Ein Ort des Willkommens

Eremitage Franziskus baut als Geistliches Zentrum auf dem Fundament der Klarissen auf

Siegen-Wilnsdorf, 8. April 2019. Es ist wahrlich ein ganz besonderer Ort entstanden, direkt unter dem Marien-Hospiz in Wilnsdorf. Dort wo einst jahrzehntelang die in Klausur lebenden Klarissen ihr Dasein im Sinne ihres Ordens verbracht haben, befindet sich nun die Eremitage Franziskus - ein pastoraler Ort zum Innehalten und Auftanken.

Das neue Geistliche Zentrum, benannt nach dem Heiligen Franziskus, ist ein Ort, „wo Menschen um Rat fragen, geistliche Begleitung erfahren und sich zum Gebet versammeln“, sagt Leiterin Irmtrud von Plettenberg. Zusammen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern ist die Gemeindereferentin für das Programm und die Betreuung der Eremitage zuständig.

Irmtrud von Plettenberg leite die Eremitage St. Franzikus in Siegen-Wilnsdorf.pdp / Alexander Kollek Im Untergeschoss des Marien-Hospizes, das über eine Treppe links neben der Kirche zu erreichen ist, richtet sich das Geistliche Zentrum ein. Helle lichtdurchflutete Räumlichkeiten im sogenannten „Gartengeschoss“, wie es Irmtrud von Plettenberg selbst nennt, weisen auf eine harmonische Willkommensatmosphäre hin. Dass in jedem Raum ein anders gestaltetes Kreuz hängt, ist laut Irmtrud von Plettenberg dabei kein Zufall: „Jeder bringt sein eigenes Lebenskreuz mit. Die Eremitage soll bewusst als spiritueller Ort wahrgenommen werden. Wir möchten hier die Berührung von Menschen mit dem Glauben ermöglichen und fördern.“ Dies sei eine zentrale Aufgabe der Eremitage, so die 55-Jährige, denn „es kommen auch viele Menschen hierhin, die nichts mit der Kirche zu tun haben.“

Das Angebot des Geistlichen Zentrums orientiert sich folglich an dem gemeinsam entwickelten Grundkonzept seiner Träger - Erzbistum Paderborn und Dekanat Siegen - und umfasst die Schwerpunktthemen Ethik, Gebet und Evangelisierung. Daher, und das ist vor allem Irmtrud von Plettenberg sehr wichtig, wird vor Ort besonders auf die Beweggründe und Anliegen der ankommenden Menschen geachtet: „Wir wollen erfahren: Was brauchen Menschen hier? Was ist ihnen wichtig und wo besteht noch Bedarf? Sie sollen Halt finden.“

Damit das gelingen kann, bietet die Eremitage Franziskus unter diesen Leitgedanken ein vielfältiges Programm an. Seelsorge in Form von persönlichen und vertraulichen Gesprächen, unterschiedliche Liturgie- und Gebetsformen, Suizid-Prävention, Ausstellungen (z.B. Ikonen oder Bilder) sowie Meditationen. Auch die Trauerbegleitung spielt eine wichtige Rolle, schließlich wurde die Eremitage in die Gebäude des von der Mariengesellschaft betriebenen Marien-Hospizes integriert: „Als ausgebildete Trauerbegleiterin weiß ich, wie wichtig es für Menschen ist, nach einem schmerzlichen Verlust Gehör zu finden“, sagt Irmtrud von Plettenberg und betont die enge Zusammenarbeit mit Hospizseelsorger Wilfried Loik.

Neben dem eigenen Angebot ist die Eremitage darüber hinaus auch mit anderen kirchlichen Angeboten vernetzt. „Während der Fastenzeit findet zum Beispiel in der Klosterkirche ein Gottesdienst mit Fastenpredigt statt, organisiert vom Pastoralem Raum Südliches Siegerland“, erklärt Irmtrud von Plettenberg. Zudem nutzen beispielsweise Frauengemeinschaften sowie Kolping- oder Lektorengruppen die Räumlichkeiten immer wieder für Auszeiten. Auch der Caritasverband oder Krankenhäuser aus der Region greifen auf den Standort für Konferenzen oder Seminare zurück.

Natürlich kann Irmtrud von Plettenberg die anfallenden Aufgaben im Geistlichen Zentrum nicht alle alleine bewerkstelligen. Unterstützt wird sie deshalb von einer sogenannten „Equipe“, einer Gruppe bestehend aus Frauen und Männern, die sich ehrenamtlich vor Ort engagieren und mit ihren jeweiligen Fähigkeiten einbringen: „Das begleitende Gebet und geistliche Leben in der Eremitage Franziskus ist ihr Kernanliegen. Darüber hinaus bringen sie ihre Fähigkeiten in Dekoration, Materialversorgung, Hauswirtschaft, usw. mit ein. Das sind die Menschen, die hier die Seele sind“, sagt Irmtrud von Plettenberg.

Eine von ihnen ist Hannelore Lux-Gerster. Sie ist seit den Planungen zur feierlichen Eröffnung am 4. Oktober 2018 - dem Tag des Heiligen Franziskus - mit an Bord und bietet in der Eremitage unter anderem einen Bibliolog an. „Menschen anzusprechen und willkommen zu heißen“ sei dabei besonders wichtig: „Viele kommen hier hin, die auf der Suche sind, die sich in Konfliktsituationen oder Krisen befinden, die in ihrer Trauer Trost und Halt suchen. Wir versuchen ihnen einen Ort zu geben, an dem sie sich wie zu Hause fühlen.“

Die Resonanz auf dieses Vorhaben ist dabei meist positiv: „Der Ort ist in der Regel gut besucht. Die Leute kommen aus dem Dekanat Siegen und darüber hinaus.“ Vor allem die einmal in der Woche angebotene offene Sprechstunde von Irmtrud von Plettenberg, die viele Menschen mit sehr verschiedenen Anliegen aufsuchen, werde „sehr gut angenommen“, betont Hannelore Lux-Gerster.

Auch Christoph Schüttler, Dekanatsreferent Siegen, der im Beirat der Eremitage Franziskus sitzt und beratend unterstützt, zieht eine positive Bilanz: „Menschen finden dort eine besondere geistliche Heimat, die für viele auch eine Lücke schließt. Der Ort hat sich toll entwickelt.“

Obwohl sich die Eremitage Franziskus zum Teil noch in der Aufbauphase befindet, hat auch Leiterin Irmtrud von Plettenberg diese Erfahrung bislang machen können: „Ich bin positiv überrascht. Wir bauen auf dem Fundament der Klarissen auf, das spüre ich. Hier war ein Anlaufpunkt für die Menschen, und der ist immer noch da.“

Text und Foto: Alexander Kollek

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