Karfreitag: Mehr als eine Etappe auf dem Weg zu Ostern

Verhülltes Kreuz in der Krypta des Hohen Domspdp / Ronald PfaffPaderborn, 18. April 2019. Wer mit dem jährlichen Feiertag „Karfreitag“ aufgewachsen ist, wird die Zumutung, die in diesem Tag steckt, vermutlich oft gar nicht mehr wahrnehmen. Und doch ist diese Zumutung da: Karfreitag ist ein Feiertag, der eine Hinrichtung zum Inhalt hat. Denn an diesem Tag gedenken Christen des Leidens und des Todes Jesu Christi. Spürbar ist der besondere Charakter des Feiertags allerdings durchaus, denn er prägt sogar das öffentliche Leben. Tanz- und andere Vergnügungsveranstaltungen wie Volksfeste und Sportveranstaltungen sind an diesem Tag untersagt. Neben dem Aschermittwoch ist er der einzige gebotene Fasten- und Abstinenztag in der katholischen Kirche.

Nun kann man darauf hinweisen, dass Karfreitag Teil des Ostergeschehens ist, also letztlich in die Feier der Auferstehung mündet. Und tatsächlich: Liturgisch betrachtet ist der Karfreitag Teil des Ostertriduums, das am Abend des Gründonnerstags beginnt und bis Ostersonntag dauert, einer zusammenhängenden Feier, die nicht nur die Feier vom Letzten Abendmahl und das Gedenken an Leiden und Tod Jesu umfasst, sondern auch die Feier der Auferstehung. Aber ist der Karfreitag deshalb nur eine Etappe auf dem Weg zum „Happy End“? Man kennt das ja aus Heldengeschichten: Bevor der Held am Ende triumphal siegt, muss er leiden.

Der christliche Glaube sagt etwas anderes. Zwar ist das Ostergeschehen, das auch das Leiden und Sterben Jesu Christi umfasst, ein Heilsereignis und Grund der menschlichen Erlösung: Jesus nimmt durch seinen Tod am Kreuz die Sünde der Menschen auf sich, er befreit sie und schenkt ihnen Anteil an seinem neuen, österlichen Leben. Doch das heißt nicht, dass Angst und Not, Krankheit und Tod nun aus der Welt verschwunden sind. Die Botschaft von Karfreitag lautet: All das darf sein, auch Gefühle von Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit. Aber selbst im undurchdringlichsten Dunkel ist der Mensch nicht verloren, denn Gott selbst war an jenen finsteren Orten – und er steht den Menschen dort weiterhin zur Seite.

Das Ostergeschehen ist deshalb kein Triumphzug, das dem Christen Gefühle von Leid und Verzweiflung verbietet. Der Auferstandene ist und bleibt der Gekreuzigte, denn er behält die Wundmale an seinem Leib.

Brauchtum am Karfreitag

Verhülltes Kreuz im Hohen Dom zu Paderbornpdp / Ronald PfaffDie Kirche ist am Karfreitag völlig schmucklos, auf dem Altar stehen weder Kerzen noch Blumen. Bis zur Osternacht bleiben Orgel und Glocken stumm. Mancherorts ziehen Kinder mit Ratschen oder Klappern durch die Straßen der Städte und Dörfer und rufen die Gläubigen auf diese Weise zum Gottesdienst. Weit verbreitet ist der Brauch, an Karfreitag Kreuzwegandachten zu halten. Dabei wird des Leidens und Sterbens Jesu in 14 Stationen von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung gedacht. Die einzelnen Stationen sind meist bildliche Darstellungen, die die Geschehnisse der Passionsgeschichte zeigen.

Im Erzbistum Paderborn gibt es mit den Kreuztrachten eine besondere Karfreitags-Tradition. Hierbei gehen Menschen den Kreuzweg Jesu nach, durch die Straßen „mitgetragen“ wird dabei ein Kreuz. Kreuzträger sind zwei Männer, die an Jesus und Simon von Cyrene erinnern. Mit Perücken und Masken sind sie jedoch unkenntlich gemacht, ihre Namen bleiben geheim. Der aus der Barockzeit stammende kirchliche Brauch wird an sechs Orten im Erzbistum Paderborn begangen: in Brakel-Gehrden (ab 9.30 Uhr, Beginn in der Pfarrkirche St. Peter und Paul), Delbrück (ab 10 Uhr, Beginn in der Pfarrkirche S. Johannes Baptist), Wiedenbrück (im Anschluss an die Karfreitagsliturgie (13 Uhr) in der Pfarrkirche St. Ursula), Sundern-Stockum (im Anschluss an die Karfreitagsliturgie (15 Uhr) in der Pfarrkirche St. Pankratius) und Pömbsen (ab 14 Uhr, in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt). In Menden finden mehrere Kreuztrachten statt. Sie beginnen am Gründonnerstag um 21 Uhr mit dem Jugendkreuzweg, dann zu jeder vollen Stunde. Die große Kreuztracht beginnt am Karfreitag um 9 Uhr.

Die Karfreitagsliturgie

Die Karfreitagsliturgie wird die „Feier vom Leiden und Sterben Christi“ genannt. Sie beginnt gewöhnlich um 15 Uhr, weil die Evangelien die Angabe enthalten, dass Jesus um die neunte Stunde gestorben sei (Mt 27,46; Mk 15,34; Lk 23,44). In der Bibel beginnt die Zählung der Stunden eines Tages mit Sonnenaufgang: 6 Uhr gilt als erste Stunde, 15 Uhr ist entsprechend die neunte Stunde.

Am Anfang des Gottesdienstes steht eine Zeit der Stille: der Zelebrant legt sich still in der Kirche auf den Boden, die Gemeinde kniet nieder – ein Zeichen der Hingabe an Gott. Die Feier besteht aus drei Teilen: dem Wortgottesdienst, der Kreuzverehrung und der Kommunionfeier. Im Zentrum des Wortgottesdienstes steht die Passion aus dem Johannesevangelium, die meist mit verteilten Rollen vorgelesen wird. Die Großen Fürbitten beschließen den ersten Teil. In ihnen wird unter anderem für die die ganze Kirche, die christlichen Konfessionen, die nicht-christlichen Religionen, die Atheisten sowie für die gesamte Welt gebetet. Auf jede Fürbitte folgt der Gebetsruf "Beuget die Knie … Erhebet euch!". Auf die Fürbitten folgt die Kreuzverehrung: Ein mit einem roten Fastentuch bedecktes Kreuz wird enthüllt und mit einer Kniebeuge, einer Verneigung, einer Berührung oder sogar einem Kuss durch die Gläubigen verehrt. Bei der Kommunionfeier werden in der Abendmahlsfeier des Gründonnerstags konsekrierte Hostien ausgeteilt.

Im Hohen Dom zu Paderborn beginnen die Feiern um 7:30 Uhr mit einer Karmette, auf die um 10 Uhr eine Kreuzwegandacht im Kreuzgang mit Weihbischof Berenbrinker folgt. Um 15:00 Uhr beginnt die Karfreitagsliturgie mit Erzbischof Hans-Josef Becker, um 19:30 Uhr hält Pater Christoph Wrembeck SJ die Abschlusspredigt in der Veranstaltungsreihe „Rendezvous im Dom“. An die Predigt schließt sich ein stiller Umgang mit der Kreuzpartikel durch die Paderborner Innenstadt an. Beichtgelegenheit besteht von 9:30 bis 12 Uhr und von 13:30 bis 14:30 in der Krypta. Dort kann auch im Anschluss an die Karfreitagsliturgie das Beichtsakrament empfangen werden.