Den Tisch des Herrn zur Mitte machen

Weihbischof Dr. Dominicus Meyer OSB weiht neuen Altar in Gütersloh-Friedrichsdorf

Von links kniend: Pater George OCD, Pfarrer Elmar Quante, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Pater Abraham Fischer OSB.Werner BerenbrinkGütersloh-Friedrichsdorf, 12. Juni 2019. Für den Kirchort St. Friedrich wird der vergangene Samstag nicht nur als der Tag vor dem Pfingstfest in Erinnerung bleiben. Es ist vielmehr der Tag nach einer umfangreichen Renovierung des Gotteshauses, an dem die Gemeinde die in der heutigen Zeit seltene Feier der Altarweihe begehen durfte. Aus diesem Anlass war Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB nach Friedrichsdorf gekommen. „Machen Sie den neuen Tisch des Herrn zur Mitte und zum Angelpunkt dieser Gemeinde!“ so die Aufforderung des Weihbischofs an die Besucher des Festgottesdienstes.      

Nach dem feierlichen Einzug und der Begrüßung des Weihbischofs durch Pfarrer Elmar Quante, segnete Weihbischof Dr. Dominicus Meier das Wasser und besprengte die Gottesdienstgemeinde. Dies symbolisiere die Erinnerung an die Taufe und dass Christus in unserer Mitte ist. Auch den „Tisch des Wortes“ besprengte er mit Weihwasser und wünschte der Gemeinde, dass das Wort Gottes dieses Haus erfüllen möge.      

Weibischof Dr. Dominicus Meier OSB entzündet den Weihrauch auf dem Altar; hinten von links: Pater Abraham Fischer OSB, Pfarrer Elmar Quante.Werner Berenbrink„Ist Gott in meinem Leben dabei?“, gab Weihbischof Dominicus jedem Gottesdienstbesucher zu Beginn seiner Predigt als Frage mit auf den Weg. Er nahm Bezug auf Mose, der vielfältige Erfahrungen mit Gott gemacht habe. Da ist der wundersame Zug durch das Rote Meer oder der Empfang der Gesetzestafeln. Aber dann will Gott etwas Neues beginnen.  Mose macht sich berechtigt Sorgen – schließlich gab es die Sache mit dem goldenen Kalb. Er war gezwungen, einen Bußgang auf sich zu nehmen.  „Aber was macht dieser Gott?“, fragte Weihbischof Dominicus weiter.  „Er rechnet nicht mit dem Versagen ab, sondern baut einen neuen Beziehungsabschnitt auf mit der Aufforderung: ‚Brich auf!‘“.      

Auch die Jünger hätten einige hundert Jahre später am Vorabend des ersten Pfingstfestes die gleichen Ängste gehabt und sich gefragt: „Wird Gott mit unseren jungen Gemeinden sein? Wird er da sein?“, führte Weihbischof Dominicus weiter aus. Diese Aussage habe Bedeutung bis in die Gegenwart. „Denn ist das nicht auch unsere Frage? Wird ER noch in unserer Gemeinde sein, wenn der alte, vertraute Altar nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz steht? Wird er uns in eine gute Zukunft führen?“, spiegelte Weihbischof Dominicus die Fragen seiner Zuhörer.       

Pater Abraham Fischer OSB - verschließt die Stelle, an der die Reliquien beigesetzt wurden.Werner BerenbrinkDass die Altarweihe am Vorabend des Pfingstfestes stattfinde, bezeichnete Weihbischof Dr. Dominicus Meier als symbolträchtig und aussagekräftig. Pfingsten mache deutlich, was Jesus gesagt habe: „Ja, ich bin dabei.“ Wer wie Mose Gott begegne und ihn begreifen will, müsse sich immer wieder neu mit ihm auseinandersetzen.   Zum Schluss seiner Predigt übermittelte Weihbischof Dr. Dominicus Meier die Grüße vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker. Er wünschte an diesem Altar lebendige Begegnungen mit Gott und untereinander.      

Nach der Allerheiligenlitanei wurden Reliquien der heiligen Märtyrer Constantia und Iuncundinus in den Fußboden vor dem Altar eingesetzt. Sie stammen aus den bisherigen Zelebrationsaltären. Die beigefügten drei Urkunden datieren aus den Jahren 1892, 1973 und – jetzt neu – 2019.      

Weihbischof Dr. Dominicus Meier besprengte anschließend den Altar mit Weihwasser, salbte ihn mit Chrisam und entzündete mit dem Licht der Osterkerze Weihrauch auf dem Altar. Nachdem Weihbischof Dominicus das Weihegebet gesprochen hatte, wurde der Altar gereinigt und als Tisch des Herrn vorbereitet. Die Kerzen im Altarraum wurden mit dem Licht der Osterkerze entzündet.   Eucharistiefeier und Schlussgebet beendeten den liturgischen Teil der bewegenden Feier. Musikalisch mitgestaltet wurde sie von der Ökumenischen Kantorei Friedrichsdorf, dem Kammerchor St. Pankratius und dem Blechbläserensemble Spexard.          

Worte des Künstlers zum Altar      
Pater Abraham Fischer OSB, Prior der Abtei Königsmünster in Meschede, zeichnet für den Entwurf des Altares und der neuen Ausstattung der Kirche verantwortlich.  Er stellt einen Vergleich zwischen dem Stein des Altares und uns Menschen her.  Lava-Basalt, ein heimischer Stein aus der Eifel, habe immer Einschüsse, also Fehler, so jeder Mensch Fehle, Ecken und Kanten habe.

Von links: Vikar Markus Henke, Pater Abraham Fischer OSB, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Pfarrer Elmar Quante, Pater George OSBWerner BerenbrinkBeim näheren Betrachten sehe man, dass das Material von innen heraus glänze und kleine „Funken sprühe“. Es komme aus den flüssigen Schichten des  Erdinneren und werde durch die Ausbrüche der Vulkane an die Oberfläche gebracht. Dort erstarre der Lavastrom zu Stein. So sei es auch mit den Herzen der Menschen. Sie könnten innerlich flüssig und beweglich bleiben und wenn sie sich aber anderen zeigen und aus der Tiefe ans Licht gelangen würden, dann zeige sich, dass sie einen Glanz der Ewigkeit vom Himmel in sich tragen, so Pater Abraham Fischer OSB.      

Der Altar, aus unterschiedlichen Steinblöcken aufgeschichtet, wird gehalten von einer Kreuzklammer aus Edelstahl. Die aufeinandergesetzten Steine folgen nicht alle einer Richtung, dies stehe symbolisch dafür, dass auch Menschen sehr unterschiedlich ausgerichtet seien. Das Kreuz vereine die Gläubigen zu einer lebendigen Gemeinde.      

Es sei der gemeinsame Glaube, der zusammenhalte. Das Bild des Altares sage aus: Inmitten aller Unterschiedlichkeit der Menschen hat Kirche Zukunft. Nicht weil Menschen es bewerkstelligen, sondern, weil Gott in und durch seine Altäre unter uns wirkt.      

Text: Marianne Nunnemann