„Aus Gewalt der Worte keine Gewalt der Taten werden lassen“

Medienempfang des Erzbistums Paderborn: Über 50 Medienvertreter beim Sales-Tag / Erzbischof Becker positioniert sich erneut zum Thema „Missbrauch“

Anlässlich des Gedenktages des heiligen Franz von Sales, dem Patron der Journalisten und Schriftsteller, lädt das Erzbistum Paderborn Medienschaffende zum Austausch ein. V.r.: Erzbischof Hans-Josef Becker und Thomas Throenle, stellvertretender Pressesprecher des Erzbistums Paderborn.pdp/Dirk Lankowski Paderborn, 25. Januar 2019. Am 24. Januar ist der Gedenktag des heiligen Franz von Sales, Patron der Journalisten und Schriftsteller – jedes Jahr ein guter Anlass für das Erzbistum Paderborn, Medienvertreter zum Austausch mit der Bistumsleitung einzuladen. In diesem Jahr fand dieser im Erzbischöflichen Priesterseminar statt. Erzbischof Hans-Josef Becker behandelte in seiner Ansprache ein breites aktuelles Themenfeld. Unter anderem bezog er erneut klar Stellung zur Missbrauchsstudie. Vor dem Empfang hatte Weihbischof Matthias König mit den über 50 Medienschaffenden einen Wortgottesdienst in der Kirche des Leokonvikts gefeiert.      

Erzbischof Becker blickte in seiner Ansprache zunächst auf „freudige Erinnerungen“ des zurückliegenden Jahres – das Doppeljubiläum rund um den Hohen Dom, die neuen Domglocken, die Weiterentwicklungen des „Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn“: „Mit viel Engagement machen sich Haupt- und Ehrenamtliche, Frauen und Männer, auf den Weg, um Kirche vor Ort zu sein und den Glauben zu leben“, so der Paderborner Oberhirte.  

Erzbischof Becker positionierte sich nochmals klar zum Umgang mit der MHG-Studie zum Missbrauch Minderjähriger im Raum der Katholischen Kirche. „Wir haben uns für einen konsequenten Weg der Offenheit und Transparenz entschieden. Wir werden aus falscher Rücksichtnahme oder um den Ruf der Kirche zu schützen, keine Vorfälle beschönigen“, sicherte der Paderborner Erzbischof zu. „Für die Kirche, der ich mich als Priester verschrieben habe, schäme ich mich, dass solche Verbrechen bagatellisiert und Opfer nicht ernst genommen worden sind. Es tut mir in der Seele weh, dass so viel Unheil und so viel Schaden verursacht worden sind.“ Es sei Auftrag der Kirche, den Menschen das Evangelium nahe zu bringen. „Ich habe den Anspruch, dass wir als Kirche eindeutig und konsequent dieser Sendung entsprechen“, forderte der Paderborner Oberhirte.  

Mit Blick auf die Gesellschaft beobachte er beunruhigende Entwicklungen, so Erzbischof Becker weiter. Die „Verrohung der Sprache“ und die Art und Weise des Umgangs miteinander seien bedenklich, der zunehmende Verzicht auf Differenzierungen im öffentlichen Diskurs erfülle ihn mit Sorge. „Die Art, wie wir voneinander denken und miteinander sprechen, hat unmittelbar Einfluss auf unser Tun. Wir müssen sehr sensibel sein, damit auf die Gewalt der Worte nicht auch eine Gewalt der Taten folgt“, warnte der Paderborner Erzbischof. Der „Niedergang des Mitgefühls“ im sozialen Miteinander sei keine Belanglosigkeit. Es gelte Jesu Mitleid nachzuahmen: „Menschen aufzurichten anstatt sie niederzumachen“, erklärte Erzbischof Becker.  

Im digitalen Zeitalter und in einer global vernetzten, stets getakteten Welt, bliebe kaum noch Zeit und Ruhe, um sich auf Wesentliches zu besinnen. „Zunehmend scheint sich in diesen unruhigen Zeiten etwas von dem zu verflüchtigen, was den Kern unseres Glaubens und der christlichen Botschaft ausmacht“, hielt der Paderborner Erzbischof fest. Soziale Medien würden Menschen zwar miteinander in Beziehung setzen, doch würden sie auch „bewussten Falschmeldungen“ einen Nährboden bieten – eine Herausforderung für „guten Journalismus“, der verantwortungsvoll seine Informationen und Quellen prüfen müsse, fasste Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss zusammen.  

Zum Auftakt des Sales-Tages hatte Weihbischof König mit den Medienschaffenden einen Wortgottesdienst in der Kirche des Erzbischöflichen Theologenkonvikts gefeiert. Er betonte, dass Christen eine freudige Botschaft für die Welt anvertraut bekommen hätten. „Wenn wir aufmerksam hinschauen, haben wir Christen viele solcher Nachrichten in die Welt zu tragen“, sagte Weihbischof König und erinnerte an den derzeitigen Weltjugendtag in Panama, die erfolgreiche Sternsingeraktion oder auch das Engagement von Missionaren in Krisenregionen. „Gute Nachrichten haben es immer schwer, sich gegen das Negative durchzusetzen. Aber es lohnt, ihnen Raum zu geben. Denn in ihnen steckt die positive Kraft, die Antrieb schenken kann: Freude, Optimismus und Liebe sind ein starker Motor, das eigene Leben zu bewältigen und auch die Welt – wenigstens ein bisschen – zu verändern“, gab Weihbischof König den Medienschaffenden als Impuls mit auf den Weg.      

Hintergrund: Franz von Sales  
Franz von Sales wurde 1567 als ältestes von zehn Kindern einer adligen Familie bei Savoyen/Frankreich geboren. Nachdem er in Paris und in Padua Philosophie, Jura und Theologie studiert hatte, wurde er als Rechtsanwalt zugelassen, ließ sich aber 1593 zum Priester weihen. Er galt als begnadeter Prediger und Seelsorger und zeichnete sich durch Bescheidenheit aus. Im Jahr 1602 wurde er Bischof von Genf. 1610 gründete er gemeinsam mit Johanna Franziska von Chantal den „Orden von der Heimsuchung Mariä” (Salesianerinnen). Bis zu seinem Tod blieb er dessen geistlicher Leiter. Schon zu Lebzeiten wurde er verehrt. Franz von Sales starb 1622 in Lyon. Papst Alexander VII. sprach ihn 1661 selig und 1665 heilig.