„Frauen mit leitender Verantwortung gehören für uns zur Normalität“

Interview mit Generalvikar Alfons Hardt

Für Generalvikar Alfons Hardt gehören Frauen in Verantwortung im Erzbistum Paderborn zur Normalität.pdp/Ronald Pfaff Paderborn, 10. Mai 2019. Frauen im kirchlichen Dienst sind derzeit ein viel diskutiertes Thema. Generalvikar Alfons Hardt äußert sich im Interview zu dem Thema und der Situation im Erzbistum Paderborn.          

Herr Generalvikar, wie stehen Sie zur Aktion „Maria 2.0“, bei der Frauen ab Samstag eine Woche in den Kirchenstreik treten wollen?

Generalvikar Hardt: Diese Initiative macht deutlich, dass es Unzufriedenheit gibt mit dem momentanen Zustand der katholischen Kirche und Sorgen im Blick auf ihre Zukunft. Die Initiative „Maria 2.0“ wird getragen von Katholikinnen und Katholiken, denen die Kirche am Herzen liegt. Die Frauen, die die Aktion ins Leben gerufen haben, engagieren sich zum Teil seit Jahrzehnten. Durch sie ist die Kirche in den Gemeinden lebendig. Sie sorgen sich um die Zukunftsfähigkeit ihrer Kirche. Das ist eine Motivation, die ich in hohem Maß wertschätze. Und zugleich sehe ich die Gefahr, dass durch eine mit Sicherheit gut gemeinte Aktion wie „Maria 2.0“ auch neue Brüche entstehen können zwischen den Menschen, denen der Wandel entweder zu langsam oder eben zu schnell geht. Der Wunsch nach Veränderung ist legitim. Wir sind mit dem Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn diesbezüglich auf einem guten Weg. Aber jeder nachhaltige Wandel braucht Zeit, weil er von Vielen mitgetragen werden muss. Das gerät mir zu oft in den Hintergrund.

Wie kann man auf die streikenden Katholikinnen zugehen?

Generalvikar Hardt: Die Aktion ist ja nicht zentral gesteuert. Deshalb kann ich nicht abschätzen, an wie vielen und an welchen Orten es Aktionen geben wird. Zugehen ist aber genau der richtige Begriff. Ich setze in den Gemeinden vor Ort auf die Dialogfähigkeit der Geistlichen und der Pastoralteams. Es wäre ein starkes Zeichen, wenn sie auf die „Streikenden“ zugingen und mit ihnen das Gespräch suchen. Das schließt auch ein konstruktives Ringen um Antworten ein. Aber dafür braucht es Verständnis füreinander – auf allen Seiten.

Eine zentrale Forderung der Aktion ist die Zulassung der Frau zum Priesteramt …

Generalvikar Hardt: Ich glaube, wir müssen es „aushalten“, dass wir auf die Frage der Weihe von Frauen einerseits eine definitive Entscheidung des Papstes Johannes Paul II. und andererseits trotzdem noch keine letzte Antwort haben. Diese Frage wird zumindest in Deutschland ja sehr offen diskutiert, vor allem unter Theologen und Theologinnen. Es ist klar, dass es hierzu einen weltkirchlichen Konsens braucht, den es derzeit nicht gibt. Ich finde es schade, dass die Diskussion um die Zulassung von Frauen zur Weihe oft überlagert und geringschätzt, wie viel Gestaltungsspielraum Frauen als Laien an vielen Stellen längst haben.

Welche Rolle spielen Frauen denn im Erzbistum?

Generalvikar Hardt: Eine ganz wesentliche Rolle. Die Berufung aller Getauften für die Gestaltung des kirchlichen Lebens bildet die grundlegende und tragende Basis für unser Zukunftsbild. Wir haben uns hier zur „selbstverständlichen Wahrnehmung der gleichen Würde von Frauen und Männern“ verpflichtet. Das gilt sowohl für den ehrenamtlichen Einsatz vieler Frauen in den Gemeinden als auch für zentrale Führungspositionen.

Gerade in den letzten Jahren hat sich hier viel getan, auch im Erzbischöflichen Generalvikariat, der Verwaltungsbehörde des Erzbistums Paderborn. Schon seit einigen Jahren leitet eine Frau stellvertretend die Zentralabteilung Pastorales Personal. Die Verantwortung für unseren Kommunikationsbereich liegt in weiblichen Händen. Erst diese Woche wurde eine neue Diözesanbaumeisterin ernannt. Auch unsere Abteilung Personal wird von einer Frau geleitet. All das sind Schlüsselpositionen, an denen Frauen sich mit ihrer Qualifikation behaupten. Ganz aktuell hat erstmals eine Lehrbeauftragte in der Priesterausbildung ihre Arbeit begonnen. Und besonders am Herzen liegt mir auch ein Projekt, das ab Juni an den Start geht: Wir werden in den Gemeinden nach und nach flächendeckend Stellen als Verwaltungsleitungen ausschreiben. Hier haben Frauen die großartige Chance, sich in der Leitungsebene der Pastoralen Räume einzubringen. Das alles zeigt für mich: Frauen auch in leitender Verantwortung gehören im Erzbistum Paderborn zur Normalität.

Wie sieht es ansonsten mit der Förderung von Frauen im Erzbistum Paderborn aus?

Generalvikar Hardt: Ende letzten Jahres fand die erste Frauenkonferenz im Erzbistum Paderborn statt, bei der Erzbischof Hans-Josef Becker mit Frauen in Austausch getreten ist und hören konnte, was sie bewegt. Es gibt im Erzbischöflichen Generalvikariat eine Kompetenzeinheit, die sich speziell damit befasst, wie Frauen gefördert werden können. Ähnliches gilt für ein Mentoratsprogramm, mit dem Frauen gezielt für Führungsaufgaben qualifiziert werden. Ein Traineeprogramm ermöglicht jungen Theologinnen vielfältige Berufseinstiege im Erzbistum Paderborn. Und in den Gemeinden sind Frauen zunehmend nicht nur in Pfarrgemeinderäten, sondern auch in Kirchenvorständen aktiv.

Sicherlich bleibt immer noch viel zu tun. Aber mir ist wichtig, dass wir bei allen offenen Baustellen die guten Früchte nicht übersehen, die wir mit unserem Zukunftsbild schon geerntet haben. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass wir als Katholikinnen und Katholiken im guten Dialog bleiben, statt uns dauerhaft an Grundsatzfragen zu zerreiben und uns bemühen, nicht immer weiter den Zuspruch von immer mehr Menschen zu verlieren.

Herr Generalvikar Hardt, wir danken Ihnen für das Gespräch!