„Auf reichem historischen Fundament“

Einweihung des Zentralarchivs der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit Beverungen

Ein siebenköpfiges Team hat sich um Willi Brümmer (2.v.r.) und Michael Streit (r.) vom Erzbistumsarchiv gebildet, das das neue Zentralarchiv der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit betreut.Paderborn / Beverungen, 8. Juli 2019. Nach umfangreichen Umbauarbeiten wurde am Samstag, 6. Juli, das Zentralarchiv der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit Beverungen offiziell übergeben und im historischen Pfarrhaus in Herstelle eingeweiht. Die Geschichte der Pfarrei selbst ist relativ kurz: Sie entstand im Zuge der Errichtung neuer Pastoraler Räume im Erzbistum Paderborn am 01. Januar 2013, jedoch auf historischen Fundamenten: Schon die Geschichte von Beverungen selbst reicht bis ins frühe Mittelalter zurück, Herstelle ist einer der wenigen Orte, für die eine recht präzise karolingische Gründungsgeschichte für 797 nachweisbar ist.    

Das historische Pfarrhaus in Herstelle birgt nun das Archiv der elf Kirchengemeinden, aus denen die Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit entstanden ist. Das Gebäude von 1770 gehörte zunächst einem Binnenschiffer, bevor es Ende des 19. Jahrhunderts von der Pfarrei als Pfarrhaus erworben wurde. Betreut wird das Zentralarchiv der Pfarrei von einem siebenköpfigen Team um Willi Brümmer. Er gab den Anstoß zu dieser Beschäftigung mit den Quellen der regionalen Kirchengeschichte und baute das Team auf. In Beverungen ist einiges anders als in anderen Pfarrarchiven: Hier arbeiten Ehrenamtliche übergreifend und engagiert an der Geschichte von gleich elf Pfarreien und nehmen dafür teils auch weitere Wege auf sich, denn nicht das gesamte Team wohnt auch im Pastoralen Raum.  

Die offizielle Übergabe am vergangenen Samstag markierte im Verlauf dieser Arbeit eine Zäsur, jedoch keinen Abschluss. Viele Archivalien harren noch ihrer Erschließung durch Brümmer und die weiteren Teammitglieder. Es war jedoch der Tag, die Arbeiten eingehend zu würdigen. Nach einer Begrüßung durch Brümmer dankte zunächst Pfarrer Schäffer den Archivpflegern für ihre engagierte Arbeit. Anschließend verwies Erzbistumsarchivar Dr. Arnold Otto auf das reiche kulturelle Erbe der Region, zu der neben Herstelle und Beverungen noch weitere Orte mit reicher Geschichte wie Corvey, Bursfelde und Helmarshausen gehören. Bürgermeister Hubertus Grimm und Christian Haase MdB gingen in ihren Grußworten auf die große Bedeutung des Archivwesens für die Stiftung von Identität und die Überlieferung der Vergangenheit ein.  

Erzbistumsarchivar Dr. Arnold Otto im Gespräch mit Sr. Eurnike Wilkens OSB aus der Abtei in Herstelle.Ein Höhepunkt der Feierstunde war jedoch die Ansprache der Archivarin der Benediktinerinnen-Abtei Herstelle, Sr. Eunike Wilkens OSB, die Äbtissin Dr. Sophia Hildegard Schwede OSB vertrat. Die Thesen der Vertreter aus der Politik konnte sie eindrucksvoll mit einem Erfahrungsbericht von der konstituierenden Sitzung der Bischöflichen Hauptkommission für die kirchlichen Archive in Deutschland untermauern, zu der sie 1967 ursprünglich nur als Reisebegleitung für ihre Mitschwester Sr. Ehrentrud Bokelmeyer OSB mit nach Fulda gefahren war, die in der Hauptkommission die Frauenorden vertrat. Schnell wurde Sr. Eunike dort zur Protokollantin dieses denkwürdigen Ereignisses ernannt und zeichnete nun, aus der Perspektive des langen Ordenslebens einer Klosterarchivarin, die zahlreichen Schritte der Professionalisierung nach, die das kirchliche Archivwesen seitdem gegangen ist und in deren Linie sie auch das Pfarrarchiv in Herstelle sieht.  

Beim anschließenden Rundgang durch die Magazin- und Arbeitsräume konnte man sich von dieser Sicht der Dinge überzeugen. Noch dominieren in den Regalen alte Stehordner und Papierpacken. Doch die Zahl der nummerierten Archivkartons steigt stetig an.