Als der Papst ein Konzil ankündigte...

Drei Zeitzeugen aus dem Erzbistum berichten

Paderborn, 25. Januar 2019. Weihbischof em. Manfred Grothe aus Paderborn, Schwester M. Mediatrix Altefrohne, Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vincenz von Paul, und Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt aus Sundern schildern, wie sie die Ankündigung des II. Vatikanischen Konzils erlebten.

Weihbischof em. Manfred Grothe fragte sich zusammen mit vielen anderen: "Ob das auch wohl etwas mit unserer Pfarrei zu tun hat?"pdp / Thomas Throenle "1959 lebte und glaubte ich in der Heimatgemeinde noch als Schüler einer traditionellen und lebendigen Volkskirche, so dass eine der ersten Fragen nach der überraschenden Ankündigung war: Ob das auch wohl etwas mit unserer Pfarrei zu tun hat? Erst im Nachsetzen kam dann die Einsicht in die Angemessenheit des Vorhabens: "Es ist an der Zeit, die Liturgie in der Muttersprache zu feiern und die Parallelität von Latein und Deutsch zu beenden, das streng regulierte und vom Katechismus und von Geboten gesteuerte Glaubensleben mehr Freiheit und Eigenverantwortung atmen zu lassen und die strikte Trennung von evangelischen und katholischen Christen, wie wir sie erlebten und lebten, menschlicher und dialogischer zu gestalten. Und es meldete sich auch die vorsichtige Frage, ob dann auch die Mädchen wohl Messdienerinnen werden können."

Weihbischof em. Manfred Grothe, Paderborn 

 

Schwester M. Mediatrix Altefrohne ließ die Ankündigung mutig in eine Zukunft blicken, die das Glauben und den Glauben frischer und froher machte.Kongregagion der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vincenz von Paul Als das II. Vatikanum angekündigt wurde, war ich bereits einige Jahre Ordensschwester, und ich war es gern. Ich war mir im Glauben gewiss, dass Gott mich auf diesem Weg führte. Als das Konzil angekündigt wurde, war ich erstaunt und fragte mich, was da behandelt werden sollte. Dass es auch Bedeutung für die Orden haben könnte, war mir zunächst nicht einsichtig. Zu fest schienen Regeln und Vorschriften verankert zu sein, obwohl ich deren Enge manchmal nicht verstand. Dennoch weckte die Ankündigung des Konzils eine gewisse Erwartung. Diese Erwartung ging zunächst von einem Wort und einem Zeichen aus. Beide wurden von Papst Johannes XXIII. berichtet. Das Zeichen gab er auf die Frage, was er mit dem Konzil bezwecken wolle. Er öffnete ein Fenster und sagte sinngemäß: Es soll frische Luft in Glaube und Kirche bringen. Das Wort lautet „Aggiornamento". Ich übersetze es mit „Heutigmachen" oder „Gegenwärtig-Setzen". Beides waren Zeichen, die ermutigten, in eine Zukunft zu blicken, die das Glauben und den Glauben frischer und froher machen könnte. Für die Orden brachte das Konzil eine ganz entscheidende Wendung: Wichtigste Grundlage für das Ordensleben ist das Evangelium und nicht die Ordensregel.

Schwester M. Mediatrix Altefrohne, Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vincenz von Paul

 

Mit allem anderen als andächtigem Schweigen nahmen Konrad Schmidt und seine Mitschüler die Ankündigung des II. Vatikanischen Konzils auf. Sie erfuhren davon im Religionsunterricht.Bonifatius Druck - Buch - Verlag / Claudia Auffenberg Noch bevor die kirchliche Presse vom angekündigten „allgemeinen Konzil für die Weltkirche“ berichtete, kam am Laurentianum in Arnsberg unser Geistlicher Studiendirektor Johannes Real zu uns in den Religionsunterricht, unterbrach die fortlaufende kirchengeschichtliche Thematik und ließ uns laut darüber nachdenken, was das Ziel dieses mutigen Vorstoßes des „Übergangspapstes" sein könne, der erst am 28.10.1958 gewählt, also noch keine neunzig Tage im Amt war. "Ökumene“ und „Neuaufbruch“ waren zwei Stichworte, die mir haften geblieben sind. Vor allem stand die Frage im Raum, was ein 77 Jahre alter Papst mit diesem komplexen, auf jeden Fall lange andauernden Projekt vorhabe. Später schilderte Papst Johannes XXIII. das kurze Konsistorium zum Abschluss der Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen in St. Paul vor den Mauern; die Kardinäle hätten die Ankündigung mit einem „eindrucksvollen, andächtigen Schweigen“ aufgenommen. Das traf auf unseren Religionsunterricht ganz und gar nicht zu.

Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt, Monsignore, Sundern  

 

Weitere Informationen zu dem Thema:

Ein Konzil für eine neue Menschheitsepoche: Hintergründe zum II. Vatikanischen Konzil

Ein Update für die Kirche: Interview mit Msgr. Dr. Michael Bredeck