„Die Kirche ist nicht das Reich Gottes“

Erzbischof Hans-Josef Becker feiert Bußgottesdienst als „gemeinsame Feier der Versöhnung“

Erzbischof Becker feierte einen Bußgottesdienst als "Gemeinsamen Feier der Versöhnung" im Hohen Dom. Die Feier wurde musikalisch untermalt von Sängerinnen der Mädchenkantorei.pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 27. März 2019. „Die Kirche besteht nicht nur aus Heiligen, sondern sündige und fehlbare Menschen leben und wirken in ihr. Die Sünde der Einzelnen verunstaltet auch das Bild der Kirche insgesamt und schwächt und verdunkelt die Botschaft.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt im Bußgottesdienst im Hohen Dom, dem er am Mittwochabend vorstand. Der Gottesdienst wurde als „gemeinsame Feier der Versöhnung mit Bekenntnis und Lossprechung der Einzelnen“ und damit als besonderes Angebot in der Fastenzeit gefeiert. Er war Teil der Reihe „Rendezvous im Dom“, die sich in diesem Jahr an fünf Abenden mit dem Thema „Licht und Schatten in der Kirche“ beschäftigt.      

Ein „Rendezvous“ im Paderborner Dom zu haben, ist seit einigen Jahren in der Fastenzeit möglich: In diesem Jahr steht die Reihe individuell gestalteter Abende unter der Frage „Was kann ich mit der Kirche anfangen?“. Beleuchtet werden Licht- und Schattenseiten der Kirche – und die Frage, warum es sich trotzdem lohnt, gemeinsam zu glauben. Auch Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich in diesem Jahr beteiligt und einen Bußgottesdienst im Hohen Dom mit dem Thema „Kirche – sündig und heilig“ gefeiert. Der Gottesdienst wurde als „Gemeinsame Feier der Versöhnung mit Bekenntnis und Lossprechung der Einzelnen“ begangen. Ein solches Angebot unterstützt die Mitfeiernden in ihrer persönlichen Umkehr und schafft ein Umfeld, in der das Bußsakrament empfangen werden kann – aber nicht muss. Als besondere Form des Bußgottesdienstes will diese Feier als Vorbild auch für die Pastoralen Räume im Erzbistum Paderborn dienen.  

Zum Abschluss des Bußgottesdienstes sprach Erzbischof Hans-Josef Becker ein Dankgebet. Dazu war Weihrauch entzündet worden.pdp/Maria Aßhauer Zu Beginn des Bußgottesdienstes erinnerte Erzbischof Hans-Josef Becker an den Bombenangriff auf Paderborn vom 27. März 1945. „Es ist gut, wenn wir bei dieser gottesdienstlichen Feier der Opfer dieses Bombenangriffs gedenken, der vor 74 Jahren unsere Stadt traf. Aber auch alle Opfer von Kriegen und Gewalt wollen wir in unser Gedenken einschließen“, leitete der Paderborner Oberhirte den Gottesdienst ein. Nach einer kurzen Stille fuhr er fort: „Mit dieser Feier bereiten wir uns auf das Osterfest vor. Machen wir uns bewusst auf den Weg der Versöhnung, schauen wir Licht und Schatten an und beginnen wir  mit Christus neu.“  

Bereits in seinem diesjährigen Hirtenbrief zur Fastenzeit habe er auf den Anspruch des Evangeliums hingewiesen: Menschen aufzurichten statt sie niederzumachen, so Erzbischof Becker in seiner Predigt. „Darum geht es Jesus: Die Kleinen macht er groß und bringt auch die Sünder zum Heil. So ereignet sich der Neubeginn mitten unter uns, hier und jetzt“, sagte der Paderborner Oberhirte.  

Die Kirche habe im Verlauf ihrer langen Geschichte auch als Institution immer wieder Schuld auf sich geladen und sei der Buße und Erneuerung bedürftig, führte Erzbischof Becker weiter aus. Diese Selbsterkenntnis befördere den wachsenden Mut zu mehr Bescheidenheit und Realitätssinn. „Die Kirche ist nicht das Reich Gottes. Sie ist in dieser konkreten und gegenwärtigen Form nicht selbst das Ziel. Sie ist eine Kirche der Pilgerschaft“, erklärte der Paderborner Erzbischof.  

Zahlreiche Gläubige nahmen das Angebot der „Gemeinsamen Feier der Versöhnung“ im Rahmen der Reihe „Rendezvous im Dom“ an.pdp/Maria Aßhauer Dennoch sei die Kirche auch heilig, „weil Jesus Christus unauflöslich mit ihr verbunden ist und der Heilige Geist sie reinigt, leitet und erneuert.“ Es gebe für die Kirche keinen Grund zur Anmaßung und Selbstüberhöhung. Es gelte jedoch, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt, „dass wir immer auch die Chance zu Umkehr und Neubeginn haben – und dass wir zur Heiligkeit berufen sind. Diese Hoffnung dürfen wir niemals aufgeben!“  

Im Anschluss an die Predigt erhielten die Gläubigen die Möglichkeit, ihr eigenes Leben als Menschen und Christen zu reflektieren. Fragen zur im Lukas-Evangelium überlieferten Begegnung Jesu mit dem Zöllner Zachäus luden zum Besinnen ein: Habe ich einen wachen Blick für Menschen am Rande? Nehme ich mir Zeit für wirkliche Begegnungen – im Wissen, dass in jeder Begegnung Gott dabei ist? Rechne ich damit, dass Gott mir heilend begegnen kann? Bringe ich mich als Christ ein – im Beruf, in der Gesellschaft oder in der Politik?  

Dompastor Dr. Nils Petrat lud die Gläubigen schließlich dazu ein, in den Seitenkapellen des Domes „das eigene Dunkel auszusprechen“ und das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Wer im Kirchenschiff verweilte, konnte den Gesängen der Mädchenkantorei unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle lauschen. Der Gottesdienst endete mit dem Dankgebet von Erzbischof Becker, zu dem Weihrauch im Hohen Dom aufstieg.      

Alle Termine der Reihe "Rendezvous im Dom" auf einen Blick:

Plakat Rendezvous im Dom Das Plakat zur Reihe "Rendezvous im Dom".pdp