„Die meisten Begegnungen endeten mit einem Lachen“

Heinz Bruning beendet seine Zeit als Schulleiter der St.-Walburga-Realschule und freut sich auf mehr Zeit im Ruhestand

Unzählige Stunden hat Heinz Bruning hier gesessen: der Schreibtisch im Büro des Schulleiters.pdp/Dirk LankowskiPaderborn, 30. Januar 2019. Der Weg zur St. Walburga-Realschule in Meschede ist an diesem Tag beschwerlich. Nicht nur die Großbaustelle am Schulgebäude macht den Weg schwer. Die Gehwege sind glatt und vom Himmel fällt eine Mischung aus Regen und Schnee. Der Sauerländer würde wohl Schneematsch dazu sagen. An solchen Tagen kann man Heinz Bruning gut verstehen, wenn er sagt: „Ich hatte während meines Studiums in Münster für mich klar, dass ich nie ins Sauerland oder Siegerland möchte.“ Die Begründung dafür ist kurz: „Zu viel Winter, zu viele Berge.“      

35 Jahre hat es Heinz Bruning jetzt aber doch schon im Sauerland „ausgehalten“ – man könnte sagen, er hat hier eine neue Heimat gefunden. Fast ununterbrochen war er an der St. Walburga-Realschule in Meschede. Und auch im Ruhestand will er überzeugter Wahl-Sauerländer bleiben. „Ich habe hier Menschen getroffen, die vom Typ so sind wie in meiner Heimat“, führt der 65-Jährige an. Gebürtig kommt er aus Wallenhorst bei Osnabrück. Nachdem er früher von der weiten Sicht im platten Land geschwärmt hat, genießt der passionierte Läufer heute die Strecken, wo es bergauf und bergab geht. „Die Aussicht im Sauerland ist einfach fantastisch.“  

Vier Schultage hat Heinz Bruning noch vor sich. Noch wirkt alles so wie immer. Stellvertreter Matthias Laumann, der auch sein Nachfolger ist, steht mit Bruning am Schreibtisch zur kleinen Lagebesprechung, während Dorothea Hermes im Sekretariat freundlich die Besucher begrüßt. Der Schreibtisch liegt gerade noch voll mit Zetteln, Akten und anderem Material. Ob so der Schreibtisch eines Schülers bei den Hausaufgaben aussehen dürfte? „Wenn er damit klar kommt, ist das wohl okay“, meint der Schulleiter schmunzelnd. In vier Tagen soll das im Büro des Schulleiters anders aussehen.  

Heinz Bruning freut sich im Schneetreiben über den Abschluss der Erweiterung der St. Walburga-Realschule.pdp/Dirk LankowskiHeinz Bruning ist Sportler durch und durch. Natürlich habe er das Handballspiel der Nationalmannschaft gesehen. „Das war ein spannendes Spiel. Und: Das Ergebnis war okay.“ Der Ruhestand ist für den Schulleiter eine schöne Perspektive. „Ich habe freie Zeit, die ich verplanen kann.“ Seine Ehefrau genießt seit einem Jahr den Ruhestand. Und dann gibt es noch drei Söhne, die nun öfter besucht werden können. So geht es im Februar nach Paris und im Herbst nach Berlin. Dazwischen wartet der Spreewaldmarathon am 27. April. „Das ist mitten in der Schulzeit, früher war das undenkbar.“ Sportliche Aktivitäten stehen ebenso wie eine vernachlässigte Kakteenzucht und ein Gewächshaus im Garten auf dem Programm. „Es war eine schöne Zeit hier, aber ich mache auch viel zu gerne etwas anderes.“  

Trotz der Vorfreude auf den Ruhestand spürt Heinz Bruning auch Wehmut. „Mir wird der entspannte und nette Umgang mit den Kindern fehlen. 80 Prozent der Begegnungen enden hier mit einem Lachen.“ Die meisten Schülerinnen und Schüler an der St. Walburga-Realschule würden sich durch Freundlichkeit und Humor erreichen lassen. Das mache den guten Ruf der Schule aus. „Wir leben hier unseren Glauben im Alltag. Aus dem Gebot der Nächstenliebe resultiert unser Umgang mit den Mitmenschen“, betont der Schulleiter. Das sei viel Arbeit. „Wir prägen unsere Kinder sehr intensiv. Das hat zur Folge, dass wir sehr viel Zeit investieren.“ So bleibe jeder Klassenlehrer sechs Jahre in der Verantwortung für seine Klasse – und werde am Ende am Ergebnis gemessen.  

Die Arbeit im Team war Heinz Bruning immer wichtig, hier im Gespräch mit Schulsekretärin Dorothea Hermes.pdp/Dirk Lankowski„Natürlich sind wir als Schule in Trägerschaft des Erzbistums privilegiert. Uns werden mehr Freiräume gewährt, dafür haben wir aber auch mehr Verantwortung.“ Bruning habe oft das Gefühl, dass staatliche Schulen „gegängelt“ werden. „Wenn wir als Schule eine gut begründete eigene Position haben, dann ist uns meistens unser Schulträger gefolgt.“ Die Zukunft des Schulsystems, in dem viel zu oft experimentiert werde, kann auch er nicht voraussagen. „Ich glaube, dass wir das dreigliedrige Schulsystem behalten. Ich selbst bin da aber unentschieden.“ Seiner Meinung nach sei auch ein anderes System möglich, das würden andere Länder erfolgreich vormachen. Aber dann müsse man Schule ganz neu denken. „Wir brauchen mehr Integration im Schulsystem. Schulen spiegeln zu sehr die Zusammensetzung der sozialen Milieus wieder. Da gibt es Nachholbedarf.“ So sei es gut, dass Kirchen Träger von Schulen sind. 

Vielfalt bereichere das Schulsystem. „Wir müssen unsere Werte und unseren Glauben im Bildungssystem darstellen, im Schulalltag Zeugnis geben, uns für Schwächere einsetzen“, mahnt Heinz Bruning.  

Sich dafür weiter einzusetzen und zu engagieren, dass müssen zukünftig Andere. „Ich wünsche der Schule, dass sie die großartige Atmosphäre des Miteinanders bewahrt. Dass die hohe Achtung vor den Schülern bestehen bleibt.“ Bruning schaut auf die Uhr. Gleich geht der Schulgong. Und wie „immer“ steht beim Noch-Schulleiter Unterricht auf dem Programm. Sport in der fünften Klasse. „Ich möchte schließlich jeden Schüler an dieser Schule kennen.“