„Der Zauber des Ja-Wortes ist jedes Mal aufs Neue faszinierend“

Interview mit Studierendenpfarrer Dr. Nils Petrat über den Wandel der Bedeutung der Ehe und derzeitige Hochzeits-Trends

Nils Petrat „Die meisten Paare haben den einfachen Wunsch nach einem Segen und wünschen sich für ihren weiteren Lebensweg die besten Voraussetzungen. Und an wen könnten sie sich mit diesem Wunsch besser wenden als an Gott?“, meint Studierendenpfarrer und Dompastor Dr. Nils Petrat im Interview.pdp/David Hesse Paderborn, 7. Februar 2019. Der Heilige Bischof Valentin von Terni hat im 3. Jahrhundert nach Christus gelebt und soll Liebespaare getraut haben, denen es eigentlich verboten war zu heiraten. Den frisch vermählten Paaren soll er außerdem Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Am 14. Februar gedenkt die Katholische Kirche Bischof Valentin und seinen Werken. Wir haben aus diesem Anlass mit Studierendenpfarrer und Dompastor Dr. Nils Petrat gesprochen und einmal gefragt, wie seine Erfahrungen als Priester mit aktuellen Hochzeits-Trends sind und wie sich seiner Meinung nach die Bedeutung des Ehe-Begriffs gewandelt hat.

Sie haben schon über 100 Paaren bei der Eheschließung assistiert und deren Ehe gesegnet. Können Sie sich noch an die erste Trauung erinnern, die Sie gefeiert haben?
Dr. Nils Petrat: „Ich muss gestehen, dass ich bei dieser Frage zuerst einen Augenblick nachdenken muss, welches das erste Paar war, das ich getraut habe. Doch nun kommen mir die Zwei sehr präsent in Erinnerung, war es doch für katholische Verhältnisse eine etwas ungewohnte Trauung. Das Paar war bereits lange standesamtlich verheiratet und hatte ein Kind. Nach vielen Jahren wollten sie nun die kirchliche Trauung „nachholen“. Doch durch diese Konstellation war die Entscheidung des Paares, sich den kirchlichen Segen geben zu lassen, umso bewusster getroffen. Der Schritt, mit Mitte 40 schließlich noch vor den Traualtar zu treten, war damit sehr überlegt getroffen und nicht durch äußere Einflüsse bestimmt.“

Da sprechen Sie eine aktuelle Tendenz an. Hochzeiten werden oft immer pompöser gefeiert. Sobald das Wort Hochzeit fällt, steigen schnell die Preise. Lenkt das nicht alles vom eigentlichen Grundgedanken des Ja-Wortes ab?
Petrat: „Ich nehme wahr, dass die Hochzeit für viele als das Highlight, als das bedeutsamste Ereignis im aktuellen Lebensabschnitt angesehen und damit mit besonderer Detailtreue bedacht wird; manchmal gar: „Hochzeit wie in Hollywood“. Bei allem äußeren Aufwand habe ich aber noch keine Hochzeit erlebt, bei der im Moment des Ja-Wortes nicht zwei einfache Menschen vor mir stehen, die sehr aufgeregt und oft mit einer Träne im Auge ganz bei sich sind und für den einen Moment alle Dekoration und alles Drumherum vergessen und nur das einzigartige Treuversprechen sehen. Ich merke immer wieder, das Geheimnis, der Zauber des Ja-Wortes ist jedes Mal aufs Neue faszinierend und auch durch jegliche äußere Pracht nicht auszulöschen.“

Valentins-Gottesdienst Hans-Bodo Markus, Julia Carolin Meiling, Simone Wiedeking und Studierendenpfarrer Dr. Nils Petrat laden zum Besuch des Segnungsgottesdienstes am Valentins-Tag, 14. Februar, ab 17:30 Uhr in die Marktkirche ein.pdp/Lena Reiher Welche Ratschläge können Sie den Paaren geben, nicht das Wesentliche aus den Augen zu verlieren?
Petrat: „Mit Ratschlägen für Paare halte ich mich als Priester eher ein wenig zurück. Was ich den Paaren aber mit auf den Weg geben kann, ist zu versuchen, den Zauber des Anfangs im Alltag nicht zu vergessen; also die tief empfundene Erfahrung der Zuneigung und Treue und das Gefühl: ‚Du bist das Beste, was mir je passiert ist.‘ Dies kann zum Beispiel durch Rituale gelingen, in dem der Hochzeitstag in den folgenden Jahren auf besondere Weise zelebriert wird, sich bewusst Zeit als Paar genommen wird und man sich auf die Werte und Gefühle zurückbesinnt, die den Hochzeitstag so unvergesslich gemacht haben. Eine Möglichkeit, solch ein Ritual zu schaffen, ist zum Beispiel der Besuch des Valentins-Gottesdienstes in der Paderborner Marktkirche.“

Hat sich Ihrer Erfahrung nach der Begriff der Ehe gewandelt?
Petrat: „Gesamtgesellschaftlich sicher, man denke nur an die Diskussionen um eine Ausweitung des Ehe-Begriffes. Bei denjenigen, die sich auch kirchlich trauen lassen, geschieht oft eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage: Was meint eigentlich Ehe für uns? Wir könnten ja auch unverheiratet eine Familie gründen. Meist sind dann sehr romantische, gefühlsbetonte Vorstellungen ausschlaggebend. Die Essentials der katholischen Ehe-Lehre werden in diesem Zusammenhang gerne bejaht: Unauflöslichkeit, Treue, Offenheit für Kinder, gegenseitige Unterstützung. Ich denke, dass die Ehe-Schließung früher wohl etwas nüchterner betrachtet wurde. Hochzeit ist heutzutage viel emotionaler, die Ehe ist mehr eine Gefühlsgemeinschaft als eine Vertragsgemeinschaft.“

Aber wenn das Zusammenleben doch ohne Trauschein oder nur beurkundet durch einen Standesbeamten auch wunderbar funktioniert, warum lassen sich (junge) Menschen überhaupt noch kirchlich trauen?
Petrat: „Die Motivationen sind durchaus gemischt. Die meisten Paare haben schlicht den Wunsch nach einem Segen, sie möchten ihre Beziehung unter den Segen Gottes stellen und wünschen sich für ihren weiteren Lebensweg die besten Voraussetzungen. Und an wen könnten sie sich mit diesem Wunsch besser wenden als an Gott?
Für viele zählt aber selbstverständlich auch ihr persönlicher Glaube, die Verbundenheit zu Gott und manchmal auch zu einer konkreten Gemeinde; die kirchliche Trauung ist dann eine Selbstverständlichkeit. Denn erst durch den kirchlichen Segen ist für sie die Ehe-Schließung vollkommen.“

Was sind die Wünsche, die Sie den frisch getrauten Paaren mit auf den Weg geben?
Petrat: „Meiner Meinung nach fassen die Worte des Trausegens in der Liturgie die Wünsche, die ich den Brautpaaren mit auf den Weg geben möchte, es sehr gut zusammen. Ich wünsche, dass sie immer den Segen Gottes und seinen Rückenwind erfahren dürfen. Dass der Glaube ihnen Trost in schweren Momenten schenken möge und Licht an dunklen Tagen. Weiterhin wünsche ich den beiden treue Freunde an ihrer Seite und ein verlässliches Umfeld. Schließlich auch Offenheit für andere Menschen und die Bereitschaft, sich gemeinsam für Schwächere oder Arme zu engagieren. Natürlich gebe ich den Paaren auch gerne mit auf den Weg, dass sie ihr Leben genießen sollen, weil mit dem Eintritt in die Ehe ein weiterer wunderbarer Lebensabschnitt beginnt.“

Valentins-Gottesdienst
Am Gedenktag des Hl. Bischofs Valentin, dem 14. Februar um 18 Uhr, findet in der Paderborner Marktkirche wieder ein „Segnungsgottesdienst“ ganz im Zeichen der Liebe statt. Die Katholische Hochschulgemeinde Paderborn bietet gemeinsam mit dem Mentorat für Theologiestudierende an diesem Abend Paaren die Möglichkeit, sich in dem Gottesdienst einmal Zeit für sich und die eigene Beziehung zu nehmen. Der weitere Beziehungsweg kann wieder neu unter den Segen Gottes gestellt werden. Der Abend für die Liebe beginnt um 17:30 mit einem Sekt-Empfang an der Kirche und wird mit stimmungsvoller Musik begleitet.

Das Interview führte Lena Reiher, Marketing, Kommunikation und Pressestelle im Erzbischöflichen Generalvikariat