„Beim Eintritt in die Basilika sind alle Anstrengungen vergessen“

Wallfahrten zum Marienbild „Trösterin der Betrübten“ nach Werl – Pilgerinnen und Pilger aus Olpe und Debrück über ihre Erfahrungen

Das Werler Gnadenbild der "Trösterin der Betrübten".pdp / Ronald PfaffWerl, 10. Juli 2019. „Ich bin gerührt, wenn ich nach dreitägiger anstrengender Wanderung in die Basilika eintrete. Dann hat sich die Mühe schon gelohnt“, fasste Alexandra Stracke zusammen, wie es vielen Pilgern geht, wenn sie die Wallfahrtsbasilika in Werl erreicht haben. Zum Patronatsfest „Mariä Heimsuchung“ waren am Wochenende (6./7. Juli) wieder zahlreiche Pilgerinnen und Pilger aus allen Himmelsrichtungen zum Marienbild der „Trösterin der Betrübten“ gekommen.

Alexandra Stracke gehörte zum 65-köpfigen Team der Fußpilger aus Olpe, die sich bereits am Donnerstagmorgen um 6 Uhr nach einem Aussendungsgottesdienst in der Maria-Himmelfahrts-Kirche auf den Weg gemacht hatten - etwa 90 Kilometer vor Augen. „Meine Oma hat mich angesteckt. Ich war schon als 12-Jährige das erste Mal dabei. Mittlerweile mache ich mich seit 25 Jahren auf den Weg von Olpe nach Werl“, berichtete Alexandra Stracke, die mit dem Pilgern die drei Begriffe „Freude, Beten, Gemeinschaft“ ganz eng verbindet.

Für die Pilgergruppe aus Olpe hat die Wallfahrt nach Werl schon eine lange Tradition.pdp / Ronald PfaffRund dreißig Kilometer lang war die erste Etappe für die Gruppe, die sich nicht nur aus der Kreisstadt Olpe, sondern auch aus der näheren Umgebung zusammengefunden hatte. Im Gemeindezentrum Rönkhausen hatten Mitglieder des dortigen Pfarrgemeinderates für einen netten Empfang gesorgt und ein gemeinsames Abendessen vorbereitet. Mit einer Komplet beendete die Pilgergruppe, die sich aus einer bunten Mischung von Frauen und Männern zwischen 10 und 83 Jahren zusammensetzte, den ersten Tag.

Eine Pilgerreise, die Tradition hat. Denn der Titel „259 Jahre Olper Wallfahrt nach Werl“ zierte den Ablaufzettel und bestätigte, dass über die Jahrhunderte auch in Kriegs- und Notzeiten der mühsame Weg auf sich genommen wurde. Zwischenzeitlich fuhren sogar mal Sonderzüge und Busse.  Erst 1985 besannen sich die Pilgerinnen und Pilger aus Olpe wieder auf den Ursprung und marschierten per Fuß in drei Tagesetappen nach Werl. „Die Gemeinschaft untereinander zieht jeden mit. Wir beten, singen, halten Stille. Aber auch private Gespräche finden statt, die sehr gut sind“, freut sich Claudia Sondermann, die ebenfalls zum Olper „Fußvolk“gehört, immer wieder auf die Wallfahrt und darauf, dann Freunde wieder zu treffen. Seit nunmehr 30 Jahren ist sie mit dabei und weiß ganz sicher: „Pilgern - den gemeinsamen Weg zu gehen und zu schaffen – ist noch mehr als beten.“

An der Kapelle Neue Brünneken in Allendorf machten die Pilger aus Olpe Station.pdp / Ronald PfaffMit einer Heiligen Messe in der Kirche St. Antonius Rönkhausen begann die zweite Wegstrecke, die möglicherweise schwerste war.  Am Fuß des Krusenbergs (490 m) erreichte die Gruppe am frühen Vormittag die kleine Kapelle „Neue Brünneken“ oberhalb Allendorfs. Ein schöner Fleck im Sauerland, der Ruhe ausstrahlt. Höchstens ein wenig unterbrochen durch eine Kuhherde, die neugierig auf die Besucher zuläuft. Der Rundumblick an einem sonnigen Juli-Tag ließ die Pilger auftanken. Mit einem Tagesimpuls und einem Frühstück stärkten sich die Pilgerinnen und Pilger, um nach gut drei Stunden über den „Sauerlänger Höhenflug“ an der „Krausen Eiche“ vorbei zur Mittagspause in Sundern anzukommen.

Die zweite Etappe des Tages führte weiter bis Hüsten. Nach einer Kurzandacht in der Pfarrkirche „St. Petri“ wurden die Quartiere aufgesucht und am Abend das vom „Olper Verein“ vorbereitete Abendessen in Gemeinschaft eingenommen. Und wieder endete der Tag mit der Komplet.

Ein bekanntes Prozedere am Samstagmorgen: Frühstück, Verladen des Gepäcks, Gottesdienst um 6.30 Uhr und dann auf zur kürzesten Teilstrecke, auf der die Olper Wallfahrtsgruppe Begleitung von  Ursula Altehenger erhielt. Sie gehört zum Werler Wallfahrtsteam, das im September die Franziskaner in der Betreuung der Wallfahrten ablösen wird (Marienwallfahrt Werl). Ab dem Werler Wallfahrtskreuz waren es nur noch weniger Kilometer bis zur Innenstadt, dort erwartete Pater Ralf Preker mit einem Ministrantenteam die Olper, um sie zur Basilika zu führen.

Vornweg Fahnenträger und das Wallfahrtskreuz, das während des letzten Weltkriegs in der Kapelle des Bunkers in Olpe aufgestellt war. Woher es komme, wisse keiner, aber es sei ein wichtiger Begleiter auf dem Wallfahrtsweg. Mit der Dankandacht in der Basilika und dem Blick auf die „Trösterin der Betrüben“ waren alle Anstrengungen des Weges vergessen.

„Meist sind es nur die Blasen an den Füßen“, berichteten die stets hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes, die zum festen Bild am Wallfahrtsort gehören, und für die Ankommenden bereit stehen. Eher selten seien ernstere Verletzungen oder Schwächeanfälle. Die Wärme an den Pilgertagen habe aber entscheidenden Einfluss. „Wir freuen uns jedes Jahr, denn viele der Pilgerinnen und Pilger kennt man  schon persönlich und hofft auf ein Wiedersehen.“

Eine starke Gruppe aus Delbrück

„Willkommen bei Maria, die uns den Weg zu Christus zeigt. Ihr können wir unsere Sorgen und Anliegen bedenkenlos bringen“, begrüßte Franziskanerpater Bernhard Igges  zur Andacht eine der größten Pilgergruppen des Tages: 190 Fußpilger und 47 Radfahrer waren aus dem Pastoralen Raum Delbrück/Hövelhof nach Werl gekommen und hatten weit über 60 Kilometer meist auf Asphaltwegen absolviert.

190 Frauen und Männer pilgerten von Delbrück nach Werl.pdp / Ronald PfaffVermutlich seit 1838 gehören die Delbrücker Pilger zum festen Stamm der Marienwallfahrer und der Zuspruch ist kaum rückgängig. Auch Domkapitular Dr. Thomas Witt lässt sich die Chance nicht entgehen, sich der Pilgergruppe anzuschließen. Bis vor sechs Jahren war Witt Pfarrer in Delbrück und pflegte die Tradition seit 2003. „Das war für mich eine so eindrückliche Erfahrung, dass ich seitdem jedes Jahr mitgegangen bin“, blickt der jetzige Domkapitular auf viele Erfahrungen zurück: „Viele Menschen kehren von der Wallfahrt nach Werl erleichtert zurück und haben irgendwie eine Linderung erfahren.“

Von Delbrück aus pilgerte die Delbrücker Gruppe am ersten Tag bis Ostinghausen, dort werden die Quartiere im Haus Düse oder privat bezogen. Am nächsten Morgen ging es nach einem Gottesdienst ab 6.30 Uhr weiter. Borgeln war auf dem Weg nach Werl Zwischenstation, wo sich die Pilgerinnen und Pilger nicht Verpflegung erhielten, sondern auch  - falls nötig - Hilfe vom Roten Kreuz, um erste Wehwehchen zu behandeln.

„Wenn man am Schluss des Weges in die Basilika hinein geht, dann weiß man ganz genau, ob man im nächsten Jahre wieder mitgeht oder nicht“, erinnerte sich Dr. Witt an ein Gespräch mit einem langjährigen Teilnehmer und kann dies aus eigener Sicht nur bestätigen. „Der ganze Weg erschließt sich vom Ziel her. Wenn auch der Weg selbst sicher wichtig ist, wenn es sicher auch darum geht, seine eigenen Grenzen kennenzulernen und auszutesten, wenn auch die Gemeinschaft mit den anderen Pilgern wichtig ist: Das Besondere der Wallfahrt ist das Ziel, zu dem wir unterwegs sind. Und emotional erfährt man dies am meisten in dem Moment, in dem man die Basilika betritt und am Ziel des Weges angekommen ist“, so Witt.

In seiner Predigt ging Pater Ralf Preker, der zwölf Jahre die Werler Wallfahrt mit den Franziskanern verantwortete, auf die biblische Geschichte von Maria und Elisabeth ein, die beide das wunderbare Wirken Gottes akzeptiert hätten: „Alles, was uns quer kommt, muss man nicht gleich als Unglücksfall ansehen, sondern man sollte es bedenken und sacken lassen. Dann nachspüren, ob Gotteswirken dahinter steckt. Manchmal kann es ein neuer Anfang sein, eine neue Chance. Manchmal muss man auch was Liebgewonnenes loslassen, um was Neues zu gewinnen.“

Weitere Gruppen aus Warstein (rund 100 Pilgerinnen und Pilger), Much, Hildesheim, Arpe und Lenhausen erreichten ebenfalls am Samstag die Wallfahrtskirche in Werl. Am Sonntag feierten alle gemeinsam den Festgottesdienst, zu dem Pater Ralf den em Bischofaus Fulda Heinz Josef Algermissen (Fulda) begrüßen durfte.

 

Stichwort: Marienbild „Trösterin der Betrübten“

Das Werler Gnadenbild ist sowohl für die Frömmigkeits- wie auch für die Kunstgeschichte von großer Bedeutung. Es gehört zur Gruppe der sogenannten Ringpfostenmadonnen, die Maria erhaben auf einen Thron sitzend darstellt und sie zusätzlich auch selbst zu einem Thron macht. Mittelpunkt dieses Bildtypus ist nämlich immer die Christusfigur, die beim Werler Gnadenbild keinen Knaben, sondern den Herrn als Richter der Welt darstellt. Das Motto der Wallfahrt 2019 lautet „Wohin sollen wir gehen?“