Leo XIII. – Papst und Staatsmann

"Er hat die Weichen für das moderne Papsttum gestellt“ – Paderborner Priester und Kirchenhistoriker Jörg Ernesti legt Biografie vor

„Leo XIII. – Papst und Staatsmann“ ist erschienen bei Herder. Das gebundene Buch (480 Seiten) kostet 38 Euro.Verlag Herder Paderborn, 9. April 2019. Leo XIII. war der erste Papst, der Filmaufnahmen von sich erlaubt hat. Das führt dazu, dass wir ihn heute, 120 Jahre später, bei YouTube finden. Das sei aber nur eine „Randnotiz“ im Leben dieses Oberhauptes der katholischen Kirche, sagt Prof. Dr. Dr. Jörg Ernesti. Der Paderborner Priester und Kirchenhistoriker hat jetzt seine Biografie Leos XIII. veröffentlicht. „Papst und Staatsmann“ ist der Untertitel, der verrät, warum Leo XIII. das moderne Papsttum geprägt hat: Er hat unter anderem die katholische Soziallehre begründet und die Rolle des Papstes als Weltpolitiker erfunden.

Jörg Ernesti ist Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Universität Augsburg. Mit Papst Leo XIII. verbindet ihn seine persönliche Biografie: Während der ersten beiden Jahre seines Theologiestudiums wohnte er im nach Leo XIII. benannten Leokonvikt, dem Erzbischöflichen Theologenkonvikt in Paderborn. „Im Speisesaal hing eine Kopie des bekannten Gemäldes von Franz von Lenbach mit dem Porträt Leos“, erinnert er sich. Später studierte Ernesti noch in Wien und Rom. Das Gemälde ist jetzt das Titelbild seines Buches. „Es zeigt den Papst als intelligenten Menschen, gleichzeitig als skeptischen Beobachter und klugen Diplomaten.“

1878 wird Kardinal Gioacchino Pecci zum Papst gewählt. Nach dem langen Pontifikat Pius IX. (mit 31 Jahren und acht Monaten das längste der Kirchengeschichte) gilt er mit 68 Jahren als Kompromiss- und Übergangspapst. Als Leo XIII. ist er bis 1903 Papst – 25 Jahre lang. Bei seinem Tod ist er der älteste Papst, mit 86 Enzykliken auch der fleißigste Schreiber. Heraus ragt die Enzyklika „Rerum novarum“, veröffentlicht im Mai 1891. „Damit hat Leo XIII. die katholische Soziallehre begründet“, sagt Jörg Ernesti. „Sie wird fortgeschrieben in den Enzykliken nachfolgender Päpste. Ihre Gedanken haben die Gründer der Bundesrepublik Deutschland beeinflusst.“

„Erfunden“ hat Leo XIII. auch die Rolle des Papstes als Vermittler in Konflikten zwischen Staaten und damit die moderne Außenpolitik des Vatikans. Er, der selbst seit mehr als 1.000 Jahren der erste Papst ohne eigenen Staat war, vermittelte in zehn internationalen Konflikten, unter anderem im Streit zwischen dem Deutschen Reich und Spanien um die Karolinen-Inseln im Westpazifik. So agierte der Heilige Vater im zerbrechlichen Machtgefüge in Europa am Übergang des 19. zum 20. Jahrhundert als „neutrale Macht und moralische Instanz“, wie Jörg Ernesti sagt.

Prof. Dr. Dr. Jörg ErnestiUniversität Augsburg / Tobias Kauth Der Autor nennt Leo XIII. auch den „ersten Medienpapst“, nicht nur wegen der Filmaufnahmen. „Er war der erste Papst, der Interviews gegeben und Einblicke in sein Privatleben zugelassen hat. Echte Interviews, ohne vorher abgesprochene Fragen und zensierte Antworten.“ Leo war beliebt und nutzte dies bewusst: „Er strahlte Liebenswürdigkeit und Hoheit aus. Und er wusste dies in der Darstellung seiner Person und seines Amtes einzusetzen.“

„Leo XIII. – Papst und Staatsmann“ ist nach Büchern über Paul VI. und Benedikt XV. die dritte Papstbiografie, die Jörg Ernesti veröffentlicht. Sie ist erschienen bei Herder. Das gebundene Buch (480 Seiten) kostet 38 Euro.