Malmsheimer im Diözesanmuseum

Pointen und kabarettistischer Witz stets auf Höhe der Wissenschaft

Jochen Malmsheimer mit dem am Piano brillierenden Uwe Rössler.Diözesanmuseum  Paderborn, 3. Juli 2019. Für die Ausstellung „CANOSSA – Erschütterung der Welt“ konnte Jochen Malmsheimer im Jahr 2006 im Diözesanmuseum mit einer "wissenschaftlichen Sensation" aufwarten: Im Rahmen von Ausgrabungen in der Wormser Abteikirche „Unserer Lieben Frau Ihre Mutter“ hatte er die angeblich lange verschollenen Tagebücher des Salierkaisers Heinrichs IV. (1050 –1106) – jenes Regenten, der den berühmten „Gang nach Canossa“ antreten musste – freigelegt.

Die ebenso skandalträchtigen wie frei erfundenen Schriftstücke wurden damals durch Malmsheimer erstmals einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Im 13. Jahr der Wiederkehr dieses Ereignisses fand sich der Autor erneut in Paderborn ein. Dort, wo alles begann, legte er – gemeinsam mit Uwe Rössler, dem Kopf des erstaunlichen Tiffany-Ensembles – mit der Breitseite des Langschwerts ordentlich Blattgold auf und lies  vor den ausverkauften Rängen des Diözesanmuseums greinende Kaiser, schrullige Kaiserinnen und die ganze ränkeschmiedende Hautevolee des Mittelalters auferstehen.

Zwischen prügelnden Bayern, sächsischem Geknödel und elendigem musikalischem Gefiepe und Gehupe – „das 11. Jahrhundert ist ein Scheiß“ (O-Ton) – kam das Publikum vor lauter Lachen kaum zum Luftholen. Malmsheimer und Rössler zeigten einmal mehr, wie man ein vermeintlich staubiges mittelalterliches Thema knackig ans Publikum bringt; und zwar – bei allem Pointen-reichen kabarettistischen Witz – wissenschaftlich auf dem neusten Stand.

Malmsheimer wurde kürzlich erst mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet. Zu den größten Fans dieses ebenso hervorragend recherchierten wie wunderbar komisch aufgearbeiteten und mit großem Können musikalisch umrahmten Programmes gehören die Fachleute selbst. Deshalb war es nur zwingend logisch, dass nun endlich Museum und Kabarett auch direkt zueinander fanden.