„Aus dem Geist der Fußwaschung den Dienst als Bischof tun“

Der neue Weihbischof Hubert Berenbrinker dankt in seiner Ansprache Gott für dessen Führung und Hilfe. Er dankt auch Papst Benedikt XVI. und Erzbischof Hans-Josef Becker (im Hintergrund) für das in ihn gesetzte Vertrauen. Paderborn, 15. Juni 2008. Das Erzbistum Paderborn hat einen neuen Weihbischof. Am Sonntag, 15. Juni, spendete Erzbischof Hans-Josef Becker Monsignore Hubert Berenbrinker in einem feierlichen Gottesdienst die Bischofsweihe. Ihm standen als Mitkonsekratoren die Paderborner Weihbischöfe Manfred Grothe und Matthias König sowie Bischöfe aus dem In- und Ausland zur Seite, die zur Feier der Bischofsweihe nach Paderborn gekommen waren.  

Mit ihnen nahmen über tausend Menschen im Hohen Dom an der Bischofsweihe teil. Zu Beginn verlas Dompropst Dr. Wilhelm Hentze die päpstliche Ernennungsurkunde für den neuen Weihbischof. „Um der Bitte des ehrwürdigen Bruders Hans-Josef Becker, Erzbischof-Metropolit des alten, bedeutenden und uns sehr lieben Paderborner Bischofssitzes, nach einem weiteren Weihbischof zu entsprechen, halten wir Dich, geliebter Sohn, ausgezeichnet mit bewährten Begabungen und erfahren in den kirchlichen Angelegenheiten vor Ort, für geeignet, ein derartiges Amt zu übernehmen.“ Mit diesen Worten begründete Papst Benedikt XVI., warum er den bisherigen Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat zum Weihbischof ernannt hat.

Paderborn hat mit Hubert Berenbrinker einen neuen Weihbischof. Gruppenfoto (v.l.n.r.): Weihbischof Manfred Grothe, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Erzbischof Hans-Josef Becker, Weihbischof Matthias König. In seiner Predigt griff Erzbischof Becker die biblische Szene der Fußwaschung auf, die in der Krümme des Bischofsstabes des neuen Weihbischofs dargestellt ist. „Diese Darstellung in Ihrem Hirtenstab, lieber Bischof Hubert, ist eine ständige Aufforderung, aus dem Geist der Fußwaschung den Hirtenstab zu erheben und den Dienst des Herrn als Bischof auszuüben“, sagte er. Jesus habe „die Natur der Autorität radikal geändert“, indem er seinen Jüngern die Füße gewaschen habe. Sein neuer Stil des Dienstes zeige sich daran, dass er seine Jünger durch einen „Sklavendienst“ in die Gemeinschaft aufgenommen habe. Entsprechend könne sich auch das Bischofsamt verstehen: „Dieses Amt gibt es nur um seines Dienstes willen. Und unser Dienst gilt in allererster Linie nicht der Kirche, sondern Christus selbst – und nur so der Kirche“, so der Erzbischof.

Erzbischof Hans-Josef Becker legte Monsignore Hubert Berenbrinker die Hände auf und weihte ihn so zum Bischof. In Anlehnung an das Tagesevangelium „Von der Größe der Ernte“ sprach Erzbischof Becker auch über die Sorge um Mitarbeiter, die heute viele Menschen in bischöflichen Verwaltungen, Ordenszentralen und Pfarrgemeinden plage. Diese „Sorge um Arbeiter für die Ernte des Herrn“ werde vom Evangelium ausdrücklich aufgetragen. Dennoch hänge der Erfolg dieser Sorge letztlich von Christus ab. Man müsse die kritische Frage stellen, ob es bei solchen Bitten wirklich immer um „Arbeiter für die Ernte“ gehe. „Oder suchen wir nur Auswege in den oftmals selbst gemachten Probleme unserer Institutionen, Häuser und Einrichtungen?“ fragte er.

Der Erzbischof gab zu bedenken, dass der Tag der Ernte der „Tag des Gerichts und der Tag des Jubels über die Vollendung in Gott“ sei. „Sind unser Vertrauen, unsere Hoffnung und unsere Sehnsucht wirklich auf diese kommende Herrlichkeit gerichtet?“ fragte er. „Geht es wirklich um Erntearbeiter oder um die Lösung von aktuellen Personalproblemen?“ Er räumte ein, dass die aus der „Not der Stunde“ heraus getroffenen organisatorischen Maßnahmen eine gewisse Hilfe seien. Viel entscheidender sei jedoch eine „Besinnung auf unsere gemeinsame christliche Berufung, die darin besteht, reif zu werden für den Tag der Ernte“.

Abschließend griff Erzbischof Becker das Leitwort des neuen Weihbischofs auf: „Alles, was atmet, lobe den Herrn. Halleluja!“ Er erinnerte daran, dass der Tag der Ernte ein Tag des Jubels über die Vollendung im Reich Gottes sei. Entsprechend sei für die Hirten der Kirche der Lobpreis Gottes ein Bestandteil des Verkündigungsauftrags und des Lebenszeugnisses.

Weihbischof Matthias König legt Monsignore Hubert Berenbrinker als Mitkonsekrator die Hände auf. Zuvor hatten Erzbischof Hans-Josef Becker (2.v.r.) und Weihbischof Manfred Grothe (rechts) dem neuen Weihbischof die Hände aufgelegt. Die Weiheliturgie begann mit der Anrufung des Heiligen Geistes und dem Versprechen des Erwählten, seinen bischöflichen Dienst in Treue zu erfüllen. Nach dem Gebet der Heiligenlitanei, während der sich der Weihekandidat auf den Boden legte, folgte mit der Weihe der Höhepunkt des Gottesdienstes: Erzbischof Becker als Hauptkonsekrator und alle anwesenden Bischöfe legten Hubert Berenbrinker die Hände auf und nahmen ihn damit in das Bischofskollegium auf. Die Handauflegung bedeutet nach altchristlicher Tradition gleichzeitig die Weitergabe der Geistesgaben und die Amtsübertragung. Entsprechend sprachen im anschließenden Weihegebet alle Bischöfe gemeinsam: „Gieße jetzt aus über deinen Diener, den du erwählt hast, die Kraft, die von dir ausgeht, den Geist der Leitung. Ihn hast du deinem geliebten Sohn Jesus Christus gegeben, und er hat ihn den Aposteln verliehen.“

Im Anschluss wurde das Haupt des neuen Weihbischofs mit Chrisam gesalbt. Dies ist Zeichen seiner Teilhabe am Hohepriestertum Christi. Mit der Übergabe von Evangelienbuch, Bischofsring, Mitra und Bischofsstab endete die Weihehandlung.

Zwei Priester standen Monsigonare Berenbrinker (Mitte) bei seiner Weihe zum Bischof zur Seite: Generalvikar Alfons Hardt (links) und Pfarrer Hermann-Josef Hölscher (rechts) aus Verl, der Heimatgemeinde des neuen Weihbischofs. Nach der Eucharistiefeier zog Weihbischof Berenbrinker zusammen mit den Weihbischöfen Manfred Grothe und Matthias König segnend durch den Dom. In einer Schlussansprache formulierte Weihbischof Berenbrinker ein Wort des Dankes. „Mein erster Dank gilt Gott, der mich bis hierher geführt hat und auf dessen Hilfe ich vertraue“, sagte er. Weiterhin dankte er Papst Benedikt XVI. und Erzbischof Becker für das große Vertrauen, das sie in ihn setzten. Vieles habe er auch seiner großen Familie zu verdanken, die er immer als Reichtum empfunden habe. „Wie groß wird das Leben durch das Weggeleit von guten Menschen, vor allem, wenn man durch den Glauben miteinander verbunden ist“, so der neue Weihbischof. Zugleich kündigte Berenbrinker an, als Bischofsvikar die Aufgaben der Priesterfortbildung und der Begleitung der rund 400 Priester im Ruhestand zu übernehmen.

Während des Auszuges aus dem Dom und über den Domplatz zum traditionellen Gruppenfoto mit allen Paderborner Bischöfen im Foyer des Generalvikariates schüttelte der Weihbischof die Hände zahlreicher Gratulanten. Mit einem Festakt klang die Weihefeier am Abend aus. Redner waren Generalvikar Alfons Hardt, Bürgermeister Heinz Paus aus Paderborn sowie Bürgermeister Paul Hermeck aus Verl, dem Geburtsort von Weihbischof Berenbrinker.

Bildergalerien zu der Bischofsweihe am 15. Juni 2008

Informationen zum Wappen des neuen Weihbischofs

Informationen zu den Pontifikalien (Stab, Mitra, Ring, Brustkreuz) des neuen Weihbischofs