„Herr, wohin sollen wir gehen?“ – Leitwort der Marienwallfahrt Werl

Am 1. Mai Start ins letzte Jahr mit den Franziskanern – Neues Diözesanteam will Tradition wahren und Neues erschließen

Pater Ralf Preker OFM, Ursula Altehenger und Dechant Dr. Gerhard Best vor dem Gnadenbild "Trösterin der Betrübten".pdp / Ronald Pfaff Paderborn/Werl, 26. April 2019. Die „Seelsorge als Gastfreundschaft“ steht für Pater Ralf Preker OFM stets im Mittelpunkt der traditionsreichen Marienwallfahrt in Werl. „Mir war es immer wichtig, ein gutes Willkommen zu vermitteln“, betont der Wallfahrtsleiter und Guardian des Franziskanerordens, der Ende 2019 nach elf Jahren mit seinen Ordensbrüdern Werl verlassen und die Wallfahrtsseelsorge seinem Nachfolger Dechant Dr. Gerhard Best übergeben wird. Gemeinsam freuen sie sich auf die am 1. Mai beginnende Wallfahrtszeit und einem abwechslungsreichen Angebot bis zum 1. November.

Die Marienwallfahrt in Werl blickt auf eine rund 350-jährige Geschichte zurück und ist seitdem ein wichtiger Ort für das Erzbistum Paderborn. Das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ fand durch die Vermittlung des Kölner Kurfürsten und Erzbischof Maximilian Heinrich seinen Standort in Werl und war der Start für eine lebendige Marienwallfahrt, die gleich nach Kevelaer und Altötting genannt wird. „Heute zählen wir noch bis zu 100.000 Wallfahrerinnen und Wallfahrer in Werl. Auch wenn die Zahl mit den 50er und 60er- Jahren nicht vergleichbar ist, so ist es immer noch ein Zeichen, dass hier in Werl ein großer Anziehungspunkt ist“, freut sich Pater Ralf über den bleibenden Zuspruch.

„Herr, wohin sollen wir gehen?“ – lautet das diesjährige Leitwort der Wallfahrt, die traditionell am 1. Mai um 10 Uhr mit einer Heiligen Messe in der Basilika eröffnet wird. Der Münsteraner Weihbischof Dr. Stefan Zekorn steht dem Pontifikalamt vor. Am Nachmittag schließt sich die Pilgerandacht um 15 Uhr an. Einen eindrucksvollen Abschluss der Eröffnung bildet die Lichterprozession zur Maiandacht um 18 Uhr.

Bis zum Hochfest Allerheiligen bietet der Wallfahrtskalender ein vielfältiges Angebot und ist auch 2019 den Vorjahresangeboten ähnlich. Wer nach Werl pilgern möchte, ist an allen Tagen der Woche willkommen. Jeden Tag findet um 18 Uhr eine Mai-Andacht statt. Auch die allgemeinen Wallfahrtstage sonntags und mittwochs bleiben bestehen.

Höhepunkte der ersten Monate

Bereits im Marienmonat Mai stehen die Sonntage im besonderen Fokus. Seit 1947 führt die „Wallfahrt der Ermländer“ (5. Mai) nach Werl, der sich Tausende Pilger der Gemeinschaft anschließen, die selber oder deren Vorfahren aus dem Ermland stammen. Das Ermland ist eine historische Landschaft im ehemaligen Ostpreußen.

Seit vier Jahrzehnten gehört auch die Portugiesen-Wallfahrt zum festen Bestandteil des Werler Kalenders, die in diesem Jahr am 12. Mai stattfindet. Traditionell bringen die Portugiesen auch eine Kopie der Fatima-Madonna mit. Am 19. Mai wird die Pilgermesse (10 Uhr) vom MGV Sauerlandia Attendorn mitgestaltet.

Mit dem 350-jährigen Festjubiläum (2011) der Wallfahrt zum Gnadenbild zur „Trösterin der Betrübten“ hat sich die „MOTO Maria“ in den Terminkalender fest eingeschrieben. In einer Sternfahrt aus allen vier Himmelsrichtungen reisen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer zur Wallfahrt nach Werl an. Treffpunkte sind in Verne, Endorf (bei Sundern), Beckum und Lichtendorf (Dortmund). Auf dem Markplatz in Werl werden die Zweiräder in einem ökumenischen Gottesdienst gesegnet und fahren im Korso um Werl. „Wir erwarten bis zu 300 Motorradbegeisterte, die wiederum auch zahlreiche Schaulustige anlocken“, blickt Pater Ralf auf die Erfahrungen der letzten Jahre zurück.

Bischof emeritus Heinz Josef Algermissen wird während des Patronatsfestes Mariä Heimsuchung, das am 7. Juli begangen wird, ein Pontifikalamt feiern. Der festliche Gottesdienst mit ehemaligen Bischof von Fulda und früheren Weihbischof von Paderborn beginnt um 9.30 Uhr. An die Eucharistiefeier schließt sich eine Prozession über den Marktplatz zur Wallfahrtsbasilika an. Bis zu 1000 Fußpilgerinnen und Fußpilger werden erwartet. „Ein Flair, eine Atmosphäre, die muss man selbst erleben, um sie beschreiben zu können. Ich habe die Wallfahrt hier mit am vitalsten erlebt“, so Pater Ralf.

Den ausführlichen Wallfahrtskalender sowie weitere Informationen finden Sie über die Homepage https://www.wallfahrt-werl.de/

Abschied von den Franziskanern

Für Erzbischof Hans-Josef Becker war es wichtig, dass der Wallfahrtsort in Werl auch nach dem Abgang der Franziskaner als festes und lebendiges Element für das Erzbistum Paderborn erhalten bleibt. Um die Wallfahrt und Wallfahrtsseelsorge auch in eine gute Zukunft zu führen, hat der Erzbischof mit Dechant Dr. Gerhard Best frühzeitig einen Nachfolger benannt, der im Team mit Pastor Stephan Mockenhaupt und Gemeindereferentin Ursula Altehenger die Leitung übernehmen wird. Am 1. September wird Erzbischof Hans-Josef Becker in einem Pontifikalamt (15 Uhr) Abschied von den Franziskanern nehmen und das diözesane Wallfahrtsteam im Amt einführen. Anschließend findet ein Fest der Begegnung statt, zu dem es keine besonderen Einladungen gibt, aber alle herzlich eingeladen sind, die sich dem Wallfahrtsort verbunden fühlen.

Die Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung in Werl lädt zu den Marienwallfahrten ab dem 1. Mai ein.pdp / Ronald PfaffPater Ralf Preker OFM

Seit 2008 ist Pater Ralf Preker OFM für die Wallfahrt in Werl verantwortlich. „Es war meine elfte Stelle für den Franziskanerorden“, erinnert sich Pater Ralf, wohin ihn der Weg „nach Werl“ führen werde, wisse er noch nicht. Seine Aufgaben im Orden waren vielschichtig. Nach der Priesterweihe war er Kaplan in Moers, arbeitete für „Dienst der Kirche an Schulen“, organisierte Besinnungstage und machte Predigtreisen, war Novizenmeister und Ausbilder im Orden in Münster und Attendorn, war neun Jahre Guardian in Paderborn und Kurseelsorger in Bad Tölz. Mit der Wallfahrt in Werl habe er vielschichtige Erfahrungen gesammelt und viel gelernt im Umgang mit Wallfahrtstypen. Eine solide und bodenständige Frömmigkeit mit dem Anliegen, das Pilgern Kraft gibt, habe ihn beeindruckt. „Auch ist die Wallfahrt eine Plattform der Verkündigung. An solchen Orten sind die Menschen aufnahmebereit und wollen Anstöße mitnehmen.“

Ursula Altehenger

Zum Wallfahrtsteam gehört seit dem 1. September Dipl. Religionspädagogin Ursula Altehenger mit einer halben Stelle. Bis dato war sie Gemeindereferentin in der Propsteigemeinde Werl und gehört - mit weiteren 50 Prozent - zum Beratungsdienst für Gemeinden des Erzbistums Paderborn. „Ich habe schon mit Freude beim Jubiläum der Wallfahrt 2011 mitgearbeitet“, ist Altehenger gespannt auf ihre neue Aufgabe. Es mache Sinn, dass eine Frau dem Wallfahrtsteam angehöre, da der Anteil der Wallfahrerinnen doch durchaus größer sei. Neben dem Aufbau des neuen Pilgerbüros in der Fußgängerzone und den ersten logistischen Umstellungen schaut Ursula Altehenger schon jetzt darauf, neue Angebote für Pilger zu entwickeln.

Dechant Dr. Gerhard Best

„Als gebürtiger Werler bin ich von früher Kindheit an mit der Wallfahrt in Werl vertraut, wenngleich ich mich damals in meinem Engagement mehr der Propstei und der Pfarrei verbunden gefühlt habe“, gehörte Dr. Gerhard Best früh zu den Anhängern der Werler Marienwallfahrt. Best wurde 1990 zum Priester geweiht und promovierte mit der Dissertation „Glocken und Läuten in Westfalen“ zum Doktor der Theologie. Er ist auch Glockensachverständiger und Beauftragter für das Glockenwesen im Erzbistum Paderborn. Zuletzt war Best Pfarrer der Jesus Christus Kirchengemeinde in Lippetal, ist Dechant im Dekanat Hellweg und seit 2015 nichtresidierender Domkapitular des Metropolitankapitels des Hohen Doms zu Paderborn.

In enge Berührung kam Gerhard Best mit der Werler Wallfahrt bei der Vorbereitung zum Jubiläumsjahr. Durch die frühzeitige Entscheidung des Erzbischofs konnte sich Best schon einarbeiten und Erfahrungen vor Ort mit den Franziskanern und deren erfolgreicher Arbeit sammeln. Ideen aus Hospitationen in Altötting, Kevelaer und Einsiedeln wird Best in das Konzept zukünftiger Marienwallfahrten in Werl einbringen. Zudem kann er bei der Planung zur neuen Nutzung des Klostergebäudes und eines Wallfahrtszentrums mitwirken. „In den ersten beiden Jahren müssen wir aufgrund des Umbaus noch auf das Kloster verzichten“, so Dr. Best, der sich aber auf die Zusammenarbeit mit dem Team - Ursula Altehenger und Pastor Stephan Mockenhaupt - freut: „Wir müssen die Tradition fortsetzen und etwas für die Werl geprägten Wallfahrer tun, aber auch neue Zielgruppen erschließen und Menschen ansprechen, die auf der Suche sind.“ Diese Ideen will das Team alsbald in Dekanatskonferenzen und Gemeinden vorstellen, um im ganzen Erzbistum mit der Wallfahrt Werl präsent zu sein. „Wir wollen zeigen, dass es die Marienwallfahrt Werl weiter gibt.“