Helau und Halleluja

Kirchengemeinden aus dem Pastoralen Raum Marsberg bauen Karnevalswagen

Helau und Halleluja: Beim Bau des Wagens herrscht fröhliche Stimmung – zu Recht, denn die Botschaft des Wagens – Kirche als Tankstelle für die Seele – ist eine gute Botschaft.pdp/Till Kupitz Paderborn / Marsberg, 27. Februar 2019. Ein Novum im Stadtgebiet Marsberg: Zum ersten Mal bauen die 17 Kirchengemeinden gemeinsam einen Karnevalswagen. Die Gemeindemitglieder wollen zeigen: Kirche und Karneval – das passt besser zusammen, als viele Leute anfangs denken könnten.

Während warme Sonnenstrahlen durch die Bäume blitzen, laufen die letzten Vorbereitungen. Hier, mitten im Wald in einer alten Scheune bei Westheim, einem Ortsteil von Marsberg, wird fleißig gezimmert, geschraubt und gestrichen. Auch heute sind wieder viele Kirchenmitglieder der Gemeinden beim Arbeitseinsatz. Seit vier Samstagen bauen sie gemeinsam einen Karnevalswagen, der an drei Umzügen teilnehmen wird. Jedes Mal mit dabei: Propst Meinolf Kemper. Mit ihm hat das ganze Projekt begonnen.

„Bei einer Fortbildung sollte ich mir ein Projekt überlegen, wie wir als Kirche auf Menschen in der Öffentlichkeit zu gehen können“, erzählt er. Durch Gemeindereferent Manuel Kenter erfuhr Kemper, dass Firmlinge vor vielen Jahren schon einmal einen Karnevalswagen gebaut hatten – und das kam gut an. So reifte langsam die Idee, erstmals als Gemeinde im Pastoralen Raum Marsberg aktiv am Karneval teilzunehmen.

Propst Meinolf Kemper, Initiator des Projekts, baut auch selber am Wagen mit.pdp/Till Kupitz Ein Motto suchen, technische Voraussetzungen oder Versicherungsfragen klären: Schon im vergangenen Oktober begannen erste Planungen. „Die letzten Wochen haben wir hier dann richtig Gas gegeben“, strahlt Kemper und blickt auf den Wagen. Dort werden gerade letzte Bretter zurecht gesägt und an die passenden Stellen angebracht. Wichtig sei zudem die Unterstützung vieler Firmen aus dem Stadtgebiet gewesen. Sie sponserten Materialien wie Holz oder Aufkleber für den Wagen und stellten beispielsweise einen Traktor für den Umzug und einen Unterstand für den Wagen zur Verfügung.

An der Vorderseite des Wagens sind die Helfer gerade dabei, eine Kette mit 17 Wappen aufzuhängen. Sie stellen die Gemeinden dar, die zum Pastoralen Raum gehören. Alle Helfer diskutieren lebhaft, wie die perfekte Position dafür ist. Auch Gemeindereferent Kenter, zusammen mit Propst Kemper der Initiator des Wagenbaus, packt mit an. Über Rundrufe, die Pfarrnachrichten und vor allem die persönliche Ansprache hat er versucht, möglichst viele Menschen vom Wagenbau zu überzeugen – damit großen Anklang gefunden.

„Die Beteiligung am Wagenbau wurde von Treffen zu Treffen größer. Beim ersten Mal waren wir zu acht, jetzt sind wir insgesamt fast 30 Leute“, erzählt Kenter. Alle zusammen werden an den Umzügen teilnehmen. So auch Annette Scherl aus Westheim. Als sie von der Idee gehört hat, war sie direkt begeistert: „Ich freue mich auch, dass sich so viele eingefunden haben und mithelfen. Dass auch viele junge Leute mit dabei sind, ist schon erstaunlich.“

Tatsächlich sind beim Wagenbau alle Generationen vertreten. Darüber freut sich auch Propst Meinolf Kemper ganz besonders: „Denn so hatte ich es ursprünglich auch gemeint: Es soll ein Gesamtprojekt sein, um zu zeigen, dass der Pastorale Raum zusammenwächst, zusammengehört und wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen können.“ Nicht ohne Grund nehme man an den Umzügen in Erlinghausen, Meerhof und Giershagen teil. Die drei Gemeinden stehen symbolisch für die ehemaligen Pastoralverbünde Marsberg Mitte, Marsberg Süd und Sintfeld-Diemeltal.

Gerade auch viele junge Menschen machen mit beim Wagen, hier beim Anbringen einer Kette mit den Wappen der Marsberger Ortschaften.pdp/Till Kupitz Dass sich die Kirche im Karneval aktiv engagiert, mag anfangs vielleicht verwundern. Doch in unserem heutigen Sinn gebe es ohne das christliche Fest Ostern den Karneval gar nicht, erklärt Propst Kemper: „Das Fest Karneval richtet sich ja nach Ostern aus. Die Nacht vor Beginn der vierzigtätigen Fastenzeit wird eben noch einmal richtig durchgestartet und gefeiert, bevor dann das Stillere und die Vorbereitung auf Ostern beginnen.“ Dass Karneval historisch gesehen ein kirchlicher Brauch ist, zeige sich auch an Wörtern wie Helau oder Halleluja, die denselben Wortstamm haben. Die Fastnacht ist eben die Nacht vor dem Fasten, das lateinische Carne Vale bedeutet übersetzt so viel wie „Fleisch, lebe wohl“, bezieht sich also ebenfalls auf die anschließende Fastenzeit.

Auch das karnevalistische Motto des Marsberger Wagens hat natürlich einen kirchlichen Bezug. „Die Kirche als die älteste Tankstelle der Welt“, erklärt Manuel Kenter vorab schon einmal. Die Idee sei zu einer Zeit entstanden, als die Spritpreise sehr hoch waren. So befindet sich in den Umzügen neben dem Kirchturm, dem noch das Dach fehlt, auch eine Zapfsäule auf dem Wagen. Jecke Sprüche wie „Fehlt dir die Power, läuft’s nicht so toll, wir tanken deine Seele voll“ runden den bunten Wagen ab – mit kirchlicher Botschaft.

„Viele verbinden die Kirche heute nur mit Prozessionen und dem sonntäglichen Gottesdienst“, schildert Kenter. „Wir wollen durch unsere Zapfsäule und Wörter wie Ruhe, Gemeinschaft, Trost, Kraft, Stärke, Freude all das ausdrücken, was Kirche zu geben hat. Hoffentlich regen wir die Leute mit dem Projekt so zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken an.“   Mit der Karnevals-Aktion möchten die Engagierten der Kirchengemeinden in Marsberg nun klarmachen: Kirche kann auch anders sein – und sehr wohl Spaß, Freude und Lachen vermitteln. „Auch das geht“, ist sich Kenter sicher. „Das alles hier soll zeigen, dass Kirche auch neue Wege gehen kann und auch geht.“