In kleinen Schritten voran

Ordensschwestern berichten von Hilfsprojekten im zerstörten Syrien

Die Ordensschwestern Helen Haigh (links) und Annie Demerjian berichteten Erzbischof Hans-Josef Becker (2. von links) und Domkapitular Dr. Thomas Witt, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn, von ihren Hilfsprojekten in Syrien.cpd / Markus JonasPaderborn, 25. März 2019. In einem zerstörten Land überleben und einen Neustart wagen: Dabei versucht die Ordensschwester Annie Demerjian RJM mit ihrem Helferteam Menschen in Aleppo, Damaskus und andernorts zu unterstützen. Mit ihrer Londoner Provinzoberin Schwester Helen Haigh von den Schwestern Jesu und Mariens besuchte sie in diesen Tagen Paderborn und berichtete auch Erzbischof Hans-Josef Becker über Hilfsprojekte der Ordensgemeinschaft. Der Diözesan-Caritasverband und das Erzbistum Paderborn unterstützen die Hilfsaktionen bereits seit 2016.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen seien in den meisten Teilen des Landes zwar beendet. „Die Armut aber nicht“, sagte Schwester Helen. Deswegen sei es wichtig, Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. In Maalula, einem Bergdorf nordöstlich von Damaskus, das überwiegend von Christen bewohnt wird, hat Schwester Annie deshalb eine kleine Textilfabrik gegründet, in der rund 30 Menschen eine Anstellung gefunden haben. Produziert wird vor allem Unterwäsche. Aufträge erhält die kleine Fabrik überwiegend von Hilfsorganisationen, die die Kleidung an die verarmte Bevölkerung verteilen. Probleme verursachen die häufigen Stromausfälle. Deswegen überlegen die Ordensschwestern, die kleine Fabrik mit Solarzellen auszustatten. „Dafür fehlen uns allerdings noch die Mittel“, sagt Schwester Annie.

Der acht Jahre dauernde Krieg hat vor allem auch die Kinder traumatisiert und teils auch körperlich geschädigt. Viele haben Gliedmaßen verloren. „Einer Familie, deren neunjährige Tochter ein Bein verloren hat, wurde von Nachbarn geraten, diese ´zu entsorgen´“, berichtet Schwester Annie erschüttert. Mit Hilfe des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn erhielt sie eine Prothese, dank derer sie wieder laufen kann. Ebenso wie ein kleiner Junge, dem eine Bombe beide Beine weggerissen hatte, der jetzt aber wieder in der Lage ist, mit zwei Prothesen zu gehen. „Für rund 600 Euro können wir Menschen, die ein Bein verloren haben, mit einer Prothese ausstatten.“

Ein wichtiger Bestandteil der Hilfe der kleinen Ordensgemeinschaft, die in Damaskus nur vier Schwestern zählt, ist die Einzelfallhilfe vor allem im zerstörten Aleppo, die von einem zehnköpfigen Helferteam geleistet wird. Denn besonders Alte, Kranke und Behinderte leiden unter den nach wie vor katastrophalen Bedingungen. „Wir unterstützen dort zum Beispiel die kleine Familie eines blinden Mannes. Ohne uns könnte die Familie nicht überleben.“ Dabei tut der Mann alles, um den Lebensunterhalt selbst zu verdienen. So flicht er kunstvoll kleine Körbe, die Schwester Annie ihm etwa für die Osterfeierlichkeiten abkauft. „Wir versuchen solch kleine Arbeitsgelegenheiten zu schaffen“, damit die Menschen wieder eine Perspektive bekommen“, erklärt sie. Im Rahmen dieser Hilfen unterstützt sie aktuell mit Hilfsgeldern aus Paderborn knapp 750 Familien in Aleppo und 75 in Damaskus bei den Heizkosten im Winter und weitere 80 Familien, die die hohen Mietkosten nicht aufbringen können.

Mit Mitteln des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn versorgte Schwester Annie im vergangenen Winter 2300 Kinder mit Wollmützen und Schals. Dazu hatte sie 26 Frauen zum Stricken engagiert und ihnen die Wolle zur Verfügung gestellt. „Damit haben wir vor allem Kinder aus den Gegenden um Damaskus versorgt, die lange von Islamisten kontrolliert wurden. Dort ist die Not besonders groß.“

Ein neues Projekt der Schwestern für die Kinder ist eine Musikschule in einem Armenviertel von Damaskus. „Wir setzen auf die heilende Wirkung der Musik“, erklärt Schwester Annie. „Wir erhoffen uns, dass die Beschäftigung mit Musik die inneren Spannungen der Kinder abbaut und indirekt für Heilung sorgt.“ Das Projekt ist zunächst auf fünf Jahre angelegt. Den Kindern sollen zehn Instrumente zur Auswahl stehen und im Idealfall aus den Schülern ein kleines Orchester gebildet werden. Die Schwestern hoffen, dafür die nötige finanzielle Hilfe zusammenzubekommen. „Es gibt sehr viel zu tun“, sagt Schwester Annie. „Aber in kleinen Schritten geht es voran.“

Über ihre Arbeit berichtete Schwester Annie auch vor interessierten Gästen in der Theologischen Fakultät in Paderborn, vor Mitarbeitern von Diözesan-Caritasverband und Erzbischöflichem Generalvikariat sowie bei einem Flüchtlingstreff in Menden und vor Gästen des Caritasverbandes Castrop-Rauxel.

Der Diözesan-Caritasverband Paderborn bittet um weitere Spenden für die Hilfsprojekte von Schwester Annie Dermjian in Syrien auf das Konto: IBAN DE54 4726 0307 0000 0043 00, BIC GENODEM1BKC (Bank für Kirche und Caritas), Stichwort: Syrien.