Wechselnde Projekte statt Wiederholungen

Pastoraler Raum Dortmunder Westen richtet sich neu aus

Dortmund, 24. April 2019. Fünf Kirchengemeinden im Dortmunder Westen bilden den gleichnamigen Pastoralen Raum. Im dortigen Stadtbezirk Lütgendortmund leben rund 50.000 Einwohner, vergleichbar einer Mittelstadt. Die Spanne reicht vom wohlhabenden Akademiker in der Nähe der Technischen Universität über Studenten bis zu Menschen in sozialen Brennpunkten. „Zwischen Jugendstil-Villa und sozialem Wohnungsbau“, beschreibt Gemeindereferent Bastian Lauf diese Bandbreite.

"Lieber weniger, aber dafür gut", lautet die Devise von Bastian Lauf, Gemeindereferent im Pastoralen Raum Dortmunder Westen.Foto: Pastoraler Raum Dortmunder Westen Lauf arbeitet seit drei Jahren im Pastoralteam. In den ersten zwei Jahren lief der Entwicklungsprozess zur Pastoralvereinbarung. Im Sommer 2018 erteilte Erzbischof Hans-Josef Becker zu dieser seine Zustimmung. Auf 56 Seiten wird die Neuausrichtung der katholischen Kirche im Dortmunder Westen beschrieben. „Mittendrin. glaubwürdig. vielseitig“ steht als Qualitätsversprechen auf der eigens erstellten Homepage (https://www.sichtbar-dortmund.de/). In Kurzform heißt es dort: „Wir sind eine vielfältige, offene Gemeinschaft und bewegen uns zu und mit den Menschen. Unser Glaube ist uns dabei Quelle und Heimat.“

Wenn Bastian Lauf darüber spricht, fallen immer wieder Stichworte wie „sprachfähig werden“, „vom Grund unserer Hoffnung erzählen“, „auf die Menschen zugehen“, „neue Wege ausprobieren“, „Produkt und Marke“ und „Evangelisierung“. Vor allem dieses im Zukunftsbild des Erzbistums Paderborn beschriebene „Handlungsfeld“ sei eine wesentliche Grundlage für die Neuausrichtung im Dortmunder Westen, erklärt Bastian Lauf.

Eine ältere Frau hätte vor kurzem erfreut zu ihm gesagt: „Früher bin ich in die Kirche gegangen, jetzt kommt die Kirche zu mir.“ Begegnungen mit Menschen, die nicht oder nicht mehr im Umfeld der Gemeinde vorkommen, seien wichtig.

Luftballonaktion des Pastoralen Raums bei der Lütgendortmunder Bartholomäus-KirmesFoto: Pastoraler Raum Dortmunder Westen Bei der traditionellen Bartholomäus-Kirmes im August in Lütgendortmund gingen Haupt- und Ehrenamtliche aus den Kirchengemeinden auf die Kirmes und luden die Kirmesgäste dazu ein, „Herzenswünsche“ auf eine Karte zu schreiben und mit Gasballons in den Himmel steigen zu lassen. „Die Aktion wurde sehr gut angenommen. Es gab viele gute Gespräche mit Menschen, die wir sonst nie erreicht hätten“, berichtet Bastian Lauf. Er erzählt aber auch von einem Spannungsfeld. So habe es in der Kirchengemeinde Kritik daran gegeben, dass Mitarbeiter des Pastoralteams für die Aktion auf dem Kirmesgelände waren, während sie beim zeitgleich an der Kirche veranstalteten Gemeindefest vermisst wurden. Der Gemeindereferent wirbt für die Akzeptanz solcher Veränderungen, indem er sagt: „Ihr seid nicht weniger wichtig, sondern die Anderen sind genauso wichtig.“

„Lieber weniger, aber dafür gut“, lautet seine Devise. Unter „gut“ versteht er auch einen ästhetischen Anspruch, der über das hinausgeht, was Menschen üblicherweise mit Kirche verbinden. Als aktuelle Herausforderung führt er den Umgang mit Print- und vor allem Sozialen Medien an. Als erfolgreiches Beispiel nennt er das Krippenspiel, das im vergangenen Jahr erstmals in der Form eines selbstgeschriebenen Musicals aufgeführt wurde. Bekannte Pop-Melodien und professionelle Licht- und Tontechnik hätten die Besucherinnen und Besucher begeistert. Einstudiert wurde alles von den Jugendlichen der Jugendleiterrunde. Der Vater einer Mitwirkenden, der sonst mit Kirche nichts zu tun hat, stellte die Bühnentechnik zur Verfügung. Er sagte: „Gerne könnt ihr mich wieder anfragen, aber bitte nicht regelmäßig“. Ein gutes Beispiel für gelungenes projektorientiertes Arbeiten“, erläutert Bastian Lauf. Anstatt die Dinge immer zu wiederholen, müsse es eher darum gehen, regelmäßig neue Projekte zu initiieren, um Kreativität zu lernen und nicht sofort neue Traditionen zu schaffen. Weil man nicht mehr alle mit demselben Angebot erreichen könne, gelte es, Schwerpunkte zu setzen und die Menschen jeweils gezielt anzusprechen. Das könne auch durch unterschiedliche Gottesdienstformen, nicht nur Eucharistiefeiern, erfolgen. Damit beschäftigt sich aktuell die Arbeitsgruppe „Liturgie“ im Pastoralen Raum Dortmunder Westen.

Aufmerksamkeit gegenüber dem, was die Menschen beschäftigt, gehöre dazu, um von ihnen her das Evangelium neu zu verstehen. „Warum solidarisieren wir uns nicht mit der 'Fridays for Future' Bewegung und schaffen so neues Vertrauen und Anknüpfungspunkte in die Kirche“, fragt der Gemeindereferent. Da gebe es ein Interesse und Engagement von Jugendlichen, welches genau zur Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus zum Thema „Umwelt und Entwicklung“ passe und gleichzeitig auf den ersten Seiten der Bibel verwurzelt ist. Dann stelle sich die Frage: „Wie kann ein Gottesdienst zu 'Fridays for Future' aussehen und wie lässt sich z.B. mit dieser Bewegung Evangelisierung in der Fläche betreiben und nicht nur punktuell mit einzelnen Projekten?“

Bisher erschien im Themenspezial Pastorale Räume: