Geschenk des himmlischen Vaters. So können wir nicht darauf verzichten, dass die Gläubigen dieses Verfahren durch ihr Gebet mittragen, in das wir vor allem diejenigen einschließen, die der Untersuchungskommission angehören, die als Zeugen aussagen und die schließlich bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen in Rom zu entscheiden haben“, sagte Erzbischof Becker zum Abschluss der Eröffnungssitzung. Diese endete mit einem gemeinsam gesprochenen Gebet der zahlreich anwesenden Gläubigen und dem Segen des Erzbischofs.

Stichwort: Franz Stock Abbé

Franz Stock wurde am 21. September 1904 in Neheim im Sauerland geboren. Er wurde 1932 in Paderborn zum Priester geweiht. 1934 übernahm er die Leitung der deutschsprachigen Gemeinde in Paris. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges und der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen war Abbé Franz Stock in Paris als Standortpfarrer und insbesondere als Gefängnisseelsorger tätig. Als solcher erwies er Gefangenen und ihren Familien unter Einsatz seines Lebens vielfältige Dienste. Er übernahm die geistliche Begleitung zahlreicher Widerstandskämpfer und Geiseln vor ihrer Erschießung. 1944 begleitete er deutsche Soldaten in alliierte Kriegsgefangenschaft. 1945 baute er das „Priesterseminar hinter Stacheldraht“ in Orleans und Chartres für kriegsgefangene deutsche Theologiestudenten auf, dessen Regens er war. Franz Stock starb am 24. Februar 1948 in Paris.

In seinem vielfältigen Wirken hat Abbé Franz Stock in die von Krieg und Hass gezeichnete Situation die völkerversöhnende Liebe Gottes sichtbar gemacht und ein neues christliches Freundschaftsband zwischen Deutschland und Frankreich geknüpft. Der aus dem Erzbistum Paderborn stammende katholische Priester Franz Stock gilt heute als ein Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft.

Stichwort: Seligsprechung

Eine Seligsprechung bedeutet für die katholische Kirche, dass eine verstorbene Person vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Jesus Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist, und deswegen von der Kirche eines Landes, eines Bistums oder einer bestimmten Gemeinschaft verehrt werden darf. Der Seligsprechung eines Mannes oder einer Frau kann eine Heiligsprechung folgen; dann darf die betreffende Person offiziell weltweit verehrt werden. Die Seligsprechung eines Menschen gründet in einer hohen Wertschätzung durch das Kirchenvolk.

Der Seligsprechung geht ein kirchliches Untersuchungsverfahren voraus, das vom Bischof einer Diözese eingeleitet wird. Im Seligsprechungsprozess muss die jeweilige Ortskirche Informationen über Leben und Sterben der Person sammeln und ein Wunder oder den Märtyrertod sowie Tugendhaftigkeit und den Ruf der Heiligkeit nachweisen. Danach leitet der Bischof die Akten der Vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen zu, die in einem eigenen Verfahren die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen prüft, gegebenenfalls Gutachten über mögliche Wunder einholt und schließlich eine Empfehlung an den Papst ausspricht.

Stichwort: Kommission für die Durchführung des kanonischen Informativprozesses

Erzbischof Hans-Josef Becker hat Domkapitular Vizeoffizial Monsignore Professor Dr. Rüdiger Althaus zum Erzbischöflichen Delegaten ernannt. Zum Promotor iustitiae ernannte Erzbischof Becker Vizeoffizial Pater Professor Dr. Heinz-Meinolf Stamm OFM, zum Notar Prälat Franz Hochstein. Elisabeth Lange aus Salzkotten und Adelheid Geise aus Altenbeken sind Aktuarinnen, Studiendirektorin Diözesanrichterin Susanne Wagenknecht aus Paderborn ist Dolmetscherin. Mitglieder der Historischen Kommission sind: Dr. Peter Häger aus Bestwig-Velmede, Bibliotheksdirektor Dr. Hermann-Josef Schmalor und Erzbistumsarchivar Dr. Arnold Otto aus Paderborn. Postulator ist Kirchenanwalt Dr. Andrea Ambrosi aus Rom, Vize-Postulator ist Geistlicher Rat Pfarrer i. R. Franz Schnütgen.

Aufgabe der Kommission ist es, Informationen über das Leben und Sterben von Abbé Franz Stock zu sammeln. Dazu werden die Mitglieder umfangreiche Auskünfte einholen, Dokumente sammeln und Zeitzeugen befragen. Diese Arbeit kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Am Ende wird der Erzbischof die Akten der Vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen zusenden.

Predigt von Erzbischof Hans-Josef Becker im Pontifikalamt zur Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für Abbé Franz Stock als pdf-Datei

Ansprache von Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für Abbé Franz Stock als pdf-Datei

Im August 2009 wurde der Film "Der Prozess - Selig, wer ihn gewinnt. Selig- und Heiligsprechung in der katholischen Kirche" ausgestraht. Auf der homepage der Produktionsfirma kann er angeschaut werden.

zum Filmbeitrag

www.franz-stock.de