„Geht es uns noch um was?“

Studientag Liturgie befasst sich mit einer Liturgie, die die Menschen erreicht

Studientag Liturgie Der Studientag Liturgie lockte über 100 haupt- und ehrenamtliche Teilnehmer nach Paderborn.pdpPaderborn, 30. Mai 2019. Liturgie, die die Menschen erreicht, danach scheint es im Erzbistum Paderborn ein großes Bedürfnis zu geben. Gut 100 Engagierte – Haupt- und Ehrenamtliche – waren zum Studientag Liturgie nach Paderborn gekommen, der unter diesem Thema stand. Eingeladen hatten das Referat Exerzitien und theologische Grundlagenarbeit und die Fachstelle Liturgie im Erzbischöflichen Generalvikariat. „Wir sehen das wirklich überraschende Interesse am Thema dieses Studientages als Auftrag, dass wir zukünftig stärker noch als bisher in liturgische Entwicklung, Vernetzung von Akteuren mit Verantwortung für Gottesdienste in den pastoralen Räumen investieren wollen“, so Dr. Annegret Meyer aus der Hauptabteilung Pastorale Dienste.

In seinem Eingangsreferat widmete sich Dr. Sven Boenneke der Frage, was Liturgie überhaupt ist, wie sie wirkt und wie die Wahrnehmung der Mitfeiernden diese Wirkung beeinflusst. Boenneke arbeitet am Max-Planck-Institut für Wirkungsästhetik. Seinen Untersuchungen zufolge stehen sich zwei Sichtweisen des Gottesdienstes gegenüber. Auf der einen Seite pflegen Menschen ein traditionelle Verständnis: Sie begreifen die Liturgie als eine Art heiliges Spiel, auf das man sich einlässt und bei dem man mitmacht. Dem gegenüber steht ein säkulares Gottesdienstverständnis, das den Himmel gewissermaßen auslässt und sich auf den anwesenden Menschen konzentriert: Texte werden umformuliert, weil „man das heute nicht mehr so sagen kann“, die Liturgie gerät unter Rechtfertigungsdruck.

Die Kirche selbst versteht die Liturgie als Vollzug des Priesteramtes Christi, so hat es das Konzil in der Liturgiekonstitution formuliert, durch sinnfällige Zeichen geschehen in einem Vollzug die Verherrlichung Gottes und die Heiligung des Menschen. Die Liturgie ist ein rituelles Handeln, in dem geschieht, was gefeiert wird: Riten, Worte und Zeichen feiern das Heil real präsent (das Konzil hat dafür das Zentralwort: „Paschamysterium“). Handelnde sind nicht mehr nur der Priester, sondern die versammelte Gemeinde. Das Konzil äußerte den Wunsch nach einer vollen, bewussten und tätigen Teilnahme aller Gläubigen. Das lateinische Wort dafür – „participatio“ – enthält dabei zwei Sinnrichtungen: Teilnahme und Teilhabe gleichermaßen.

Boenneke betonte daher, alles in der Liturgie sei wichtig: der Raum, die Gestaltung und die Akteure. Und da könne es dann sehr konkret werden, nämlich bis zum richtigen Umgang mit dem Mikrofon. Für die Vorbereitung eines Gottesdienstes schlug er seinen Zuhörern Fragen vor, die zur Vorbereitung eines Gottesdienstes besprochen werden sollten, und die als Anregung aus der Theaterwissenschaft stammen: Geht es uns noch um was? Ist allen klar, um was es geht? Ist Gott im Spiel? Gibt es in unseren Gottesdiensten ein sogenanntes „umfassendes Statement“, das heißt ein Gefühl, einen Satz, mit dem die Mitfeiernden das Geschehen für sich fassen können?

Liturgie braucht Teilnahme, Verständlichkeit und den Bezug zur Bibel. Das bedeutet laut Boenneke auch ein Mindestmaß an Wissen, sonst könne man die Liturgie nicht nachvollziehen. Als es zu diesem Punkt mehrere Nachfragen, mit dem Einwand gab „das Problem sei doch, dass die Kinder und Jugendlichen gar nichts mehr wissen“, betonte Boenneke: „Das ist kein Problem, das ist ein Arbeitsauftrag!“

Am Nachmittag wurde es dann praktisch: in sieben Workshops befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Orten und Formen von Gottesdiensten, der (biblischen) Sprache und der Musik. Den Abschluss bildete eine meditative Erschließung der neuen Kirche im Priesterseminar mit Domvikar Martin Reinert. „Es tat gut, so viele Menschen zu erleben, die leidenschaftlich dafür brennen, Gott zu feiern und zu verkünden, und das in Formen und Worten unserer Zeit zu tun“, so fasste Pfarrer Ludger Eilebrecht, Workshop-Leiter mit dem Thema „Kirche an anderen Orten/am Möhnesee“ seinen Eindruck des Tages zusammen.