Ein Signal der Hoffnung

Woche für das Leben: Autorin Maira Stork und die Suizid-Online-Prävention in den Schulen St. Michael

Über Suizid reden – eines der wichtigsten Anliegen der aktuellen Woche für das Leben (Foto v. l.): Dr. Werner Sosna, Caroline Groppe (U25), die Autorin Maira Stork und zwei Mitarbeiterinnen von U25.Martin FlüterPaderborn, 14. Mai 2019. In den Schulen St. Michael Paderborn fand jetzt eine der zentralen Veranstaltungen der diesjährigen „Woche für das Leben“ statt. Die Ausrichtung auf eine junge Zielgruppe hin war nicht zufällig: Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind gefährdet.  

In Deutschland begehen jeden Tag zwanzig junge Menschen einen Suizidversuch. Angesichts alarmierender Zahlen wie dieser ist es notwendig, über ein Thema zu reden, das in der Regel tabuisiert wird.  

Wie es geht, trotz des Leids für andere offen zu bleiben, kann man bei Maira Stork lernen. Sie verlor ihre Mutter durch einen Suizid. An dem Tag, an dem sie davon erfuhr, sei sie ein anderer Mensch geworden, sagt sie.   Maira Stork suchte sich professionelle Hilfe und entwickelte eine Methode, die ihr half, mit dem Schmerz fertigzuwerden: Sie schrieb einen Ratgeber für Menschen, die einen geliebten Menschen durch einen Suizid verloren haben – also auch ein Buch über und für sich selbst. Heute, vier Jahre später, kann sie ihren Lesern mitteilen: „Egal, wie das Leben aussieht, es wird wieder besser, das verspreche ich dir.“  

„Hallo Jule, ich lebe noch“: Mit diesen Worten beginnt eine der vielen Mails von Anna, die daran denkt, sich das Leben zu nehmen. Sie richtet ihre elektronischen Nachrichten an Jule, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Suizidpräventionsberatung U25.   Ein Dokumentationsfilm schildert diese besondere Beziehung. Jule, die Anna als Beraterin zur Seite steht, ist nicht nur im gleichen Alter wie Anna, sondern sie hat selbst mehrere Suizidversuche überlebt. Sie weiß, wie es Anna geht. Persönlich kennenlernen wird sie Anna nicht, weil die Kommunikation über Monate auf den Online-Kontakt begrenzt ist.   

Carolina Groppe, die Leiterin der Paderborner U25-Beratung, stellte in St. Michael die Doku vor, weil diese auch eine gute Beschreibung der Paderborner U25-Beratung liefert. U25 in Paderborn nahm im Herbst 2016 die Arbeit auf und hat seitdem 375 Klienten beraten. Es kam zu mehr als 5.550 E-Mail-Kontakten.  

Die Onlineberatung ist ein Beispiel dafür, wie Beziehung wirkt, selbst wenn sie nur digital verläuft. Erzbischof Hans-Josef Becker hat das Phänomen erst kürzlich beschrieben: Dem Nächsten „Ohr und Stimme zu leihen“ sei immer ein Signal der Hoffnung. Diese Einschätzung des Erzbischofs zitierte Dr. Werner Sosna. Sosna hat für das Erzbistum Paderborn die „Woche für das Leben“ organisiert und zu der Veranstaltung in den St. Michaelschulen eingeladen.  

Maira Stork kommt übrigens zu einem ähnlichen Ergebnis wie Erzbischof Becker. Ein Suizid sei ein „Infarkt der Seele“, sagt sie. Auch sie kennt das Rezept dagegen: Darüber reden. Noch wird viel zu oft über Suizide geschwiegen. Die Veranstaltung in den St. Michaelsschulen war ein Schritt, aus dieser Sackgasse zu kommen.      

Text und Foto: Martin Flüter