Fronleichnam: Sensibel bleiben für das Geheimnis der Eucharistie

Erzbischof Hans-Josef Becker feiert Pontifikalamt im Hohen Dom / Prozession durch die Paderborner Innenstadt

Am Fronleichnamsfest tragen Katholikinnen und Katholiken den Leib Christi während einer Prozession in einer Monstranz durch Straßen und Felder in die Welt.Foto: Ansgar HoffmannPaderborn, 20. Juni 2019. Fronleichnam, das „Fest des Leibes und Blutes Christi“, gilt gemeinhin als das am meisten katholische aller kirchlichen Hochfeste: Gläubige „gehen auf die Straße“, um den Leib Christi in Gestalt eines Stück Brotes in die Welt zu tragen – so auch heute vielfach im ganzen Erzbistum Paderborn. In Paderborner Dom feierte Erzbischof Hans-Josef Becker mit zahlreichen Gläubigen ein Pontifikalamt. „Am Fronleichnamstag bringen wir zum Ausdruck, dass wir an einen Schöpfer glauben, der in dieser Welt gegenwärtig ist und bleibt“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt. Im Anschluss an die Heilige Messe geleiteten die Gläubigen das Allerheiligste in einer Prozession durch die Straßen der Innenstadt.  

Von ihren Anfängen her seien Fronleichnamsprozessionen nicht als Glaubensdemonstration gegenüber der nicht-katholischen Welt gedacht gewesen, erklärte Erzbischof Hans-Josef Becker zu Beginn seiner Predigt: „Diese Prozessionen führen uns in die Schönheit und Weite der frühsommerlichen Welt. Wir tragen das ‚Allerheiligste‘ in diese Welt hinein, mit all ihrem Licht, aber auch mit unseren Sorgen.“ Wer auf die gewandelte Hostie als „Leib Christi“ schaue, könne erkennen: Die ganze Schöpfung sei von Christi Gegenwart durchdrungen und verwandelt. „Das Fronleichnamsfest zeugt von der lebendigen Kraft und Gegenwart der göttlichen Weisheit in allen Dingen und in uns selber. Überall hinein dringt das Heil Christi“, so der Paderborner Oberhirte.  

Schon für die frühen Christen sei die Natur ein Buch Gottes gewesen, in dem alle Menschen lesen konnten. „In der Moderne haben wir den Sinn dafür weitgehend verloren, weil wir Vieles nur noch rein technisch sehen. Und Viele von uns haben aus diesem Grund auch den Sinn für das Geheimnis der Eucharistie verloren“, stellte Erzbischof Becker fest. Die Botschaft vom „Immer mehr“ und vom „Nur nicht zu kurz kommen“ mache unempfindlich gegenüber dem Leid der anderen. „Wenn wir aus der Kraft der Liebe leben, dann haben Egoismus und Raubbau keinen Platz“, bekräftigte der Paderborner Erzbischof zum Abschluss seiner Predigt.  

Musikalisch gestaltet wurden das Pontifikalamt und die Prozession vom Paderborner Domchor und der Mädchenkantorei unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning. An der Prozession nahmen unter anderem Kommunionkinder, zahlreiche Schützen, Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab, Ordensschwestern und Fahnenabordnungen teil. Sie führte an zwei Stationen vor-bei: der Markt- und Universitätskirche und dem Stadthaus – danach zogen die Gläubigen zurück in den Hohen Dom. An jeder Station wurde das Evangelium vorgetragen, Fürbitte gehalten und der Sakramentale Segen gespendet.      

Stichwort: Fronleichnam  
Für die katholische Kirche ist Fronleichnam das Hochfest, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Fronleichnam wird seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begangen. Es stammt aus der Tradition der Flur- und Feldprozessionen. Der Name leitet sich ab von den alt-hochdeutschen Worten „fron“ für „Herr“ und „lichnam“ für „Leib“.   Fronleichnam wird am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert. Der Donners-tag steht in Verbindung mit Gründonnerstag, an dem der Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus beim letzten Abendmahl gedacht wird. Brot und Wein werden in der Eucharistie zu Leib und Blut Jesu Christi gewandelt. Bei der Fronleichnamsprozession wird somit Jesus Christus in der Gestalt des gewandelten Brotes in einer kostbaren Monstranz durch die Straßen und Felder getragen – zum Segen für die Welt.