Auf dem Weg zur neuen Stadt

Die Gesamtpfarrei Heiligste Dreifaltigkeit in Beverungen will mit Visionsarbeit die Einheit der 12 Gemeinden stärken

Beverungen, 11. April 2019. Stephan Massolle, Pastor in der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit in Beverungen, sieht man die Zufriedenheit mit dem neuen Erstkommunionkonzept an: „Da haben wir richtig gut zusammengearbeitet“ stellt er fest. „Es ist ein Konzept für die gesamte Pfarrei, beteiligt waren Mitglieder des Pastoralteams und Ehrenamtliche, darunter viele Eltern.“ In allen Kirchorten wird die Erstkommunion ab nächstem Jahr unter dem biblischen Leitbild „Neues Jerusalem“ stehen, der offizielle Titel lautet „Gott bau ‘ne Stadt für dich“, angelehnt an einen Popsong. „Der Bauherr dieser Stadt ist Gott, Architekt ist das Konzeptteam, und die Familien mit ihren Kindern sind die Bewohner“, beschreibt Massolle das Leitbild weiter. „Ein einheitliches Konzept für die gesamte Pfarrei ist allein schon deshalb sinnvoll, weil es in manchen Orten pro Jahr nur ein oder zwei Kinder gibt.“

Was das Konzeptteam für die Erstkommunion erarbeitet hat, steht bald auch für die gesamte Pfarrei an: Wie kann ein gemeinsames Leitbild oder besser: eine gemeinsame Vision aussehen? „Bei verschiedenen Gelegenheiten haben wir festgestellt, dass eine solche Vision hilfreich sein könnte“, so Massolle. „Wir wollen uns der Frage stellen, was uns als Pfarrei verbindet und woran wir uns gemeinsam ausrichten können.“ Dazu muss man wissen, dass die eine Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit aus insgesamt 12 meist kleinen Ortschaften besteht, die bis 2012 selbständige Pfarreien oder Pfarrvikarien waren, teilweise mit eigenem Pfarrer. Doch dann kam 2013 die Errichtung der Pfarrei als Pastoraler Raum – für viele eine abstrakte Größe. Auch eine aus zwei Ortschaften bestehende Gemeinde des Bistums Hildesheim, die direkt an das Pfarrgebiet angrenzt, wird mitversorgt.

Die Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit hat sich Pastor Stephan Massolle zusammen mit den Hauptamtlichen im Pastoralteam und vielen Ehrenamtlichen vorgenommen.pdp / Dr. Claudia Nieser „Oft blicken die Menschen zuerst auf ihren Ort, die Pfarrei ist für viele nicht so konkret fassbar“, so Massolle. „Deshalb wollen wir uns gemeinsam mit möglichst vielen Gläubigen an die Visionarbeit machen.“ Diese Vision soll dann die Pastoralvereinbarung ergänzen, die inzwischen schon gut sechs Jahre alt und noch vor der Veröffentlichung des Zukunftsbildes entstanden ist. Die Arbeit daran ist für den Beginn des kommenden Jahres geplant. Inspiration dafür hat man sich schon vergangenen Januar bei einem zweitägigen Besuch im hessischen Oberursel geholt: Die dortige Großpfarrei hat schon viele Erfahrungen mit der Visionsarbeit gesammelt.

Dass in der Pfarrei schon seit mehreren Jahren der geistliche Lernweg „Lokale Kirchenentwicklung“ läuft, ist eine Hilfe für dieses Anliegen. Bei diesem von den Philippinen stammenden Ansatz geht es im Kern um Visionsarbeit, mit dem Ziel eine „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ wachsen zu lassen, Einheit zu stiften und die Bindung untereinander zu stärken. Ausgangspunkt für diese Visionsarbeit ist in der Lokalen Kirchenentwicklung immer die Bibel, sie ist auch eine wichtige Entscheidungshilfe bei Fragen und Problemen. „Lokale Kirchenentwicklung schaut zum Beispiel darauf, welche Relevanz unsere Angebote und Ideen haben“, beschreibt Pastor Massolle den Ansatz weiter. „Wenn sich zum Beispiel für eine Idee niemand findet, der daran mitarbeitet, hängt sie im luftleeren Raum und kann nicht durchgeführt werden. 

Neben der Visionsarbeit soll auch die Arbeit der Teams in den  Kirchorten auf eine gemeinsame Grundlage gestellt werden. In der Pfarrei gibt es neben dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand in fast jeder Ortschaft ein Ortsteam. „Diese Teams arbeiten sehr unterschiedlich“, so Stephan Massolle. „Größe, Zusammensetzung, Taktung der Treffen – das ist alles noch ungeregelt. Es gibt auch noch keine gemeinsamen Treffen, in der alle einmal zusammenkommen.“ Daher soll nun gemeinsam mit den Ansprechpartnern vor Ort ein gemeinsamer Orientierungsrahmen erstellt werden, der dann von den einzelnen Teams konkretisiert wird.

Bei allen Bemühungen, die Pfarrei stärker ins Bewusstsein zu heben: Um Zentralisierung geht es den Verantwortlichen in der Gesamtpfarrei Heiligste Dreifaltigkeit Beverungen nicht. „Es geht um Fokussierung“, präzisiert Stephan Massolle. „Deshalb achten wir auch darauf, dass nicht alles in Beverungen stattfindet.“ So soll sich Schritt für Schritt das verwirklichen, was aus Sicht der Lokalen Kirchenentwicklung das Ziel sein muss: eine „Gemeinschaft der Gemeinschaften“, vielleicht auch eine "Neue Stadt".

Bisher erschien im Themenspezial Pastorale Räume: