„Selig ihr Armen, denn Euch gehört das Reich Gottes“

Lourdespilger voller Eindrücke zurück

Bastian Steinrücken (l.) und Christian von Wichelhaus vor der Grotte von Massabielle.Frank Kaiser Paderborn, 23. April 2019. Lourdes, Europas größter Wallfahrtsort, ist dieser Tage ein einziges spirituelles Beben. Tausende Gläubige aus vielen Ländern, Franzosen wie Italiener, Spanier wie Polen, sogar Mitchristen von den kapverdischen Inseln – sie alle feiern ihren Glauben. Am 12. April trafen auch 915 Pilgerinnen und Pilger aus dem Erzbistum Paderborn in Lourdes ein. Gemeinsam haben sie sich mit den Maltesern zur 39. Diözesanwallfahrt in das südfranzösische Marienheiligtum aufgemacht.  

Strahlender Sonnenschein und angenehme 14 Grad empfingen die Pilgerinnen und Pilger, die mit einem Sonderzug, zwei Flugzeugen und zwei Bussen angereist sind. Am Michaelstor, der Pforte zum Heiligen Bezirk in Lourdes, beteten sie erstmals gemeinsam. „Das gute Wetter hat unseren Pilgerinnen und Pilgern vom ersten Moment an die Herzen geöffnet“, sagte Paderborns Weihbischof Matthias König. Bereits zum fünften Mal begleitete er die Lourdesfahrt der Malteser.  

Zur Pilgergruppe gehörten dieses Jahr 40 Menschen mit schweren Krankheiten und Behinderungen. „Diese Menschen könnten ohne das großartige ehrenamtliche Engagement der Malteser niemals diese schöne Glaubenserfahrung machen“, so der Weihbischof. Unter ihnen ist auch Bastian Steinrücken, 33 Jahre, aus Olsberg. Schon zum vierten Mal pilgerte der Rollstuhlfahrer mit den Maltesern nach Lourdes – einem Ort, der ihm viel Kraft gibt. Für ihn war es das Ereignis des Jahres. Unter anderem sorgten Helfer wie Christian von Wichelhaus vom Lourdes Krankendienst des Malteserordens dafür, dass Bastian in Lourdes gut von A nach B kam und an möglichst vielen Messen teilnehmen konnte.  

Auch 182 Kinder und Jugendliche, viele von ihnen in Vorbereitung auf ihr Firmsakrament, gehörten zur „Wallfahrt der Generationen.“ Gleich bei der Eröffnungsmesse in der Rosenkranzbasilika übernahmen Leyla Kangal (15 Jahre) aus Fürstenberg und Antonia Brinkmann (14) aus Bad Driburg eine in jeder Hinsicht tragende Rolle: Sie schulterten die große Pilgerkerze. Inmitten einer feierlichen Prozession waren alle Blicke auf die beiden gerichtet, als sie die Kerze in einem Schrein nahe der Grotte von Massabielle aufstellten. In dieser Grotte sah Bernadette Soubirous am 11. Februar 1858 zum ersten Mal die „Dame in weißen Gewändern“ in einer kleinen Felsnische. Wie jedes Jahr stand diese Pilgerkerze für all die Gedanken, Hoffnungen und Wünsche, die die Pilgergruppe mit nach Lourdes gebracht hatte.  

Layla Kangal (vorne) und Antonia Brinkmann tragen die Malteser Pilgerkerze der großen Prozession voran, hinter ihnen Weihbischof Matthias König.Frank Kaiser Bei frühlingshaften Temperaturen verbrachten die Pilgerinnen und Pilger Tage im Gebet, mit gemeinsamen Singen und natürlich mit den allabendlichen, stimmungsvollen Lichterprozessionen. Höhepunkt der Wallfahrt war wie immer die Palmsonntagsliturgie. Nach der Palmweihe vor der Rosenkranzbasilika zog die Prozession, begleitet vom „Hosianna“-Ruf, in die unterirdische Basilika Pius X. ein. Gemeinsam mit vielen tausend Pilgern feierten sie dort die internationale Messe. In diesem Rahmen spielten Jugendliche der Paderborner Pilgergruppe, wie es gute Tradition ist, die Passion Christi nach.  

„Von Beginn an habe ich erlebt, dass die Pilgerinnen und Pilger zu einer großen Gemeinschaft zusammenwachsen“, sagte Weihbischof Matthias König auf der Rückfahrt im Zug. „Besonders in Erinnerung wird mir der Segnungsgottesdienst bleiben. Wie sich dort junge Menschen mit ihren Sorgen und Ängsten öffnen und Gott anvertrauen – das sind Momente, in denen ich merke, warum ich Priester geworden bin. Die Jugendlichen haben während der Wallfahrt einen tiefen Einblick darin bekommen, was Glauben will und was Glauben kann.“  

Umfangreiche seelsorgliche und medizinische Betreuung, ein Rollstuhldienst, eine komplette Musikgruppe und vieles mehr: Für den reibungslosen Ablauf der Wallfahrt sorgten 104 Ehrenamtliche des Lourdes Pilgerdienstes des Malteser Hilfsdienstes unter Leitung von Thomas Ohm aus Dortmund (Wallfahrtsleiter) sowie Franz Anton Becker aus Paderborn (Geschäftsführer).  

„Selig ihr Armen, denn Euch gehört das Reich Gottes“, lautete der Leitspruch der diesjährigen Wallfahrt. Dieser Vers ist der sogenannten Feldrede im Lukas-Evangelium entnommen, die ungefähr der Bergpredigt Jesu im Matthäus-Evangelium entspricht. Mehr als fünf Millionen Menschen pilgern jedes Jahr nach Lourdes. Im Jahre 2008 haben die Malteser die Organisation der Familienwallfahrt im Erzbistum Paderborn übernommen.      

Gruppenbild vor der RosenkranzbasilikaFrank Kaiser