Die Entlastung gelingt

Flächenstart des Projektes „Verwaltungsleitung einführen“ / Errichtete Pastorale Räume können ab 2020 Verwaltungsleitung erhalten

„Die Entlastung gelingt” lautet das Fazit der Pfarrer (v.l.) Ludger Keite, Hubert Maus, Ludger Hojenski, Daniel Meiworm, Peter Gede und Josef Dieste. In ihren Pfarreien und Pastoralverbünden wurde ein Jahr lang der Einsatz von Verwaltungsleitungen erprobt.pdp / Tobias Schulte Paderborn / Halle / Dortmund, 2. April 2019. Pfarrer Josef Dieste, Leiter des Pastoralen Raums Stockkämpen, erinnert sich noch gut an den ersten Arbeitstag von Verwaltungsleiter Thomas Rudolph. „Der Tag begann mit einer Dienstbesprechung. Als ich einen Vorgang einfach an Herrn Rudolph weitergeben konnte, war das eine Schlüsselerfahrung für mich. Ich hatte die Sache aus dem Kopf, und die Sache wurde erledigt.“ Der Pastorale Raum Stockkämpen ist einer von sechs Piloträumen, in denen ein Jahr lang Verwaltungsleitungen erprobt wurden. Ihre Aufgabe: Vor allem leitende Pfarrer zu entlasten und ehrenamtliche Kirchenvorstände zu unterstützen. Am Ende der Pilotphase sind sich die sechs Pfarrer in den Piloträumen einig: Die Entlastung gelingt. Für das Erzbistum ist dies Anlass, mit dem Modell in die Fläche zu gehen. Zunächst können alle errichteten Pastoralen Räume, die wollen, ab 2020 schrittweise eine Verwaltungsleitung erhalten. Innerhalb von fünf Jahren sollen alle Stellen besetzt sein.

Die Pfarrer und Verwaltungsleitungen der sechs Piloträume empfehlen den Flächenstart ausdrücklich. Auf einer abschließenden Klausurtagung in Soest tauschten sie sich über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus. Doch sie machten auch deutlich: Die Einführung von Verwaltungsleitungen bedeutet Veränderungen sowohl für Pastoralen Räume als auch für Gemeindeverbände und Generalvikariat. Umso wichtiger sei eine ernsthafte Lern- und Hörbereitschaft aller Beteiligten, sowie eine gute Einbeziehung von Kirchenvorständen, Mitarbeitenden, Pastoralteam und Ehrenamtlichen.

„Pilotfunktion” erfüllten im vergangenen Jahr die ersten sechs Verwaltungsleitungen im Erzbistum Paderborn: (v.l.) Andreas Molitor, Anja Werthmann, Anna Werner, Riccardo Krüger, Patrick Droszynski und Thomas Rudolph.pdp / Tobias Schulte Mit der Einführung einer Verwaltungsleitung wird auch bisher Gewohntes auf den Prüfstand gestellt. „Für Priester ist es zum Beispiel nicht so einfach, Dinge abzugeben, auch Macht abzugeben“, sagt Thomas Rudolph, Verwaltungsleiter im Pastoralverbund Stockkämpen. „Das ist zwischendurch schon einmal spürbar geworden, und ich finde das auch ganz normal. Wichtig ist dann, dass beide Seiten offen aufeinander zugehen.“ Anna Werner, Verwaltungsleiterin im Pastoralen Raum Dortmund-Ost, betont die grundsätzliche Bedeutung von Teamarbeit: „Natürlich kann ich mir die schönsten Gedanken machen und die besten Ideen haben. Wenn aber die Sekretärinnen oder das Pastorale Personal nicht mitziehen, dann kann ich meine Ideen auch in die Schublade legen. Deshalb frage ich erst einmal die Menschen vor Ort: Wie macht ihr das? Was würde euch helfen?“

Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßt die gelungene Pilotphase und den kommenden Flächenstart ausdrücklich. „Bei uns ist die deutliche Botschaft angekommen, dass vor allem die Leiter Pastoraler Räume zu viele Verwaltungsaufgaben erledigen müssen. Ich möchte, dass unsere Pfarrer wieder mehr Raum für ihre ureigenen Aufgaben haben: Menschen begleiten, den Glauben fördern, Gott erfahrbar machen, zukunftsfähige Formen des Gemeindelebens entwickeln. Und auch das wichtige Ehrenamt von Kirchenvorständen muss auf Zukunft hin leistbar bleiben.“

Um für Entlastung zu sorgen, führe das Erzbistum daher mit Überzeugung flächendeckend Verwaltungsleitungen ein. „Ich erwarte, dass sich alle Pastoralen Räume ernsthaft mit dieser Möglichkeit auseinandersetzen“, so Erzbischof Becker.

Info: Der Weg zur Verwaltungsleitung

Pastorale Räume, die eine Verwaltungsleitung bekommen wollen, unterzeichnen als ersten Schritt gemeinsam mit allen Verantwortlichen eine einvernehmliche Willenserklärung und geben diese beim zuständigen Gemeindeverband ab. Stichtag ist in jedem Jahr der 31. Mai. Die Ausschreibung von Stellen für Verwaltungsleitungen erfolgt halbjährlich. Sollten mehr Willenserklärungen für VL-Stellen vorliegen, als im Halbjahr ausgeschrieben werden können, legen Gemeindeverbände und Generalvikariat gemeinsam eine Reihenfolge der Ausschreibung fest. Entscheidende Kriterien dafür sind Belastung des Pfarrers, Erfolgsaussichten sowie Zukunftsorientierung des Pastoralen Raums.

Weitere Informationen: Philip Lahrmann (Projektleiter), Tel. (0 52 51) 1 25 16 35, E-Mail:

 

Video: Ein Jahr Verwaltungsleitung - Erfahrungen aus den Pastoralen Räumen Stockkämpen und Dortmund-Ost